Kriterien für die Fonds-Auswahl
Leben & Lifestyle

Kriterien für die Fonds-Auswahl

Bild: Foto: Klaus Schönitzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Seit es die Börse gibt wird der Mythos vom Reichtum durch Aktien genährt. Doch fast alle Investoren mussten im Laufe ihrer Anleger-Karriere das Bonmot von Altmeister Kostolany lernen: “An der Börse verdientes Geld ist Schmerzensgeld.“ Eine ehrliche und realistische Selbsteinschätzung sowie die Bewertung der finanziellen Verhältnisse sind für den Börsenerfolg weitaus wichtiger als die Wahl des vermeintlich richtigen Fonds.

Seit es die Börse gibt wird der Mythos vom Reichtum durch Aktien genährt. Doch fast alle Investoren mussten im Laufe ihrer Anleger-Karriere das Bonmot von Altmeister Kostolany lernen: “An der Börse verdientes Geld ist Schmerzensgeld.“ Eine ehrliche und realistische Selbsteinschätzung sowie die Bewertung der finanziellen Verhältnisse sind für den Börsenerfolg weitaus wichtiger als die Wahl des vermeintlich richtigen Fonds.

Der Wunsch nach schnellem Reichtum war im Frühjahr 2000 häufig der Vater der Gedankenlosigkeit: Als wolle man den überraschenden Börsen-Erfolg des Nachbarn überbieten, plünderten viele Privatanleger ihr Sparbuch und wagten sich auf das Börsenparkett. Achtlos wurde in den scheinbar ewig haussierenden Markt investiert, Neuemissionen - und auch immer mehr frisch aufgelegte Fondsprodukte gezeichnet. Das böse Ende ist bekannt: “Das schöne Geld - alles weg“, sprach die BILD-Zeitung wenige Monate später vielen geprellten Anlegern aus der Seele. Börsen-Kolumnist Bernd Niquet resümierte trocken: “Die Gier hat wieder einmal das Hirn gefressen.“

Das trifft auch in nicht wenigen Fällen für die Auswahl der Fonds zu - ein Faux Pas, an dem die Banken mit der Auflage immer neuer Produkte zu immer höheren Kursen nicht unschuldig waren. Wie auch beim Kauf einer einzelnen Aktie sollte der Investor vor der Order seine persönlichen Anlageziele und Anlagenverhältnisse definieren: Will er sein Geld sicher “parken“ und ist mit garantierten drei Prozent Festgeld zufrieden? Oder besitzt er den Mut und langen Atem, einen Teil seines Geldes in einen riskanten Technologie-Fonds zu investieren, den er viele Jahre zu halten bereit ist? Oder möchte der Jungangestellte seine ersten vermögenswirksamen Leistungen in klassischen Vermögensbildungs-Fonds sparen?

Lebensalter bestimmt Fondstyp

Andre Kostolany erklärt in seinen vielen Schriften auch hier den Königsweg zur ausgewogenen Kapitalanlage: Das Lebensalter des Anlegers definiert den Grad seiner Risikobereitschaft. Pointiert gilt die Formel: 100 - Lebensalter = Geldanteil, der max. in Aktien bzw. Aktienfonds investiert werden sollte. Ein 30jähriger Angestellter könnte entsprechend bis zu 70 Prozent seines Kapitals in Fonds investieren, ein Pensionär von 65 Jahren entsprechend nur knapp ein Drittel.

Dieser Grundregel liegt die über hundertjährige Erfahrung zu Grunde, dass an der Börse kurzfristig immer alles anders kommen kann. Die Weltwirtschaftskrise der Dreißiger Jahre des letzen Jahrhunderts, die Ölkrise der 1970er und die Terrorattacken auf das World Trade Center 2001 untermauern, wie sensibel die Aktienmärkte mitunter reagieren können. Damit ist das eingesetzte Kapital freilich nicht verloren: Die Historie beweist, wie schnell sich die Börsen immer wieder erholen konnten. Doch wenn aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Anleger keinen langen Atem für die Erholungsphasen hat, könnte er an seinem Lebensabend bei zu riskanten Engagements eine böse Überraschung erleben. Eine sukzessive Umschichtung in sicherere Fondsanlagen - wie Geldmarkt- oder Rentenfonds - erscheinen im Alter sinnvoll.

Vom Entschluss zur Order

Ist der Entschluss gefasst, eine bestimmte Summe in Fonds zu investieren, empfiehlt sich zuallererst eine Beratung bei der Hausbank. Im Gespräch mit dem persönlichen Berater werden dann die Anlageziele erörtert und die Fondstypen und –schwerpunkte diskutiert.

Notwendig für das Investment in Fonds ist die Eröffnung eines Depots, in das die Fondsanteile verbucht werden. Dies geschieht über die Hausbank. Im Internetzeitalter ist es selbstverständlich möglich, die Fondsorder – also Kauf und Verkauf von Aktien – online abzuwickeln. Einsteiger sollten jedoch erst einmal den traditionellen Weg über den Wertpapierberater der Bank wählen. Onlinebroker bieten nämlich in den seltensten Fällen die für die Orientierung wichtige Beratung an.

Ist das Depot eröffnet und der Fonds ausgewählt, bleibt noch die Frage nach Kaufzeitpunkt und Ordergröße. Allgemein empfiehlt es sich, das Fonds-Prinzip der breiten Streuung walten zu lassen und nicht alles auf eine Karte - bzw. einen Fonds - zu setzen. Gekauft und verkauft werden können die Fondsanteile täglich. Dennoch sollte die Zielsetzung des Investments überdacht sein: Betrachtet der Investor den Zeitpunkt als ideal und kauft einmalig seine Fondsanteile - oder sieht er die Anlage in Fonds als Sparplan, in den in regelmäßigen Zyklen (z.B. monatlich) eingezahlt wird.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite