Strafbehörden müssen grundsätzlich eingeschaltet werden
In Zukunft müssen Staatsanwaltschaften und Behörden wie Jugendämter und Schulaufsichtsorgane grundsätzlich informiert werden, "sobald tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen vorliegen". Bislang wurde nur in erwiesenen Fällen des sexuellen Missbrauchs dem Verdächtigen zur Selbstanzeige geraten und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft informiert.
Diese Pflicht entfalle nur "ausnahmsweise, wenn dies dem ausdrücklichen Wunsch des mutmaßlichen Opfers beziehungsweise dessen Eltern oder Erziehungsberechtigten entspricht und der Verzicht auf eine Mitteilung rechtlich zulässig ist", wie Stephan Ackermann unterstrich.
Von einer generellen Anzeigenpflicht sahen die Bischöfe letztendlich ab, denn auch das staatliche Recht kenne einen solchen "Automatismus" nicht.
Fakten zum Kindesmissbrauch in Deutschland
Polizeiliches Führungszeugnis für ehrenamtliche Mitarbeiter
Personen, die sich des Missbrauchs Minderjähriger schuldig gemacht haben, dürfen in Zukunft auch in der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht mehr eingesetzt werden. Die Leitlinien gelten nicht nur für Priester, sondern auch für Ordensangehörige, Mitarbeiter der Bischofskonferenz sowie ehrenamtliche Mitarbeiter der katholischen Kirche. Diese müssen in Zukunft ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
Mitarbeiter im kirchlichen Dienst sind desweiteren verplichtet, Hinweise auf sexuellen Missbrauch, der vom Diözesanbischof als "Ansprechpartner" bestimmten Person unverzüglich mitzuteilen. Dieser Beauftragte darf künftig nicht mehr aus der Leitung des Bistums kommen.
Keine Entscheidung über finanzielle Entschädigung
Über die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern, die über seelsorgliche und therapeutische Hilfen hinausginge, hat die Bischofskonferenz noch immer keine Entscheidung getroffen. Das österreichische Modell - ein Fonds mit abgestuften Zahlungen zwischen 5.000 und 25.000 Euro - lehnen die deutschen Bischöfe ab. Über die Entschädigungsfrage wolle man erst noch mit der Bundesregierung, mit Experten und Opferverbänden am Runden Tisch reden.
Die neuen Leitlinien gelten für drei Jahre. Danach sollen sie erneut überprüft werden.


