Konflikt um Südafrika
Die Höhenluft sorgte bei den Spielen der XIX. Olympiade in Mexiko-Stadt für ein Festival der Rekorde: Die Athleten stellten insgesamt 34 Welt- und 38 olympische Bestleistungen auf. Die "Politisierung" der Gesellschaft, die Ende der 60-er Jahre in vielen Ländern der Welt zu verzeichnen war, machte auch vor der Olympiastadt nicht halt. Kurz vor Eröffnung der Spiele entlud sich die Kritik der einheimischen Bevölkerung an den hohen Kosten der Veranstaltung und den sozialen Missständen in heftigen Auseinandersetzungen: Polizei und Armee schlugen Studentenproteste blutig nieder.
Konflikte gab es um die Teilnahme Südafrikas. So drohten die meisten schwarzafrikanischen Staaten mit einem Boykott, falls der Apartheidsstaat Sportler nach Mexiko entsenden dürfte. Das IOC lenkte ein und lud die südafrikanischen Athleten wieder aus. Aufgrund von IOC-Beschlüssen marschierten hinter einer gemeinsamen Flagge zwei selbstständige deutsche Mannschaften ins Stadion. Zum ersten Mal entzündete mit der mexikanischen Hürdenläuferin Enriqueta Basilia Sotelo eine Frau das olympische Feuer.
Zu einer politischen Demonstration wurde die Siegerehrung über 200m: Die US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos streckten beim Abspielen der US-Nationalhymne ihre schwarzbehandschuhten Fäuste in die Luft - Symbol der radikalen Black-Power-Bewegung, die für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA kämpfte. Die Mannschaftsleitung schloss die Sportler daraufhin aus dem Team aus.
Beamon springt zum Weltrekord
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Die Leistungsexplosion bei den Wettkämpfen war in erster Linie auf die Höhenluft in der mexikanischen Metropole (2240m) zurückzuführen: Vorheriges mehrwöchiges Höhentraining hatte zudem zu einer Vermehrung der roten Blutkörperchen im Organismus der Athleten geführt. Die dadurch bedingte erhöhte Sauerstoffzufuhr in der Muskulatur steigerte die Leistungsfähigkeit.
Über 100m dominierten Sprinter aus den USA: Olympiasieger Jim Hines stellte in 9,9sec einen Weltrekord auf. Dieser wurde mit 9,95sec 1977 auch als Weltrekord mit elektronischer Messung anerkannt. Auf den Mittel- und Langstrecken (1500m bis Marathon) machten Läufer aus Afrika die Siege unter sich aus. Das herausragende Ergebnis in der Leichtathletik präsentierte Bob Beamon (USA): Er verbesserte den Weitsprung-Weltrekord um 55cm auf 8,90m. Erst 23 Jahre später gelang es seinem Landsmann Mike Powell, diesen "Sprung ins 21. Jahrhundert" zu verbessern (8,95m). Der US-Diskuswerfer Al Oerter errang seinen vierten Olympiasieg in Folge. Mehr noch als sein Siegessprung von 2,24m sorgte die Technik von Richard "Dick" Fosbury (USA) für Schlagzeilen. Der sog. Fosbury-Flop revolutionierte den Hochsprung und verdrängte den bis dahin üblichen Straddle-Stil. "Königin" der Spiele war die tschechoslowakische Turnerin Vera Cáslavská mit viermal Gold und zweimal Silber.



