Mata Hari - Die nackte Spionin
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Mata Hari - Die nackte Spionin

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Dunkle Haare, dunkle Haut und volle Lippen. Dazu dieser verheißungsvolle Name: Mata Hari. Das ist javanisch für "Auge des Tages" und passt perfekt zu dem exotischen Märchen, das sich die Tänzerin für ihr Publikum ausgedacht hat - die Geschichte über ihr Leben als Tochter einer indischen Tempeltänzerin, die nach dem Tod der Mutter bei Priestern in der heiligen Halle des Gottes Shiva aufwuchs. Denn sie weiß: Das Paris der Belle Époque ist fasziniert von Exotischem.

Dunkle Haare, dunkle Haut und volle Lippen. Dazu dieser verheißungsvolle Name: Mata Hari. Das ist javanisch für "Auge des Tages" und passt perfekt zu dem exotischen Märchen, das sich die Tänzerin für ihr Publikum ausgedacht hat - die Geschichte über ihr Leben als Tochter einer indischen Tempeltänzerin, die nach dem Tod der Mutter bei Priestern in der heiligen Halle des Gottes Shiva aufwuchs. Denn sie weiß: Das Paris der Belle Époque ist fasziniert von Exotischem.

In Wahrheit jedoch verbirgt sich hinter der Frau mit der fremdländischen Aura Margaretha Geetruida Zelle: niederländisch, getrennt, mittellos. Auf der Suche nach einem Neuanfang. Geboren am 7. August 1876 in Leeuwarden, heiratet Margaretha mit 19 Jahren den viel älteren Kolonialoffizier Rudolf MacLeod. Sie bekommt zwei Kinder und begleitet ihren Mann nach Java und Sumatra. Doch ihr kleiner Sohn stirbt, die Ehe verläuft unglücklich.

Exotik und Erotik

Das Paar kehrt in die Niederlande zurück und trennt sich schließlich. Der Noch-Gatte nimmt seiner Angetrauten die gemeinsame Tochter weg, verweigert ihr den gerichtlich festgelegten Unterhalt - und verbreitet zu allem Überfluss auch noch per Zeitungsannonce, dass seine Frau nicht kreditwürdig sei. Um sich finanziell dennoch über Wasser halten zu können, verdingt sich Margarethe zunächst als Modell und Prostituierte. 1904 beschließt sie dann, in Paris ein neues Leben zu beginnen.

Von nun an ist sie Mata Hari, die Tänzerin. Ein Auftritt im Musée Guimet 1905 markiert den Beginn ihrer Erfolgsgeschichte. Die geheimnisvolle Schöne mit ihrem Schleier und den anmutigen Bewegungen wirkt in den noblen Nachtclubs und Salons fortan wie ein Magnet. Auf jeder Privatparty ist sie der Star. Vor allem die Männerwelt zieht sie magisch in ihren Bann, denn Mata Hari zeigt bei ihren Aufführungen Haut - viel Haut. Anfang des 20. Jahrhunderts ist sie eine der ersten Tänzerinnen, die sich auf der Bühne auszieht.

Ein gefährliches Angebot

Ihre sinnliche Enthüllungskunst beschert Mata Hari lukrative Auftritte in ganz Europa. Sie tanzt in Wien, Monte Carlo, an der Mailänder Scala und auf den Soirées der deutsch-jüdischen Bankiersfamilie Rothschild. Dabei sammelt sie zahlreiche wohlhabende Gönner und Liebhaber - darunter Botschafter, Minister, Offiziere. Es sind diese Kontakte, die Mata Hari zu der zweiten Rolle ihres Lebens verhelfen: die Rolle der Spionin im Ersten Weltkrieg.

Die mittlerweile 38-Jährige bekommt damals mehr und mehr Konkurrenz durch Jüngere zu spüren, die ihren Stil kopieren. Ihr vormals sicheres Einkommen scheint wegzubrechen, Mata Hari ist in Geldnot. Passenderweise trifft sie auf einem Empfang der deutschen Botschaft in Den Haag im Mai 1915 auf einen Mann mit einem verlockenden Angebot: 20.000 Francs bietet ihr der Konsul als Einstiegshonorar. Dafür soll Mata Hari in den Betten hochrangiger englischer und französischer Offiziere nach brisanten Kriegsgeheimnissen lauschen. Mata Hari wird zu H21, Informantin für den deutschen Geheimdienst.

Ende ohne Augenbinde

Zwei Jahre später wird jedoch die französische Spionageabwehr auf die Agentin aufmerksam. Die Franzosen nehmen Kontakt auf - vermeintlich, um Mata Hari als Doppelspionin zu gewinnen. Das allerdings ist bloß ein Trick. Tatsächlich soll Mata Hari der Spionage für die Deutschen überführt werden. Sie wird verhaftet und muss sich vor Gericht verantworten. Am 24. Juli 1917, fünf Monate nach ihrer Verhaftung, ist die Anklageschrift fertiggestellt und im Pariser Justizpalast beginnt der Prozess. Mehr als 100 Personen sind als Zuhörer gekommen, doch auf Antrag des Staatsanwalts muss der Saal nach der Eröffnung des Verfahrens geräumt werden.

Nach nur eineinhalb Tagen Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit steht das Urteil fest: Auf Spionage und Hochverrat steht die Todesstrafe. Am 15. Oktober wird Mata Hari von einem zwölfköpfigen Erschießungskommando eines französischen Artillerieregiments hingerichtet. Eine Augenbinde hat sie für ihre Exekution abgelehnt. "Ich werde den Soldaten ins Auge blicken", soll sie gesagt haben. "Ich bin stolz auf meine Vergangenheit, und ich war nie eine Spionin, aber ich war Mata Hari."

Gewiefte Agentin oder Bauernopfer?

Mata Hari - auch in den letzten Momenten ihres Lebens eine meisterhafte Blenderin? Tatsächlich legt Mata Hari im Laufe des Prozesses nie ein vollständiges Geständnis ab. Aus heutiger Sicht ist aber unstrittig, dass sie im Auftrag des deutschen Geheimdienstes tätig war. Ob sie dabei kriegsentscheidende Informationen lieferte, das allerdings gilt als fraglich. So geht aus den 1999 vom britischen Geheimdienst freigegebenen Akten hervor, dass Mata Hari bei ihren Verhören hauptsächlich über Klatsch und Tratsch berichtete. Womöglich hatte die an Luxus gewöhnte Frau ihren Auftrag vor allem als bequeme Einnahmequelle gesehen.

Nicht nur die deutsche Kriegspropaganda bezeichnete Mata Hari ihrerzeit als Bauernopfer des französischen Militärs, das in Zeiten der abnehmenden Kriegsbegeisterung einen Sündenbock für die eigenen Niederlagen und Verluste suchte. Inzwischen erscheinen selbst in Frankreich immer mehr Bücher und Filme, die sie eher als tragisches Opfer denn als gewiefte Agentin sehen.

Welche Interpretation der Wahrheit am nächsten kommt, könnte sich noch in diesem Monat zeigen, wenn die französischen Gerichtsakten 100 Jahre nach Mata Haris Tod zum ersten Mal geöffnet werden. Vielleicht aber bleibt die Geschichte der indischen Tänzerin, die eigentlich Niederländerin war, auch für immer eine geheimnisvolle Legende, in der Fakt und Fiktion auf untrennbare Weise miteinander verschwimmen. Vermutlich wäre das wohl ganz in Mata Haris Sinne.

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