Nikkō - Japan in Technicolor
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Nikkō - Japan in Technicolor

Bild: Foto: Horst Sturm, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Der Fluss Daiyo-gawa trennt die Altstadt von der am nördlichen Ufer gelegenen Neustadt, wo sich die berühmten Sehenswürdigkeiten befinden. Vom Bahnhof im Stadtzentrum gelangt man zu Fuß in 20 Minuten zu der rot lackierten heiligen Brücke Shinkyō, die zum Sannai, dem touristisch interessantesten Teil der Stadt, hinüberführt.

Der Fluss Daiyo-gawa trennt die Altstadt von der am nördlichen Ufer gelegenen Neustadt, wo sich die berühmten Sehenswürdigkeiten befinden. Vom Bahnhof im Stadtzentrum gelangt man zu Fuß in 20 Minuten zu der rot lackierten heiligen Brücke Shinkyō, die zum Sannai, dem touristisch interessantesten Teil der Stadt, hinüberführt.

Eine heilige Brücke

Die Shinkyō gilt als eine der drei schönsten Brücken Japans. Früher war sie dem Tenno und den Boten des kaiserlichen Hofes vorbehalten, für den Publikumsverkehr wurde sie erst 1973 geöffnet. Beim Betreten der Brücke wird allerdings eine Gebühr fällig, die bei nahegelegene modernen Brücke nicht anfällt.

Der Legende nach war die erste Brücke ein Provisorium: Im Jahre 766 wurden der Priester Shōdō und seine Begleiter auf ihrem Weg zum Berg Nantai vom reißenden Fluss aufgehalten. Ein hilfreicher Gott half aus: Zwei Schlangen schlugen auf seinen Befehl hin mit ihren Körpern eine regenbogenfarbene Brücke. Nachdem man die andere Seite erreicht hatte, verschwand die Brücke wieder.

Rinnō-ji

Ein Stück oberhalb der Brücke gelangt man zur Pilgerstraße Omotesando, die direkt auf den Tōshōgū-Schrein zuführt. Rechterhand liegt der Rinnoji-Tempel, das bedeutendste buddhistische Heiligtum der Region. In der Halle der drei Buddhas (Sambutsu-dō), dem größten Tempelgebäude Nikkōs, befinden sich drei 8 Meter hohe, vollständig mit Blattgold bedeckte Statuen.

Tōshōgū-Schrein - barocke Farb- und Formenfülle

Die Pilgerstraße führt weiter zum Tōshōgū-Schrein, dem bedeutendsten Heiligtum von Nikkō. Die Anlage dient der Verehrung Tokugawa Ieyasus, des Begründers des Tokugawa-Shogunats und Einiger des feudalen Japans. Die historische Figur findet sich auch in dem Roman „Shogun“ von James Clavell wieder, in der Ieyasu als fiktiver Shogun Toranaga porträtiert wird.

Das anfangs schlichte Mausoleum wurde von Ieyasus Enkel, dem dritten Shogun Iemitsu, zu einem spektakulären Komplex ausgebaut. Die Gebäude entstanden zu einer Zeit, da Architektur und Kunsthandwerk nach einem langen Bürgerkrieg wieder in höchster Blüte standen. An der Errichtung des Schreins sollen insgesamt 15.000 Handwerker beteiligt gewesen sein. Da die Bauten regelmäßig restauriert werden, muss man, wie am Kölner Dom, immer mit störenden Baugerüsten rechnen.

Ausgangspunkt für die Erkundung des Schreins ist die Treppe der Tausend (Sennin-ishidan), früher der äußerste frei zugängliche Punkt der Anlage. Links der Treppe steht eine prächtige fünfstöckige Pagode, deren Dächer von unten nach oben die fünf Elemente symbolisieren: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Himmel.

Am Austritt der Treppe durchschreitet man ein riesiges Stein-Torii und gelangt oberhalb einer weiteren Treppe zum Haupttor Nio-mon, dem Eingang zum Hof mit den drei Schatzhäusern und dem Stall für die heiligen Pferde. Das obere Schatzhaus ist an der Giebelseite mit einem farbigen, geschnitzten Relief geschmückt, das zwei Elefanten zeigt und Kano Tanyu, einem der berühmtesten Künstler der Momoyama-Zeit, zugeschrieben wird. Da Elefanten damals in Japan unbekannt waren, musste der Künstler seine Fantasie zur Hilfe nehmen.

Drei berühmte Nichtstuer

Der Pferdestall gegenüber den Speichern ist mit Affen-Darstellungen verziert, da Affen nach einem in China verbreiteten Glauben über die Gesundheit der Pferde wachen. Unter den Schnitzereien befindet sich auch das berühmte Drei-Affen-Motiv ("nichts (Böses) sehen, hören oder sagen"). Von hier ausgehend hat es sich als Symbol weltweit verbreitet. Während die drei Affen ursprünglich die Bedeutung „über Schlechtes weise hinwegsehen“ hatten, werden sie heute eher als „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“ interpretiert. Inzwischen sind echte Japanmakaken, die sich früher nur in den umliegenden Bergwäldern aufhielten, zu einem Problem geworden: Sie haben die Scheu vor den Menschen verloren, so dass sie auch in den Heiligtümern nach Nahrung suchen und die Besucher belästigen.

Auf der nächsten Ebene, dem mittleren Hof, erreicht man die buddhistische Honjidō-Halle mit dem "Brüllenden Drachen" (naki-ryū). Es handelt sich um ein großes Deckengemälde, das nach einem akustischen Effekt benannt wurde: Schlägt man zwei Hölzer unter dem Kopf des Drachen zusammen, so erklingt ein heller, durchdringender Ton. Ein Priester führt regelmäßig Demonstrationen für die Besucher durch.

Ein Kuriosum im mittleren Hof ist eine Bronzelaterne, die als Geschenk des niederländischen Königs ins Land gelangte. Die Gabe hat allerdings einen kleinen Schönheitsfehler: Das Wappen (Mon) des Tokugawa-Clans, die drei Malvenblätter, steht versehentlich auf dem Kopf!

Yomei-mon oder der Horror vacui in der Architektur

Am Eingang zum inneren Hof glänzt das prunkvolle Tor des Sonnenlichtes, Yomei-mon, das einst nur unbewaffnete, hochrangige Samurai durchschreiten durften. Das Tor hat den Beinamen "Higurashi-mon" (Tor der Dämmerung), der andeutet, dass faszinierte Betrachter hier verweilen, bis sie von Abenddämmerung überrascht werden. Die gesamte Oberfläche des zweistöckigen Baus ist mit Schnitzereien überzogen.

Ungewöhnlich ist die chinesische Motivwahl, die man so an älteren religiösen Gebäuden nicht findet. Auch wurden die üblichen buddhistischen Torwächter (Niō) in den Tornischen durch realistische Darstellungen japanischer Bogenschützen ersetzt. Sie stellen Minamoto no Yoritomo, den ersten Shogun, und Toyotomi Hideyoshi, den großen Rivalen Ieyasus, dar.

Im Inneren befindet sich eine fehlerhaft gearbeitete Säule, wodurch die Vollkommenheit des Bauwerks durchbrochen und der Neid böser Geister abgewehrt werden soll.

Jenseits des Tores liegt die Halle Mikoshi-gura, wo die bei Festlichkeiten verwendeten Tragschreine aufbewahrt werden; rechts die Halle der Kulttänze, Kagura-den. Den Zugang zum eigentlichen Schrein bildet das Tor Kara-mon. Auch dieses ist im chinesischen Stil gehalten, aber schlichter als das Yōmei-mon.

Innerhalb der Umfriedung steht das Hauptgebäude des Schreins. Es beherbergt den vergoldeten Schrein (gokuden), in welchem Tokugawa Ieyasu als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ verehrt wird.

Eine friedliche Katze

Rechts von der Haupthalle befindet sich das reichverzierte Tor Sakashita-mon, das nur vom Shogun durchschritten werden durfte. An einem Querbalken im Gang zum Tor befindet sich die bekannte Schnitzerei einer schlafenden Katze (Nemuri-neko), die Hidari Jingorō zugeschrieben wird. Es heißt, der Künstler habe mit dieser Darstellung auf den verschlagenen Charakter des Shoguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gerne schlafend stellte, um dann überraschend zuzuschlagen. Zugleich gilt diese Katze aber als Symbol des Friedens und der Ruhe.

Über die sich anschließende, zweihundertstufige Steintreppe steigt man zum hinter dem Schrein gelegenen Mausoleum hinauf. Die sterblichen Überreste des Shoguns sind einer kleinen bronzenen Grabstupa eingeschlossenen, die, gemessen an der Umgebung, sehr bescheiden ausgefallen ist. Vor der Stupa befinden sich das Dreigerät (mitsu-gosoku) des buddhistischen Altarschmucks: Weihrauchgefäß, Kerzenständer und Blumenvase.

Futarasan-Schrein

Von der Treppe der Tausend zweigt links der Weg zum Futarasan-Schrein ab. Der älteste Schrein der Region ist den Gottheiten des nahegelegenen Berges Nantai geweiht. Wie beim Tōshō-gū befinden sich auf dem Gelände zahlreiche Stein- und Bronzelaternen. Eine sagenumwobene, 2,3 Meter hohe Bronzelaterne ist unter dem Namen Bakedōrō bekannt. Angeblich zeigte die Flamme der "Geisterlaterne" bei Dunkelheit ein so unheimliches Verhalten, dass patrouillierende Wächter sie wiederholt angriffen. Die tiefen Kerben, die die Schwerter der Samurai schlugen, sind noch heute zu erkennen.

Taiyū-in – Bescheidenheit ist eine Zier

Westlich neben dem Futaarasan-Schrein liegt der Taiyū-in, das Mausoleum von Iemitsu, dem dritten Tokugawa-Shogun. Obgleich dieses Mausoleum nur 16 Jahre nach dem Tōshōgū-Schrein erbaut wurde, zeichnet sich hier bereits die Hinwendung zum "schlichteren" Stil der Edo-Zeit ab. Die Gesamtanlage ähnelt jener des größeren Nachbarn, ist aber stilistisch geschlossener und die Farbgebung beschränkt sich auf Rot, Schwarz und Gold.

Höhepunkte der Anlage sind die fünf Tore, durch die man zum Grabmal Iemitsus gelangt. Besonders erwähnenswert ist das zweite Tor Niten-mon ("Zwei-Himmel-Tor"), ein zweistöckiger Bau mit Statuen der Himmelswächter sowie des Wind- und des Donnergottes. Die großen, farbig gefassten Schnitzfiguren sollten das Herz jedes Fantasyfans erfreuen.

Tausend Krieger, zehntausend Touristen

Während des Frühlings- (17. und 18. Mai) und Herbstfestes (17. Oktober) lohnt sich ein Besuch Nikkōs besonders. Am ersten Festtag sind Demonstrationen japanischen Bogenschießens zu Pferde (Yabusame) zu sehen. Am zweiten Tag findet der eigentliche Festzug statt, der die Überführung Ieyasus in seinen Schrein nachgestellt. Den drei heiligen Pferden am Kopf des Zuges folgen Krieger zu Pferd und zu Fuß und schließlich drei von Priestern getragene Mikoshi (Tragschreine). Das Schauspiel ist bekannt als Prozession der Tausend Krieger (Sennin-gyōretsu) und führt vom Futarasan-Schrein über den Otabisho-Schrein an der Shinkyō-Brücke und wieder zurück bis auf das Gelände des Tōshōgū-Schreins. Die Teilnehmer sind zumeist einheimische Laiendarsteller. Das eintägige Herbstfest ist zwar nur etwa halb so großartig, aber immer noch sehenswert.

Auf Abwegen

Über den Takino-Pfad, der östlich hinter dem Tōshō-gū den Hang hinaufführt, gelangt man zum Takino-o-Schrein, einem häufig übersehenen Bergschrein. Die Gegend ist eine willkommene Abwechslung von der überlaufenen Sannai. Das Undameshi-no-Torii des Schreins ist eine Art trockener Wunschbrunnen: Gelingt es dem Besucher, in drei Versuchen mindestens ein Steinchen durch das Loch im Querbalken des Tors zu werfen, wird er entsprechend viel Glück haben.

Besucher, die etwas Zeit mitbringen, sollten die alten, von Zedern gesäumten Alleen aufsuchen, über die einst Pilger zu den Schreinanlagen gelangten. Sie wurden 1625 bis 1651 von Matsudaira Masatsuna, einem Tokugawa-Vasallen, gepflanzt, der damit seinen Beitrag zur Errichtung des Tōshōgū-Schreines leistete. Etwa 13.000 von einst 200.000 Bäumen sind noch erhalten und säumen die Wege auf einer Länge von 37 Kilometern.

Die Kanmangafuchi-Schlucht, etwas oberhalb der Altstadt auf der anderen Flussseite gelegen, wurde in prähistorischer Zeit durch einen Ausbruch des Vulkans Nantai geformt. An dem schönen Weg längs der Schlucht steht eine lange Reihe von Jizo-Figuren, die auch als Bake-Jizo (Geister-Jizo) bekannt sind: Der Legende nach wird ein Wanderer auf dem Hinweg nie die gleiche Anzahl Figuren zählen wie auf dem Rückweg.

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