Küchenhilfe oder was?
Leben & Lifestyle

Küchenhilfe oder was?

Bild: Foto: Edward Gordon Craig (Q920293) (Edward Gordon Craig), Public domain, via Wikimedia Commons

Über die meisten Wörter liest oder hört man einfach hinweg. Sie sind mehr oder weniger zutreffend und erregen allein durch ihre Verwendung keine große Aufmerksamkeit. Ganz anders sieht es bei neuen Wortschöpfungen aus: Ihr Urheber hat keinen treffenden Ausdruck in seinem Wortschatz gefunden und deshalb Zeitgenossen und Nachwelt ein neues Wort beschert. Und das kann durchaus ein Missgriff sein. Ein solches Wort ist zweifellos die „Herdprämie“.

Die Herdprämie

Über die meisten Wörter liest oder hört man einfach hinweg. Sie sind mehr oder weniger zutreffend und erregen allein durch ihre Verwendung keine große Aufmerksamkeit. Ganz anders sieht es bei neuen Wortschöpfungen aus: Ihr Urheber hat keinen treffenden Ausdruck in seinem Wortschatz gefunden und deshalb Zeitgenossen und Nachwelt ein neues Wort beschert. Und das kann durchaus ein Missgriff sein. Ein solches Wort ist zweifellos die „Herdprämie“.

Doch was steckt dahinter? Vielleicht eine Ausschüttung in Form eines Sachgewinns, nämlich eines neuen Kochherdes? Oder eine zusätzliche Zahlung für besonders häufiges Am-Herd-Stehen? Weit gefehlt. Im Mai 2007 verkündete Edmund Stoiber (CSU), dass es monatlich 150 € Betreuungsgeld geben solle. Hierbei handele sich um eine Sonderzahlung für Familien, die ihre Kinder nicht in eine Krippe oder einen Kindergarten geben, sondern selbst zu Hause betreuen. Groß war da der Aufschrei der Sozialdemokraten. Schnell machte das Wort von der "Herdprämie" die Runde. Teile der SPD und auch viele weibliche Abgeordnete der Union schäumten - sie sehen im Betreuungsgeld eine Art Heim-und-Herd-Prämie für Mütter, um junge Frauen vor dem Wiedereinstieg in den Beruf abzuhalten.

Das Unwort des Jahres

Jahr für Jahr – und das seit 1991 – kürt eine Experten-Jury das so genannte Unwort des Jahres. Wörter oder Formulierungen aus der aktuellen Diskussion, die entweder sachlich unangemessen sind oder das menschliche Miteinander stören, kommen auf das Siegertreppchen. Warum die Wahl ausgerechnet auf „Herdprämie“ fiel? Der Begriff diffamiere Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, heißt es in der Begründung. Auf die folgenden Plätze fielen „klimaneutral“ und „entartet“. Jörg Peter Urbach, Chefredakteur von wissen.de, zeigte sich über die Wahl überrascht. "So ganz klar ist mir die Entscheidung der Jury nicht. Sie ist, wie schon mehrfach in den letzten Jahren, sehr stark ideologisch und politisch geprägt. Außerdem war der Begriff, verglichen mit anderen eingereichten Vorschlägen, deutlich weniger in der Öffentlichkeit präsent."


Die Jury

Über das Unwort des Jahres 2007 entschieden die vier ständigen Mitglieder der Jury, die allesamt Sprachwissenschaftler sind: Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Als Vertreter der Sprachpraxis wirkten die Journalisten und Autoren Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) und Sonia Mikich (Monitor/WDR) mit.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite