Der Staat verdient mit
Ohne Staat kein Lottospiel. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt gleichermaßen: Lotterien bedürfen einer staatlichen Genehmigung. Denn ohne rechtskräftige Erlaubnis ist der Lotterievertrag zwischen Spieler und Veranstalter nicht gültig. Das heißt im Streitfall: Die Ausschüttung eines Gewinns ist für den Veranstalter nicht verbindlich.
Bei staatlichen Lotterien ist die relative Höhe des Gewinns per Gesetz verankert. 50 Prozent der Einnahmen aus Lotto, Toto und Rennquintett müssen an die Gewinner ausgezahlt werden. Bei der Glücksspirale, die eine monatliche Rente von rund 5000 Euro verspricht, sind es 35 Prozent, bei der Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" werden 25 Prozent an die Gewinner zurückgezahlt. Die höchste Ausschüttungsquote hat das Roulette: Den glücklichen Spieler erwarten ganze 95 Prozent der Einnahmen.
Vater Staat verdient also nicht schlecht am Traum vom großen Geld; auch dort, wo das Gewinnspiel von freien Unternehmern betrieben wird. Denn die müssen eine Rennwett- und Lotteriesteuer an die Länder entrichten, sind dafür aber von der Umsatzsteuer befreit.
Keine Bange vor dem Fiskus. Dass das Finanzamt den Traumgewinn anknabbert, müssen Lottomillionäre nicht befürchten. Bei staatlichen Lotterien gehen rund 16 Prozent Lotteriesteuer und 20 Prozent Konzessionsabgaben der Einsätze an den Staat. Der Gewinn selbst ist steuerfrei. Zunächst. Erst ein Jahr nach dem großen Reibach wird Einkommenssteuer für die aus dem Gewinn abfallenden Zinsen fällig.
Spielen für den guten Zweck
Geteiltes Glück tut doppelt gut. Dass Spielfreude und Wohltätigkeit miteinander zu vereinbaren sind, zeigt seit Jahrzehnten die "Aktion Mensch", früher unter dem Namen "Aktion Sorgenkind." Die Erlöse kommen behinderten Menschen zugute. Nach diesem Muster will auch die "Neue Bundeslotterie für Umwelt und Entwicklung" (NBL) arbeiten.
Bereits 1993 hatten sich Misereor, Greenpeace, UNICEF, Terre des Hommes und fünf weitere Organisationen zusammengetan, um eine neue Geldquelle für langfristige Projektarbeit zu erschließen. Nach dem Vorbild einer in den Niederlanden bereits sehr erfolgreichen Lotterie wurde die NBL aus der Taufe gehoben. Doch die Landesregierungen warfen den Lottonovizen zunächst einmal Steine in den Weg. Schließlich wollten die Länder ihre Kassen weiterhin mit der lukrativen Lottosteuer von jährlich rund 3,6 Mrd. Euro füllen. Erst Ende August 2001 wurde die letzte rechtliche Hürde genommen. Die NBL läuft. Laut Satzung werden 38 Prozent der Einzahlungen für Projekte einbehalten, der Rest wird an die Gewinner ausgeschüttet.



