Neue Welten im Kopf
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Neue Welten im Kopf

Bild: Foto: Markus Willimann, Public domain, via Wikimedia Commons

Erfinder werkeln nicht nur still für sich Zu Hause – gelegentlich brauchen sie den Austausch mit ihresgleichen und mit potenziellen Käufern und Nutznießern ihrer Geistesblitze. Dafür treffen sie sich auf Erfindermessen. Die größte dieser Art findet jedes Jahr in Genf statt.

Tüftler-Treffpunkt Genf

Die 1972 gegründete “Internationale Messe für Erfindungen, neue Technik und Produkte” in Genf ist weltweit die bedeutendste Erfindermesse. 2001 waren 725 Aussteller aus mehr als 40 Ländern in Genf vertreten. 472 Firmen und 253 Einzelerfinder präsentierten ihre Entwicklungen und Geistesblitze, um Kontakte zu Investoren oder Industrievertretern herzustellen. 84 500 Besucher interessierten sich für die Neuheiten. Rund 450 Erfindungen sollen nach Aussage der Veranstalter Anlass von Lizenzverhandlungen gewesen sein.

Heureka, der Geistesblitz

Sind die Erfinder mit ihren Ideen erst einmal so weit gekommen, dann haben sie zumeist einen steinigen Weg hinter sich. Denn zum erfolgreichen Erfinder gehört allemal mehr als das erlösende “Heureka” (salopp übersetzt: “Ich hab’s!”), das durch den griechischen Mechaniker und Mathematiker Archimedes zum Halali der Problemlöser wurde.

Den Akt der Erfindung beschrieb der Ingenieur Max von Eyth, selbst an der Konstruktion des Dampfflugs beteiligt, um 1900: “Oft ist es ein Gedankenblitz, der außer allem Zusammenhang mit der Umgebung und selbst der augenblicklichen Geistesarbeit steht und plötzlich wie ein freudiges Aufflammen die ganze Seele erfasst. Manchmal entzündet sich dieser Funke an der scheinbar zufälligen Beobachtung äußerer Erscheinungen, die der fortwährend sich bewegende Geist in oft groteske Verbindungen bringt, aus welchen plötzlich eine neue tatsächliche Möglichkeit entgegentritt ...”

Zwischen Edison und Düsentrieb

Die wohl berühmtesten Vertreter der Spezies Erfinder, Thomas Alva Edison (1847-1931) und Daniel Düsentrieb, markieren als Extreme die ganze Bandbreite der Vorstellungen, die Nichterfinder von Erfindern haben.

Freundlich-mitleidiger Spott gilt dem realitätsfernen Tüftler, repräsentiert durch Daniel aus Entenhausen, u.a. Erfinder des butterlosen Butterbrotes, der sich ganz der Faszination des Neuartigen hingibt, ohne auf die Nützlichkeit für die Gesellschaft zu achten. Er verweist auf die Gefahr, der Erfinder permanent ausgesetzt sind. Schnell werden sie als Spinner abgestempelt und nicht ernst genommen, weil sie sich Dinge vorstellen, die es (noch) nicht gibt oder die wir noch nicht kennen: Anti-Schweiß-Jeans, intelligente Reifen, Rücken-Cremeroller, Gravitationsmotor...

Erweisen sich die Visionen jedoch als richtig, hat der Erfinder Erfolg, gehört ihm unsere ungeteilte Bewunderung. So einer ist Edison – wahrscheinlich der berühmteste Erfinder überhaupt. Nicht weniger als 1093 Patente hat der Amerikaner erworben und schon zu Lebzeiten war er eine Berühmtheit. Robert Conot schrieb 1979 über Edison: “Dadurch, dass er sich mit aktuellen und praktischen Dingen beschäftigte, konnte er Leute für sich interessieren, deren Motiv der Profit war. Seine Kontakte, seine Fähigkeit, Geld zu beschaffen, die Auswertung der Fähigkeiten anderer Leute, sein Ehrgeiz, sein Ideenreichtum, seine Konzentrationsfähigkeit auf bestimmte Projekte - dies waren die Ingredenzien für seinen Erfolg. Es gab noch ein weiteres, vielleicht das wichtigste von allem: seine Beharrlichkeit.”

Mehr Transpiration als Inspiration

Das Beispiel Edison verdeutlicht, dass ein Geistesblitz noch keinen erfolgreichen Erfinder macht. Edison selbst tat den berühmten Ausspruch: “Erfindung ist 99% Transpiration und 1% Inspiration.” Und auch wenn sie die notwendige Beharrlichkeit zeigen, haben es Einzelerfinder besonders schwer, aus ihren Ideen erfolgreiche Produkte zu machen. Denn oft kostet die Umsetzung der Idee in ein Modell neben viel Hartnäckigkeit auch viel Geld. Zudem sind Geldgeber für Einzelerfinder rar gesät. An die selbstständige Vermarktung der eigenen Erfindung ist normalerweise schon gar nicht zu denken. Schließlich verschlingt der Urheberschutz schnell erhebliche Beträge.

Wer seine Erfindung durch Anmeldung beim Deutschen Patentamt für zehn Jahre (möglich sind maximal 20 Jahre) schützen lassen will, muss dafür etwa 5 000 Euro aufwenden. Mehr Schutz kostet mehr Geld. Ein Europapatent, das zur Zeit 20 Staaten umfasst (noch erweiterbar auf 26), kann beim Europäischen Patentamt angemeldet werden. Diese Behörde gibt es seit 1978. So ein Schutzbrief kostet allerdings das Vielfache eines nationalen Patents, schnell sind 30 000 Euro Gebühren (Durchschnitt 1999) erreicht. Grund dafür sind u.a. die vorgeschriebenen Übersetzungen der Patentschrift. Denn die muss in jeder Landessprache vorliegen. Die Erweiterung der EU lässt da noch Böses ahnen.

All die Kosten halten die Menschheit aber nicht davon ab, ihre Erfindungen schützen zu lassen. Das Deutsche Patent- und Markenamt meldete für 2001 mit 127 400 Patentanmeldungen einen neuen Rekord. Immerhin 13% der Anmeldungen kamen dabei von Einzelerfindern.

Schutzbrief für Kreative

Ein Patent sichert dem Erfinder die exklusive Verwertung seiner Erfindung für einen bestimmten Zeitraum zu: In Deutschland beträgt er 20 Jahre. Während dieser Zeit ist niemand befugt, ohne Erlaubnis des Patentinhabers den Gegenstand der Erfindung gewerbsmäßig herzustellen, in den Verkehr zu bringen oder anzubieten bzw. ein bereits patentiertes Herstellungsverfahren selbst anzuwenden.

Vorläufer der Patente waren die mittelalterlichen Privilegien und Monopole, die Landesherren für gewerbliche Verfahren und Betätigungen verliehen. So wurde 1331 in England ein Webmonopol (aber noch nicht World Wide) vergeben. Eine britische Parlamentsakte – sie gilt als erstes Patentgesetz – regelte 1623 gesetzlich die Verleihung und verbot die willkürliche Erteilung von Gewerbsprivilegien und Monopolen durch die Krone. In den USA wurde der Schutz des Erfinders 1776 vom Kongress als Menschenrecht proklamiert und 1790 gesetzlich geregelt. Der Schutz des Erfinders war auch eine der zentralen Forderungen der Französischen Revolution. Durch Gesetze von 1790 und 1791 gestand der französische Staat dem ersten Anmelder das Recht auf Patentierung zu.

1877 trat das deutsche Patentgesetz in Kraft, das erstmals für das gesamte Reich das Patentwesen regelte. 1878 wurden in Deutschland 5949 Erfindungen zur Patentierung angemeldet, 4200 wurden schließlich patentiert.

1883 machten elf Staaten mit der “Pariser Übereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums” einen Anfang mit dem internationalen Patentschutz.

Kontakt

Erfinder-Messe Genf

http://www.inventions-geneva.ch/
Patentinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
Aktuelle Meldungen
http://www.patente.bmbf.de/inform/inhalt_1.htm
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Erfinderclubs
http://www.erfinderclubs.de/

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