Tag 1 als Utopistin
Nachhaltiger Lebensstil und grüne Energie? Hörte sich für mich gut an und so bin ich unter die Utopisten gegangen. Unter www.utopia.de konnte ich mich schnell anmelden, viel wurde nicht verlangt. Aber da man in einer neuen Community natürlich ein anständiges Profil hinterlegen will, habe ich das auch gleich getan. Und schon ging es los: Wie charakterisiere ich mich und mein ökorrektes Leben? Zumindest als begeisterte Genießerin und als Veggie-Expertin. - Das war noch einfach. Und auch, warum ich mich dazu entschieden habe, bei dieser Community Mitglied zu werden: Denn wer versucht heutzutage nicht, klimafreundlich und bewusst zu leben?
Minuspunkt am 1. Tag: Die Struktur der Seite lässt noch ein wenig zu wünschen übrig. Allzu intuitiv ist sie nicht aufgebaut. Aber beim Stöbern stößt man zumindest immer wieder auf sehr spannende Artikel.
Tag 2 als Utopistin
Immerhin, der erste Kontakt ist geknüpft und zwei Umfragen bereits beantwortet. Beim Surfen durch die vielseitigen Angebote fällt allerdings auf, dass die ein oder andere Verlinkung nicht funktioniert und auch die Userführung noch nicht optimal ist. Aber wer sich – ob er zu den Lohas oder zu den Lovos gehört – als Utopist anmeldet, den werden diese Kleinigkeiten sicherlich nicht von einem weiteren Besuch der Site abhalten.
Tag 3 als Utopistin
Nach weiterem Stöbern habe ich mir die Vorsätze für das Jahr 2008 durchgelesen, die ein guter Utopist sich nicht nur zu Herzen nehmen, sondern auch umsetzen sollte. Ein Vorsatz ist es, nur noch heimische Produkte zu kaufen, Produkte mit Bio- oder Fair-Trade-Label. Wenn ich in Gedanken meinen Kühlschrank durchforste, sieht das allerdings nur bis zum französischen Käse gut aus. Aber ehrlich gesagt: Da ich mich als Genießerin eingetragen habe, habe ich an dieser Stelle auch kein schlechtes Gewissen. Und außerdem heißt es nicht, dass wenn ich beispielsweise deutschen Joghurt kaufe, dieser tatsächlich vom Bauern um die Ecke stammt. Dass Milch vom Süden nach Norden transportiert wird, um dort diverse Milchprodukte zu erstellen, die dann wiederum nach Süddeutschland gefahren werden, macht irgendwie auch keinen Sinn und scheint mir nicht gerade ökorrekt zu sein. Dann muss es wirklich in letzter Konsequenz der selbstgemachte Joghurt sein. Und die Milch dazu habe ich vom Bauern nebenan bekommen. Puuh… Vielleicht sollte ich meinen Kühlschrank noch einmal gründlicher durchforsten und schauen, was wirklich in die Praxis umzusetzen ist.
Tag 10 als Utopistin
Jetzt war ich doch glatt eine Woche abstinent und es ist wieder eine ganze Menge passiert auf der Seite. Ich habe wieder neue Kontakte knüpfen können, auch wenn es sich in dieser Community doch durchaus langsamer angeht als bei meinVZ etc. Ob das wohl auf die mangelnde Motivation meiner Freunde schließen lässt, nachhaltig zu leben? Mmh… Oder einfach daran, dass utopia.de noch nicht soo bekannt ist? Ich werde das weiter beobachten.
Tag 12 als Utopistin
Heute habe ich gelernt, wie viel Energie die Herstellung von Aluminium benötigt – und ich war entsetzt. Und erstaunt über mich selbst: Da glaubt man, man würde schon recht nachhaltig und bewusst leben und einkaufen, aber Verbesserungsbedarf gibt es schon im Kleinen. Mein Trost: Vor 4 Jahren habe ich eine Rolle Alufolie gebraucht, die ich noch nicht einmal zur Hälfte aufgebraucht habe…
Tag 13 als Utopistin
Heute konnte ich mich von utopia.de ehrlich gesagt kaum losreißen. Das Thema: künstliches Fleisch aus dem Labor. Mal im Ernst: Ekliger geht’s nimmer! Und gleich der 2. Link zu diesem Thema ließ mich als Nicht-Fernsehbesitzer sofort an der Liveschlachtung eines Huhns von Jamie Oliver bei RTL II teilhaben. Ich muss sagen: Kein ästhetischer Gewinn. Allerdings ist es natürlich amüsant zu sehen, dass die eingeladenen Gäste nach einigen Fotos und Berichten Jamies über Massentierhaltung keinen Appetit mehr hatten. Da kann man als Vegetarier nur sagen: Willkommen in der Wirklichkeit! Dass ein Schnitzel nicht in der Fleischertheke wächst, dürfte nun jedem Fleischgenießer bekannt sein. Aber ich möchte mich nicht in die Debatte: „Vegetarier sind bessere Menschen“ begeben. Wer Fleisch ist, sollte sich einfach über bestimmte Dinge klar sein und auch wie Vegetarier Rede und Antwort stehen können. Denn aus irgendeinem Grund muss man sich ja immer nur als Vegetarier rechtfertigen…
Tag 17 als Utopistin
In Urlaub fliegen oder nicht? Wenn ich allerdings daran denke, einen Flug nach Sardinien gegen eine Fahrt mit dem Zug und mit der Fähre einzutauschen, wird mir spontan übel. Mit einem Boot unterwegs sein konnte ich noch nie, sodass auch diverse Ausflüge nach Dänemark immer von Seekrankheit geprägt waren. Aber was geht hier vor? Klima oder Wohlbefinden? Vielleicht sollte ich einfach noch einmal über einen Urlaub auf dem europäischen Festland nachdenken?
Mein Fazit
Ich werde wohl weiterhin Utopierin bleiben. Selbst wenn da noch ein ganz schön großes Stück Arbeit auf mich zukommen wird. Aber ich bin überzeugt davon, dass es sich lohnt. Und solange in den Foren nicht aufeinander herumgehackt, sondern konstruktive Kritik ausgetauscht wird, bleibe ich dabei. Und berichte in ein paar Monaten, ob ich bereits in Utopia oder noch in der Wirklichkeit lebe.



