Die Herdprämie
Über die meisten Wörter liest oder hört man einfach hinweg. Sie sind mehr oder weniger zutreffend und erregen allein durch ihre Verwendung keine große Aufmerksamkeit. Ganz anders sieht es bei neuen Wortschöpfungen aus: Ihr Urheber hat keinen treffenden Ausdruck in seinem Wortschatz gefunden und deshalb Zeitgenossen und Nachwelt ein neues Wort beschert. Und das kann durchaus ein Missgriff sein. Ein solches Wort ist zweifellos die „Herdprämie“.
Doch was steckt dahinter? Vielleicht eine Ausschüttung in Form eines Sachgewinns, nämlich eines neuen Kochherdes? Oder eine zusätzliche Zahlung für besonders häufiges Am-Herd-Stehen? Weit gefehlt. Im Mai 2007 verkündete Edmund Stoiber (CSU), dass es monatlich 150 € Betreuungsgeld geben solle. Hierbei handele sich um eine Sonderzahlung für Familien, die ihre Kinder nicht in eine Krippe oder einen Kindergarten geben, sondern selbst zu Hause betreuen. Groß war da der Aufschrei der Sozialdemokraten. Schnell machte das Wort von der "Herdprämie" die Runde. Teile der SPD und auch viele weibliche Abgeordnete der Union schäumten - sie sehen im Betreuungsgeld eine Art Heim-und-Herd-Prämie für Mütter, um junge Frauen vor dem Wiedereinstieg in den Beruf abzuhalten.
Das Unwort des Jahres
Jahr für Jahr – und das seit 1991 – kürt eine Experten-Jury das so genannte Unwort des Jahres. Wörter oder Formulierungen aus der aktuellen Diskussion, die entweder sachlich unangemessen sind oder das menschliche Miteinander stören, kommen auf das Siegertreppchen. Warum die Wahl ausgerechnet auf „Herdprämie“ fiel? Der Begriff diffamiere Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, heißt es in der Begründung. Auf die folgenden Plätze fielen „klimaneutral“ und „entartet“. Jörg Peter Urbach, Chefredakteur von wissen.de, zeigte sich über die Wahl überrascht. "So ganz klar ist mir die Entscheidung der Jury nicht. Sie ist, wie schon mehrfach in den letzten Jahren, sehr stark ideologisch und politisch geprägt. Außerdem war der Begriff, verglichen mit anderen eingereichten Vorschlägen, deutlich weniger in der Öffentlichkeit präsent."
Die Jury
Über das Unwort des Jahres 2007 entschieden die vier ständigen Mitglieder der Jury, die allesamt Sprachwissenschaftler sind: Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Als Vertreter der Sprachpraxis wirkten die Journalisten und Autoren Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) und Sonia Mikich (Monitor/WDR) mit.



