Nach 33 Stunden und 29 Minuten landet Charles A. Lindbergh, von einer jubelnden Menschenmenge empfangen, auf dem Flughafen Le Bourget nahe der französischen Hauptstadt. Er war am Vortag auf Long Island, New York, mit seinem Flugzeug "Spirit of St. Louis" zum Alleinflug über den Atlantischen Ozean gestartet.
Die Vorbereitung
Das Abenteuer beginnt, nachdem günstige Westwinde und freundliche Witterung die Chancen auf einen glücklichen Ausgang steigen lassen. Lindbergh hat sich lediglich mit einigen Sandwiches und etwas Schokolade verproviantiert. Gekleidet ist er mit einem Overall, den er über einen normalen Straßenanzug gestreift hat. Auf die Mitnahme eines Funkgeräts hat der schwedischstämmige Flieger aus Gewichtsgründen verzichtet. Zur Navigation ist er auf Karten, seinen Kompass und die Sterne angewiesen. Der Eindecker mit einem 237-PS-Motor ist für einen möglichst große Treibstoffkapazität konstruiert. Mehr als die Hälfte des Fluggewichts - 25 von 48 Zentnern - ist für Flugbenzin reserviert.
Der Flug
Die ersten elf Stunden des Fluges verlaufen planmäßig. Dann gerät Lindbergh, nachdem er Neufundland passiert hat, in einen schweren Schneesturm. Wiederholt vereisen die Tragflächen. Weder durch Aufsteigen auf über 3.000 Meter noch durch Heruntergehen auf etwa drei Meter über die Wellen, kann er dem Schneetreiben entgehen. Lindbergh, der inzwischen gegen Müdigkeit ankämpft, denkt an Aufgabe und Umkehr. Nach 27 Stunden Flug entdeckt der Pilot die ersten Fischerboote, die ihm die irische Küste ankündigen. Diese melden die Nachricht von seinem Anflug weiter. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Meldung in Europa. Über Südengland und den Kanal fliegt Lindbergh nach Paris, wo er bereits von tausenden Menschen erwartet wird. Die begeisterte Menge durchbricht die Absperrungen der Polizei und stürmt das Rollfeld.
Der Held
Zwar haben vor Lindbergh bereits 69 Menschen den Atlantik überquert, er ist jedoch der erste, der die Strecke allein, im Non-Stop-Flug und bis zum europäischen Festland zurückgelegt hat. Außerdem war die Aktion professionell mit den Medien abgestimmt worden.
Der 25-jährige Postflieger wird zum Volkshelden und zum populärsten Mann des Jahres. Lindbergh führt mit seinem spektakulären Flug den Beweis, dass der Atlantik auf dem Luftweg bezwungen werden kann. Die Alte und die Neue Welt sind ein Stück näher zusammengerückt. Bei seiner Rückkehr in die USA bereiten ihm seine Landsleute mit einer Konfettiparade einen begeisterten Empfang.



