Aufschwung für Olympia
Die IV. Olympischen Spiele in London leiteten eine neue Ära in der Sportgeschichte ein. Erstmals nämlich war die Veranstaltung nicht als bloßes Beiwerk einer Weltausstellung konzipiert, sondern fand als eigenständiges Ereignis statt. Ursprünglich hatte Rom Austragungsort der Spiele sein sollen. Doch da in Rom keinerlei Vorbereitungen getroffen worden waren, war IOC-Präsident Pierre de Coubertin froh, dass das britische NOK sich kurzfristig bereit erklärte, die Spiele in London zu organisieren.
Beim Bau des Olympiastadions in der britischen Hauptstadt spielten die Kosten eine wichtige Rolle: Die Arena war mit einer Lauf- und Radrennbahn ausgestattet und besaß vor der Tribüne ein großes Schwimmbad mit absenkbarem Sprungturm. Fast 100.000 Zuschauer konnten die Wettkämpfe vor Ort verfolgen. Zur Senkung der Kosten wurden erstmals einfache Stahlrohrtribünen eingesetzt. Bei der Eröffnungsfeier zogen zum zweiten Mal die Mannschaften nach Nationen geordnet, aber noch in uneinheitlicher Kleidung hinter ihren Landesflaggen ins Stadion ein.
Medaillen im Tauziehen, Polo und Lacrosse
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Die ersten Medaillen waren bereits vor der Eröffnungsfeier vergeben worden: Die Ballspiele Hallentennis und Jeu de Paume hatten schon im Frühjahr stattgefunden. Im Olympia-Monat Juli gab es die Leichtathletik-Wettbewerbe u.a. mit Tauziehen und dem ersten olympischen Staffellauf über 1600m - die Mannschaften hatten zweimal 200m sowie je einmal 400m und 800m zu absolvieren. Entscheidungen fielen auch im Motorbootrennen, Polo und Ringen sowie im Rudern.
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Im Herbst feierte Eiskunstlauf als erste Wintersportart Premiere, dazu gab es Fußball, Hockey und Lacrosse. Frauen nahmen mit eigenen Wettbewerben im Bogenschießen, Eiskunstlauf und im Tennis teil. Unstimmigkeiten kamen zwischen der amerikanischen und der britischen Delegation auf: Die US-Mannschaftsleitung warf den Kampfrichtern aus dem Gastgeberland parteiische Wertungen vor. Daraufhin kündigte das IOC an, zukünftig Schiedsgerichte aus Vertretern unterschiedlicher Nationen zu bilden.
Mit je drei Goldmedaillen waren der britische Schwimmer Henry Taylor (400m und 1500m Freistil, 4x200m-Freistilstaffel) und der US-Leichtathlet Melvin Sheppard (800m, 1500m, Staffel) die erfolgreichsten Teilnehmer. Wie in zahlreichen Rennen zuvor, bewies der 27-jährige Forrest Smithson (USA) seine Überlegenheit über die Hürden: Im Endlauf sicherte er sich in 15,0sec die Goldmedaille. Zum Abschluss seiner Karriere verteidigte Ray Ewry (USA) seine Olympiatitel im Hoch- und Weitsprung aus dem Stand und gewann damit die Goldmedaillen neun und zehn.



