Mickey Mouse - Karriere eines Nagetiers
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Mickey Mouse - Karriere eines Nagetiers

Bild: Foto: Norbert Nelte Flipper, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

18. November 1928. Im Colony Theatre von New York wird das neueste Werk eines bis dahin fast unbekannten Zeichentrickfilmers vorgestellt. Über die Leinwand flimmern die Abenteuer einer kleinen Maus, die sich nicht nur zur bis dahin obligatorischen Stummfilmmusik bewegt, sondern selbst singen und sprechen kann. Das Publikum ist hingerissen, und seine Begeisterung hat Folgen. Denn im Zuschauerraum sitzen zahlreiche Journalisten, die der findige Presseagent Harry Reichenbach vorausschauender Weise eingeladen hatte. Über Nacht wird Mickey Mouse berühmt - und mit ihr der Erfinder, Walt Disney.

Die Maus, die spricht und singt

18. November 1928. Im Colony Theatre von New York wird das neueste Werk eines bis dahin fast unbekannten Zeichentrickfilmers vorgestellt. Über die Leinwand flimmern die Abenteuer einer kleinen Maus, die sich nicht nur zur bis dahin obligatorischen Stummfilmmusik bewegt, sondern selbst singen und sprechen kann. Das Publikum ist hingerissen, und seine Begeisterung hat Folgen. Denn im Zuschauerraum sitzen zahlreiche Journalisten, die der findige Presseagent Harry Reichenbach vorausschauender Weise eingeladen hatte. Über Nacht wird Mickey Mouse berühmt - und mit ihr der Erfinder, Walt Disney.

Der dritte Versuch

Der in New York gezeigte Kurzfilm "Steamboat Willie" war bereits Disneys dritter Versuch, eine unscheinbare Maus zum Leindwandhelden zu machen. Die Idee entstand angeblich während einer langen Eisenbahnreise, die Disney nach einer gescheiterten Verhandlung von New York nach Los Angeles führte. Während er selbst den Charakter der späteren Kultfigur entwickelte, arbeitete sein genialer Zeichner und Kompagnon Ub Iwerks an der endgültigen Form. Pro Tag entwarf Iwerks bis zu 700 (!) verschiedene Zeichnungen, die von Walts Frau Lillian und seiner Schwägerin Edna in der Garage der Disneys auf Zelluloid übertragen wurden.
Nach zwei stummen Pilotfilmen entschloss sich Walt Disney zu einem gewagten Experiment. In New York ließ er Tonspuren produzieren, lieh Mickey Mouse seine eigene Stimme und präsentierte mit "Steamboat Willie" dann den ersten Zeichentrick-Tonfilm überhaupt. Die Geschichte der draufgängerischen Maus, die Nilpferdzähne und Kuheuter zu Musikinstrumenten umfunktioniert und die heißgeliebte Minnie vor dem bösen Pet-Leg Pete rettet, revolutionierte nicht nur die Filmgeschichte.

Vom Rebell zum Durchschnittsbürger

Kurze Zeit später gehörte sie als unverzichtbares Vorprogramm zum Kino-Inventar, ihre Erfolgsgeschichte wurde im "Whós Who" und in der "Enzyklopaedia Britannica" beschrieben, Zeitungen und Bücher verbreiteten die entsprechenden Comic-Strips und 1933 gingen innerhalb von acht Wochen zwei Millionen Exemplare der legendären Ingersoll-Mickey Mouse-Uhren über den Ladentisch.
Mit dem spitzbübischen Hallodri der Anfangsjahre wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Und so verpassten die Disney-Macher ihrer Galionsfigur schon nach den ersten Filmen weiße Handschuhe - und das nicht nur, um die Kontrastwirkung zu den schwarzen Armen zu erhöhen. In 121 Trickfilmen verwandelte sich Mickey Mouse vom sympathischen Rabauken zum betulichen amerikanischen Durchschnittbürger, der sich als Schneider, Cowboy, Detektiv oder Forscher rechtschaffen und ordentlich seinen Weg durchs Leben bahnt.

Problemkind Mickey

Dem Filmpublikum gefiel dieser Imagewandel immer weniger, und so wurde in dem ersten Mickey Mouse-Farbfilm ein neuer Held geboren. "The Band Concert" (1935) zeigte die Maus als seriösen Dirigenten, der vergeblich versucht, Rossinis "Wilhelm Tell"-Ouvertüre gegen die musikalischen Ambitionen einer Ente durchzusetzen, die mit "Turkey in the Straw" gegen die klassische Tradition anträllert. Mit dem grandiosen Auftritt von Donald Duck, den der brillante Zeichner Carl Barks später zu einer der erfolgreichsten Comic-Figuren überhaupt entwickelte, begann der Siegeszug der Entenhausen-Saga, aber selbst die drei kleinen Schweinchen, Pluto oder Goofy waren bald populärer als Mickey Mouse, die zwischen 1943 und 47 vollständig von der Leinwand verschwand. Walt Disney notierte: "Mickey ist unser Problemkind. Er ist so sehr zu einer Institution geworden, dass wir in dem, was wir mit ihm machen können, sehr begrenzt sind. Wenn wir Mickey jemanden einen Tritt geben lassen würden, bekämen wir eine Million Briefe von Müttern, die uns sagen, dass wir ihren Kindern falsche Ideen in den Kopf setzen. Mickey muss immer süß und lieb bleiben. Was kann man aber mit so einem Star schon anfangen?"

Mickey - ein Dinosaurier?

Als Symbolfigur und Sympathieträger hat Mickey Mouse freilich bis heute kaum etwas von ihrer Popularität eingebüßt. Werbewirksam steht die Maus nach wie vor an der Eingangspforte der Disney-Welt, um großen und kleinen Kindern freundliche und unbeschwerte Unterhaltung à la Hollywood zu garantieren. Unter diesem Aspekt ist sie so unsterblich, wie sie ihr Schöpfer haben wollte: "Es ist das, was uns mit den Spielsachen der Kinder spielen lässt und was uns ohne Befangenheit über dumme Dinge lachen macht; wegen dessen wir in der Badewanne singen und träumen und glauben, dass unsere Babies einzigartig schön sind...das ist Mickey in uns." Dass sich der Disney-Konzern längst auf andere Geschäftsfelder konzentriert, weil der possierliche Nager vielleicht doch nicht mehr ganz so optimal ins Showkonzept des 21. Jahrhunderts passen will, ändert vorerst noch nichts an seinem Kultstatus.

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