“Gut spielen“ - der Name ist Programm
LEGO ist ein aus den dänischen Worten “leg“ (für “Spiel“) und “godt“ (für “gut“) zusammengesetztes Kunstwort für das patentierte und bestechend einfache Spielzeugsystem. Das Geheimnis sind die Kupplungen, mit denen die Steine verbunden werden können: Auf der Oberseite wölben sich Noppen; im hohlen Inneren eines Steins befinden sich nach unten gerichtete Röhren, die genau auf die Noppen eines anderen Steines passen. Beim Zusammenbau zweier Steine entsteht so eine Klemmverbindung - ein so schlichtes wie geniales Kupplungsprinzip.
Erfinder des Steinchen-Systems ist der aus dem dänischen Dorf Billund stammende Tischler Ole Kirk Christiansen. Nachdem er die Wirtschaftskrise der 30er Jahre durch Anfertigung von Trittleitern, Melkschemeln und Holzkinderspielzeug überstanden hatte, erwarb er 1949 die erste Kunststoff-Spritzgussmaschine in Dänemark. Im selben Jahr lässt er den “Großvater aller LEGO-Steine“ gießen - einen farblich noch recht unscheinbaren aber bereits genoppten Baustein, den er “Automatic Binding Brick“ nennt. Sein Sohn Godtfred Kirk entwickelt die Idee weiter und meldet die Erfindung 1958 zum Patent an - rechtliche Grundlage für den weltweiten Erfolg des Kinderspielzeugs in den folgenden Jahrzehnten.
Die LEGO-Welt wächst
1955 präsentiert Christiansen Junior auf der Nürnberger Spielzeugmesse das LEGO-System zum ersten Mal. Die deutschen Händler zeigen sich zunächst skeptisch; in Dänemark dagegen läuft der Verkauf des Spielzeugs gut an - Grund zur Hoffnung für Christiansen. Schließlich findet er im Puppenmöbelfabrikanten Axel Thomsen aus Schleswig-Holstein einen Geschäftsführer für LEGO Deutschland. Überzeugt vom Potenzial des dänischen Plastiksteins legt sich Thomsen ins Zeug. Das Ergebnis: Deutschland wird rasch zum weltweit größten Abnehmer von LEGO-Produkten.
1961 werden Räder in die LEGO-Welt integriert, 1964 kommen die ersten Schachteln mit Bauanleitungen auf den Markt, zwei Jahre später rollt die erste Eisenbahn durch die Kinderzimmer und 1969 schließlich erscheint der “Große Baustein für kleine Hände.“ Mit diesem Mammut-LEGO-Stein - achtmal größer als der Ursprungstyp - erobert sich die Firma im Nu eine Zielgruppe, die noch in den Windeln steckt: Der DUPLO-Stein für Zwei- bis Sechsjährige wird ein Riesenerfolg. Bis heute ist das Sortiment gigantisch angewachsen: 600 verschiedene Packungen mit über 2000 verschiedenen Elementen lassen keinen Gestaltungswunsch unerfüllt - egal, ob eine schlichte Mauer gebaut, ein Garten mit einer LEGO-Blume bepflanzt oder eine Tür mit einem echten Scharnier bewegt werden soll.
Die bunten Steine werden in Präzisionsdruckgussmaschinen gepresst, die mit einer verschwindend geringen Ausschussrate von 18 Steinen pro einer Million produzierter Elemente arbeiten. Eine streng geheim gehaltene Mixtur aus sechs verschiedenen chemischen Substanzen, darunter die Thermoplaste Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) für die normalen und Polycarbonat für die transparenten Steine, wird auf 235 Grad Celsius erhitzt, hat dann die Konsistenz von Brotteig und kann so beliebig geformt werden. Etwa 8000 Mitarbeiter produzieren so im Jahr etwa drei Billionen LEGO-Steine. Ein Entsorgungsproblem für diese gewaltigen Mengen Kunststoff hat sich bis heute nicht ernsthaft gestellt: Kinder “erben“ in der Regel alte Steine von ihren Eltern oder älteren Geschwistern.
Die LEGO-Philosophie
Jährlich werden etwa 25 Millionen Packungen von LEGO-Steinen verkauft. Damit erwirtschaftet das Unternehmen einen geschätzten Umsatz von jährlich einer Milliarde Euro. Die Philosophie, die das LEGO-System bis heute so erfolgreich macht, beruht auf konsequent durchgehaltenen Grundsätzen, die 1963 veröffentlicht wurden: Danach muss ein Spielsystem, das Entwicklung, Phantasie und Kreativität herausfordern soll, unbegrenzte Spielmöglichkeiten für Jungen und Mädchen bieten und alle Altersgruppen begeistern. Kinder sollen damit sicher vor Unfällen spielen können und so versunken in ihrer eigenen Phantasiewelt sein, dass sie die Zeit vergessen. Das System muss außerdem leicht zu ergänzen und von perfekter Qualität sein.
Mit dem Begriff LEGO verbinden die meisten Menschen fast ausschließlich Positives - Ergebnis sorgfältiger Marketingstrategien und aufmerksamer Produktentwicklung. Jährlich verleiht das Unternehmen einen “Nobelpreis für Kinder.“ Mit einem großzügig bemessenen Preisgeld werden Privatpersonen, Gruppen, Vereine und Organisationen ausgezeichnet, die sich um das Wohl von Kindern verdient gemacht haben. Auch in kritischen Situationen erweist sich LEGO meist als professionell: Als zum Beispiel in den siebziger Jahren in blauen Steinen minimale Spuren von Cadmium gefunden werden und eine ernsthafte Gefährdung der damit spielenden Kinder vermutet wird, nimmt das Unternehmen den verwendeten Farbstoff umgehend aus dem Programm. LEGO bemüht sich auch, politisch unangreifbar zu bleiben. So schließt die Firma zu Zeiten der Apartheid auf öffentlichen Druck seine südafrikanische Dependance.
Neue Strategien
1979 räumt Godtfred Kirk Christiansen den Sessel des Geschäftsführers für seinen Sohn Kjeld Kirk. Das Unternehmen ist starkem Konkurrenzdruck ausgesetzt - zum Beispiel durch die Playmobil-Gruppe. Das Ergebnis: neue Abenteuer-Spielwelten. Erstmals werden die kleinen Figuren bewaffnet. Damit verliert LEGO den Nimbus des absolut gewaltfreien Spielzeugs. Auf die Modeerscheinung muskelbepackter Superplastikhelden reagiert LEGO mit der Entwicklung einer eigenen Produktlinie mit Robotermutanten und bietet vorübergehend auch Kampfmaschinen an.
Mit der Ankunft des Gameboy aus Japan und anderem elektronischen Spielzeug verschlechtert sich die finanzielle Lage des LEGO-Konzerns. Erstmals in der Firmengeschichte werden Verluste verzeichnet. Dann aber erscheint der mit einem 8-bit Chip bestückte LEGO-Stein RCX (Robotic Command Explorer) in den Kinderzimmern. Nun können sogar ferngesteuerte Roboter aus LEGO gebaut werden. Der Gestaltungsspielraum ist dabei gegenüber den ursprünglichen Produkten gering. Längst liegen den Computer-Baukästen CD-ROMS bei, mit denen LEGO auch virtuell erfahrbar wird.
Weltunternehmen für die Kinder der Welt
Als Marktführer beim Konstruktionsspielzeug zählt LEGO zu den größten Spielzeugherstellern der Welt und gehört zu den wenigen Unternehmen, das nunmehr in der dritten Generation erfolgreich als Familienbetrieb geführt wird. Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune und die British Association of Toy Retailers kürten LEGO 1999 und 2000 zum Spielzeug des Jahrhunderts. Durch die Zusammenarbeit mit Großkonzernen der Unterhaltungsindustrie wie Disney, Lucas und Warner-Brothers erschließt sich das Unternehmen durch Spielwelten zu Starwars, Ninja, Mickey Mouse und Harry Potter neue Absatzmärkte.
1968 öffnet der firmeneigene Vergnügungspark in Billund seine Pforten - das erste LEGOLAND der Welt. Mit seinem großzügigen Ausstellungsbereich und seinen zum Teil gigantischen Skulpturen lockt der Freizeitpark täglich Tausende große und kleine Besucher an. Die Botschaft ist klar: Es gibt fast nichts, das nicht ausschließlich mit Achtknopfsteinen gebaut werden könnte, praktisch alles auf der Welt ist machbar. Sogar ein eigenes Empire-State-Building kann man mit LEGO bauen - vorausgesetzt, man besitzt genügend Noppensteine.
Ein LEGOLAND gibt es neben Dänemark auch in den USA und England. Und mittlerweile können sich Kinder auch in Deutschland in einem LEGO-Park vergnügen: Am 17. Mai 2002 wurde das deutsche LEGOLAND im bayerischen Günzburg eröffnet.



