Laika: Die tragische Geschichte der ersten Hündin im All
Leben & Lifestyle

Laika: Die tragische Geschichte der ersten Hündin im All

Bild: Foto: Nedih Limani, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Nur einen Monat vor Laikas Selbstmordmission hatte die Sowjetunion mit dem Satelliten Sputnik 1 Geschichte geschrieben. Er war das erste von Menschenhand geschaffene Objekt in der Erdumlaufbahn. Etwas noch Spektakuläreres musste her: Ein zweiter Satellit, sechsmal so schwer wie der erste und außerdem bemannt. Als Passagierin diente die Hundekosmonautin Laika, die man zuvor von den Straßen Moskaus geholt hatte.
Laika in ihrem Cockpit

Nur einen Monat vor Laikas Selbstmordmission hatte die Sowjetunion mit dem Satelliten Sputnik 1 Geschichte geschrieben. Er war das erste von Menschenhand geschaffene Objekt in der Erdumlaufbahn. Etwas noch Spektakuläreres musste her: Ein zweiter Satellit, sechsmal so schwer wie der erste und außerdem bemannt. Als Passagierin diente die Hundekosmonautin Laika, die man zuvor von den Straßen Moskaus geholt hatte.

Vom Streuner zum Kosmonauten

Doch warum ausgerechnet sie? Laika war eine von vielen weiblichen Streunerhündinnen, unter denen das sowjetische Raumfahrtprogramm die am besten geeignete Hunde-Kosmonautin ermittelte. Sie überzeugte zunächst damit, besonders gehorsam und ruhig zu sein. Auch den mehrtägigen und schließlich mehrwöchigen Aufenthalt in einer winzigen Druckkapsel überstand sie gut. Mit lauten Geräuschen konnte sie ebenso souverän umgehen wie mit einer speziellen Vorrichtung für den Stuhlgang. Damit setzte sie sich gegen die anderen Hündinnen durch.

Ursprünglich trug Laika den Namen Kudryavka, was so viel wie Kleiner Lockenkopf bedeutet. Doch als sie der Öffentlichkeit im Radio vorgestellt wurde und dabei bellte, wurde sie später in Laika, „Kläffer“, umgetauft. Der drei Jahre alte Husky-Spitz-Mix bekam vor dem Abflug Sensoren implantiert, die Informationen über Herzschlag, Atem, Blutdruck und Bewegungen weiterleiten sollten.

Stanislav Kozlovskiy / CC BY-SA 4.0

Sputnik 2 als PR-Gag

Dass Laika überhaupt an Bord des Raumschiffes gehen musste, hatte zwei Gründe: die Vorbereitung menschlicher Raumfahrt und PR. Die Sowjetunion war damals unangefochtener Vorreiter bei der „Eroberung“ des Weltalls. Um diese Überlegenheit zu demonstrieren, mussten immer spektakulärere Aktionen her. Auf Sputnik 1, den ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn, sollte nur einen Monat später Sputnik 2 folgen, diesmal sogar mit einer tierischen Passagierin. Die zweite Mission sollte anlässlich des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution stattfinden, was sie noch öffentlichkeitswirksamer machte.

Da die sowjetischen Ingenieure nur wenige Wochen Zeit hatten, um wieder ein raumfahrerisches Wunder zu vollbringen, wies das Raumschiff einige Mängel auf. Diese sollten seine vierbeinige Passagierin noch früher das Leben kosten als ursprünglich geplant.

Was geschah mit Laika?

Nach dem Start der Rakete raste Laikas Herz und sie atmete extrem schnell. Das zeigen die Aufzeichnungen ihrer Sensoren von damals. Vermutlich hatte der Hund Angst vor den lauten Geräuschen des Raketenstarts und auch die starken G-Kräfte der Raketenbeschleunigung setzten sie unter körperlichen und mentalen Stress. Laika kam zwar lebend in der Erdumlaufbahn an und umkreiste unseren Planeten auch, doch viel länger hatte sie nicht zu leben. Denn: Der Hitzeschild, der ihre Kapsel vor Überhitzung schützen sollte, funktionierte nicht richtig.

Die Temperatur im Inneren der Raumkapsel stieg schnell auf über 90 Grad, unmöglich zu überleben für die kleine Hündin. Doch selbst wenn der Hitzeschild funktioniert hätte, wäre Laika nicht mit dem Leben davongekommen. Denn eine überlebbare Landung der Raumkapsel war nicht vorgesehen. Der ursprüngliche Plan der sowjetischen Raumfahrtentwickler lautete daher, dass der Hündin nach sieben Tagen im All der Sauerstoff ausgehen und sie innerhalb von 15 Sekunden schmerzlos ersticken sollte.

Nach ihrem ungeplanten frühen Tod durch Überhitzung umkreiste Laikas Körper die Erde fünf weitere Monate und insgesamt 2.570 Mal, bevor das Raumschiff wieder in die Erdatmosphäre eintrat und samt der Hündin verglühte.

Laika war zwar der erste  Hund im Weltall, sie blieb aber nicht der einzige. Nach ihrem Tod gab es weitere Missionen mit Hunden, von denen einige Vierbeiner sogar lebend zurückkehrten. Berühmt wurden etwa die Hündinnen Strelka und Belka, die 1960 in die Erdumlaufbahn eintraten und wohlbehalten wiederkamen. Strelka brachte später Welpen zur Welt, von denen der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow einen an den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy verschenkte.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite