Leben ohne Arbeit...
Leben & Lifestyle

Leben ohne Arbeit...

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

„Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo selbes läge. Wer nichts kann, als schlafen, essen, trinken, tanzen und spielen, der wird dort zum Grafen ernannt. Jede Stunde Schlafens bringt einen Gulden ein und jedes Gähnen einen Doppeltaler.“ Von diesem - leider nie entdeckten - Land, dem „Schlaraffenland“, berichtet uns Ludwig Bechstein in einem Märchen. Aber die Realität sieht anders aus: Jeden Morgen klingelt der Wecker und ruft uns zur Arbeit. Und dennoch träumen wir alle hin und wieder von diesem Schlaraffenland und davon, wie es denn wohl wäre - so ein Leben ohne Arbeit.

„Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo selbes läge. Wer nichts kann, als schlafen, essen, trinken, tanzen und spielen, der wird dort zum Grafen ernannt. Jede Stunde Schlafens bringt einen Gulden ein und jedes Gähnen einen Doppeltaler.“
Von diesem - leider nie entdeckten - Land, dem „Schlaraffenland“, berichtet uns Ludwig Bechstein in einem Märchen. Aber die Realität sieht anders aus: Jeden Morgen klingelt der Wecker und ruft uns zur Arbeit. Und dennoch träumen wir alle hin und wieder von diesem Schlaraffenland und davon, wie es denn wohl wäre - so ein Leben ohne Arbeit.

Aussteigen ist nicht einfach

Die Zahl derer, die es freiwillig wagen, die alltägliche Arbeitsmühle anzuhalten und auszusteigen, ist klein. Zu groß ist die Angst, nicht mehr an den ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Zu mächtig die Vorurteile, die in unserer Gesellschaft den Menschen entgegengebracht werden, die nicht arbeiten. Wer aussteigt, gilt immer noch als Faulenzer. Dabei stehen die Chancen für Aussteiger im Moment so gut wie nie zuvor. Im Zuge der Flexibilisierung der Arbeitswelt sind neue Muster der Arbeitszeitverteilung gefragt. Eines davon heißt Sabbatjahr oder auch „Sabbatical“. Es leitet sich von dem hebräischen „Sabbat“ ab, dem siebten Tag der Woche, an dem die Arbeit ruhen soll. Gemeint ist mit dem Sabbatical ein Ausstieg auf Zeit - für einige Monate, ein Jahr oder noch länger - mit Job-zurück-Garantie.

Noch gibt es Vorbehalte

Die Vorbehalte gegen diese Art von Langzeiturlaub sind zwar in Deutschland noch groß, aber immerhin bieten etwa 5 Prozent der deutschen Unternehmen inzwischen ein Sabbatjahr an. In anderen Ländern gehört dieses schon längst zum Arbeitsalltag: So hat man in Australien nach zehn Jahren im öffentlichen Dienst den Anspruch auf drei Monate bezahlten „long service leave“. In Dänemark fördert der Staat Sabbatical-Unterbrechungen sogar finanziell. Die freigewordenen Arbeitsstellen werden bis zur Rückkehr des Urlaubers oft mit Arbeitslosen besetzt, denen so der berufliche Wiedereinstieg erleichtert werden soll. Ähnliche Programme haben sich in Finnland und den Niederlanden bewährt.

Sabbatjahr sorgt für neue Impulse

Vorreiter für das neue Arbeitszeitmodell in Deutschland war die Einführung des Sabbatjahrs im öffentlichen Dienst 1997. Seit 1998 kann theoretisch jede Firma den Langzeiturlaub anbieten. Praktisch durchführbar ist die längere Jobpause jedoch meist nur in Unternehmen, die projektbezogen arbeiten. Ist ein Arbeitsprojekt abgeschlossen, kann das Team ausgewechselt werden und einer der Mitarbeiter auf große Reise gehen.

So hatte auch Rainer Schwarz (34), führender Mitarbeiter in einer Kölner Unternehmensberatung, nach fünf Jahren den Wunsch, „das Hamsterrad anzuhalten und aus dem Käfig zu springen“. Sein Arbeitgeber gab das O.K. und Schwarz reiste neun Monate lang mit dem Rucksack durch Vietnam, Thailand, Neuseeland, Australien und Peru. „Auf meiner Reise habe ich Erfahrungen gesammelt, die ich in Deutschland nie hätte machen können“, meint Schwarz. „Das ändert den Blick auf die Dinge, lässt eingefahrene Denkstrukturen aufbrechen. Wenn man zurückkommt, ist man nicht nur entspannter, sondern auch kreativer.“ Das allein ist ein guter Grund dafür, Sabbaticals anzubieten. Die Mitarbeiter kommen meist hochmotiviert an ihren Arbeitsplatz zurück und bringen außer neuen Energien auch neue Impulse mit. Der Traum vom zeitweiligen Leben ohne Arbeit ist zumindest für einige Arbeitnehmer schon Realität geworden. Mut und Flexibilität gehören allerdings dazu: beim Mitarbeiter und beim Chef.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite