Marlene - der Filmstar
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Marlene - der Filmstar

Bild: Foto: WS ReNu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Meisterregisseur Josef von Sternberg hatte für den steilen Aufstieg seiner Entdeckung und zeitweiligen Lebensgefährtin eine einfache Erklärung: ‘Marlene Dietrich war kein Mythos, vielleicht für andere, nicht für mich. Der eigentliche Mythos, das war ich hinter der Kamera, wie ich das machte, was sie den Mythos Marlene nennen.’ Sternbergs grenzenloser Bescheidenheit zum Trotz funktionierte die Filmkarriere der Dietrich mit ihm und ohne ihn - und das auch noch so erfolgreich wie die keiner anderen deutschen Filmschauspielerin. 1923 kann davon noch keine Rede sein. In ihrem ersten Film ‘Der kleine Napoleon’ (1923) sieht Marlene nach eigener Auskunft aus wie ‘eine Kartoffel mit Haaren’. Doch das ändert sich schnell.

Persönlichkeit oder gemachter Star?

Meisterregisseur Josef von Sternberg hatte für den steilen Aufstieg seiner Entdeckung und zeitweiligen Lebensgefährtin eine einfache Erklärung: ‘Marlene Dietrich war kein Mythos, vielleicht für andere, nicht für mich. Der eigentliche Mythos, das war ich hinter der Kamera, wie ich das machte, was sie den Mythos Marlene nennen.’ Sternbergs grenzenloser Bescheidenheit zum Trotz funktionierte die Filmkarriere der Dietrich mit ihm und ohne ihn - und das auch noch so erfolgreich wie die keiner anderen deutschen Filmschauspielerin. 1923 kann davon noch keine Rede sein. In ihrem ersten Film ‘Der kleine Napoleon’ (1923) sieht Marlene nach eigener Auskunft aus wie ‘eine Kartoffel mit Haaren’. Doch das ändert sich schnell.

Der Weg zum Ruhm

Mit eiserner Selbstdisziplin gelingt ihr auf der Bühne und im Studio innerhalb weniger Jahre der Sprung von der Statistin zur Hauptdarstellerin. 1930 ist sie dann am Ziel ihrer Wünsche angelangt. Mit dem Film ‘Der blaue Engel’ wird Marlene Dietrich über Nacht zum Weltstar, und das liegt durchaus nicht nur an Sternbergs genialer Licht- und Personenregie, den verblüffenden Interaktionen von Text und Musik, rasanten Schnitten und Montagen. Marlene verdankt ihren steilen Aufstieg, den Sternberg später als ‘zufälliges Nebenprodukt des ´blauen Engels´’ disqualifiziert, in erster Linie sich selbst. Als verführerischer Vamp Lola-Lola behauptet sie ihren Part nicht nur gegen einen Jahrhundert-Darsteller wie Emil Jannings. ‘Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt’ kreiert sie eine Kunst- und Kultfigur, über deren politische, gesellschaftliche und moralische Interpretation jahrzehntelang gestritten wird.

Vom deutschen zum internationalen Star

Marlene berührt das alles nur am Rande, denn sie macht sich noch in der Premierennacht auf den Weg in die Vereinigten Staaten. Mit Sternberg will sie in Hollywood Karriere machen, und das gelingt ihr besser und schneller, als sie je zu träumen gewagt hätte. An der Seite von Gary Cooper rettet sie die Paramount noch im selben Jahr durch den Riesenerfolg der Kriegsromanze ‘Morocco’ vor der Pleite. Und so geht es weiter. ‘Dishonored’ (Entehrt, 1931), ‘Shanghai Express’ (Schanghai Express, 1932) ‘Blonde Venus’ (Die blonde Venus, 1932), ‘The Scarlet Empress’ (Die scharlachrote Kaiserin, 1934) und ‘The Devil is a Woman’ (Die spanische Tänzerin, 1935) gelten bis heute als filmische Juwelen.

Kassengift und Kriegsheldin

Nach ‘Die spanische Tänzerin’ bricht die private und berufliche Liaison von Marlene Dietrich und Josef von Sternberg endgültig auseinander. Der Regisseur landet im künstlerischen Abseits, doch auf die singende Schauspielerin wartet nur eine kurze Durstrecke. 1937 wird sie mit Greta Garbo, Katherine Hepburn und anderen Kollegen zwar zum ‘Gift für die Kinokassen’ ernannt, steht aber schon im selben Jahr wieder für Ernst Lubitsch (‘Angel’: Engel) vor der Kamera. 1939 feiert sie an der Seite von James Stewart mit der Westernkomödie ‘Destry Rides Again’ (Der große Bluff) ein triumphales Come-back. Marlenes Song ‘See What the Boys in the Back Room Will Have’ wird zu einem der größten Hits in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und gehört schließlich auch zum Standardprogramm ihrer Auftritte im Rahmen der amerikanischen Truppenbetreuung..

Die Zeit der großen Regisseure

Nach dem Krieg kann sie sich Filmpartner und Regisseure aussuchen, und ihre Auswahl ist fast immer perfekt. Zwar gehört ‘Stage Fright’ (Die rota Lola, 1950) nicht unbedingt zu Hitchcocks besten Filmen, doch unter Regie von Fritz Lang (‘Rancho Notorius’: Engel der Gejagten, 1952), Orson Welles (‘Touch of Evil’: Im Zeichen des Bösen, 1958), und Stanley Kramer, der 1961 mit Marlene Dietrich, Judy Garland, Burt Lancaster und Spencer Tracy das für 11 Oscars nominierte Justizdrama ‘Judgement of Nuremberg’ (Das Urteil von Nürnberg) inszeniert, kann sie selbst notorische Nörgler überzeugen. Das gilt auch für die kongeniale Zusammenarbeit mit Billy Wilder, der die Dietrich in der ironischen Entnazifizierungs-Komödie ‘A Foreign Affair’ (Eine auswärtige Angelegenheit, 1948) und dem spannungsgeladenen Thriller ‘Witness for the Prosecution’ (Zeugin der Anklage, 1958) einsetzt.

Der letzte Auftritt

Gleichwohl neigt sich die einzigartige Filmkarriere der Marlene Dietrich in den späten 50er und frühen 60er Jahren langsam ihrem Ende entgegen. Bis 1975 können ihre zahllosen Anhänger sie wieder vorwiegend auf der Bühne bewundern, doch dann zieht sie sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Als sie drei Jahre später das Titellied zu dem Film ‘Just a Gigolo’ singt, ahnt die Welt, dass dies ihr letzter Auftritt sein wird. In den dann folgenden letzten 14 Jahren ihres langen Lebens spielen Kameras keine Rolle mehr.Thorsten Stegemann

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