Die Europäische Union beschert den Autofahrern künftig eine Zweijahresgarantie für Neuwagen. Diese verlängerte Gewährleistungspflicht gilt vom 1. Januar 2002 an und bringt vor allem die deutschen Großserienhersteller in Zugzwang.
Zwar werben gerade die koreanischen Anbieter und auch viele Importeure aus Japan oder Europa schon seit einigen Jahren mit umfangreichen und langfristigen Garantiepaketen um Vertrauen und neue Kunden. In Wolfsburg, Stuttgart, Köln, Rüsselsheim, Ingolstadt und München stand man jedoch bislang nur für die bis dato vom Gesetzgeber geforderten zwölf Monate für mögliche Mängel gerade. Einzig Porsche erfüllt nach eigenen Angaben schon heute die Bedingungen von morgen.
Mehr Sicherheit für den Käufer
Noch bevor der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt ein einheitliches Vorgehen abstimmen konnte, ist jetzt Ford aus der Phalanx ausgebrochen und hat quasi im vorauseilenden Gehorsam einen kostenlosen Garantie-Schutzbrief für das zweite Jahr eingeführt. Er stellt den Kunden laut Ford in Köln bis zu einer Gesamtfahrleistung von 100 000 Kilometern von Reparaturkosten an allen wichtigen Teilen frei und sichert ihm im Pannenfall gleichzeitig die Mobilität. Damit hat der Käufer ab sofort die Sicherheit, die ihm die EU erst vom kommenden Jahr an zuschreibt, auch wenn sich die Paragrafen bei Ford zum 1. Januar im Detail noch ändern könnten.
Zwar gibt es bei den deutschen Mitbewerbern noch keine spruchreifen Regelungen und Terminvorgaben für die Umsetzung des “Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechtes”, doch erwarten Marktbeobachter und Verbraucherschützer spätestens nach der Sommerpause auch bei den anderen deutschen Herstellern entsprechend verlängerte Gewährleistungsfristen. Denn wer die EU-Regelung noch vor dem offiziellen Datum umsetzt, kann die längere Haftung als Kundenvorteil verkaufen – bis am 1. Januar alle anderen nachziehen müssen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Hersteller ihre damit verbundenen Zusatzkosten in Form von Preisaufschlägen an die Kunden weitergeben.
Autokäufer profitieren bereits in diesem Jahr
Offen bleibt die Frage, wie die bereits jetzt großzügigen Importeure mit der neuen Situation umgehen. Schließlich verlieren Marken wie Hyundai, Daihatsu oder Subaru damit ein echtes Verkaufsargument. Dennoch gilt es als eher unwahrscheinlich, dass dort die Fristen noch einmal verlängert werden. Die britische Marke MG Rover allerdings hat genau das bereits getan: Seit dem 10. August gibt es nach Angaben der Deutschland-Vertretung in Neuss jetzt für Neuzulassungen drei Jahre Garantie – ohne jede Kilometerbegrenzung.
Selbst wenn die Marke der Wahl erst zum Jahresende auf den EU-Kurs einschwenkt, kann der Autokäufer nach Ansicht des ADAC in München schon jetzt von den neuen Standards profitieren. Denn wer nicht bis zum kommenden Jahr auf ein entsprechend “versichertes” Fahrzeug warten möchte, kann den Nachteil in diesem Jahr noch zu einem guten Argument für die Preisverhandlung machen. Mit etwas Glück lassen sich womöglich entweder ein Rabatt, ein paar kostenlose Inspektionen oder eine vom Händler ausgestellte Anschlussgarantie zu besonders günstigen Konditionen erwirken.
Doch auch wenn gerade die deutschen Automobilhersteller durch die bevorstehende EU-Regelung in Zugzwang geraten, für umsichtige Kunden wird sich dadurch nur wenig ändern. Denn wer seinen Auto regelmäßig und getreu dem Wartungsplan zur Inspektion bringt, der genießt zumindest bei Mercedes, Opel oder Audi nach Angaben der Unternehmen ohnehin schon einen umfangreichen Schutz auf Lebenszeit.



