Friedensnobelpreis für iranische Frauenrechtlerin
Die 54-jährige Juristin und Menschenrechtlerin Shirin Ebadi wird für ihr Engagement bei der Demokratisierung Irans und ihren Kampf für mehr Menschenrechte mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie habe sich couragiert eingesetzt und dabei keine Rücksicht auf eine Bedrohung ihrer eigenen Person genommen, begründete das Norwegische Komitee seine Entscheidung. Ebadi, eine überzeugte Muslimin, sehe keinen Widerspruch zwischen dem Islam und fundamentalen Menschenrechten. Für sie sei entscheidend, dass der Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen bei ihren gemeinsamen Werten beginnen solle. Ebadi ist seit langen Jahren eine leidenschaftliche Aktivistin im Einsatz für mehr Rechte für Flüchtlinge, Frauen und Kinder. Sie gründete die „Association für Support of Children's Rights in Iran“ und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Bücher und Artikel zum Thema Menschenrechte. Als Anwältin vertrat sie viele kontroverse politische Fälle und versuchte unter hohem persönlichen Einsatz z.B.die tödlichen Angriffe auf Studenten der Universität in Teheran aufzuklären. Infolge solcher Aktivitäten wurde sie mehrfach inhaftiert. Das Komitee spricht mit der Preisvergabe die Hoffnung aus, dass diese Entscheidung das iranische Volk erfreuen wird und auch andere, speziell in der Muslimischen Welt, dazu inspiriert, sich für mehr Menschenrechte und Demokratie einzusetzen.
Coetzee erhält Literaturnobelpreis
Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den Südafrikaner J.M. Coetzee. Der 63-jährige Schriftsteller ist nach Nadine Gordimer der zweite weiße Autor aus Südafrika, der mit der wichtigsten Würdigung der literarischen Welt ausgezeichnet wird. Seine Themen sind Rassismus und Doppelmoral. Bekannt wurde er mit Büchern wie „Schande“ oder „Der Junge. Eine afrikanische Kindheit“. Die Akademie begründete ihre Entscheidung, er portraitiere „die Teilhaftigkeit des Menschen an der Vielfalt des Daseins in oft überrumpelnder Weise“. Er sei ein „gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation“. Zugleich würdigte sie seinen stilistischen Vatiationsreichtum. Zur grundlegenden Thematik in Coetzees Romanen zählen die Wertungen und Verhaltensweisen des südafrikanischen Apartheid-Systems, die jedoch ihm zufolge überall entstehen können. Der Autor lebt und arbeitet zur Zeit in der australischen Stadt Adelaide. Seine Werke sind in Deutschland beim S. Fischer Verlag erschienen.
Amerikaner und Brite teilen sich Medizinpreis
Die Wissenschaftler Paul C. Lauterbur (USA/74) und Peter Mansfield (GB/70) wurden für ihre Verdienste um die Diagnostik per Magnetresonanz.mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin gewürdigt. Das Komitee in Stockholm gab bekannt, die beiden Preisträger machten in den 70er-Jahren bahnbrechende Entdeckungen, die schließlich den Weg für den Einsatz von Magnetresonanz im medizinischen Bereich ebneten. Ihre Arbeit ermöglichte es, die inneren Organe des Menschen auf exakte und schonende Weise abbilden zu können, was von entscheidender Bedeutung für die medizinische Diagnostik, Behandlung und Nachkontrolle sei. Die Magnet-Resonanz-Tomographie (Kernspin-Tomographie) ist ein Verfahren, das im Gegensatz zu einer Röntgenuntersuchung nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern und Radiowellen arbeitet. Inzwischen zählt die Abbildung mit Magnetresonanz zu den wichtigsten diagnostischen Methoden in der Medizin. Es werden damit pro Jahr mehr als 60 Millionen Untersuchungen durchgeführt.
Nobel-Komitee würdigt Physiker-Trio
Der Nobelpreis 2003 für Physik geht an den russischstämmigen Amerikaner Alexei Abrikosov, den britisch-amerikanischen Forscher Anthony Leggett und den Russen Vitaly Ginzburg. Sie werden für ihre Leistungen in der Quantenphysik geehrt. Das Trio habe „bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten“ geleistet, so die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften. Kenntnisse über suprafluide Flüssigkeiten können vertiefende Einsichten darüber geben, wie die Materie in ihrem niedrigsten und meist geordneten Energiezustand auftritt. Supraleitendes Material, das Strom ohne Widerstand überträgt, wird unter anderem in Kernspin-Tomographien für medizinische Untersuchungen und in Teilchenbeschleunigungen verwendet. Abrikosov (75) wurde in Moskau geboren, lebt in den USA und hat sowohl die russische als auch US-Staatsbürgerschaft. Sein in London geborener Kollege Leggett (65) besitzt neben einem britischen ebenfalls einen US-Pass. Der Russe Ginzburg (87) ist der älteste unter den Preisträgern und lebt in Moskau.
Chemie-Nobelpreis geht an zwei Amerikaner
Die beiden US-Amerikaner Peter Agre und Roderick MacKinnon teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Sie wurden für die Erforschung von Ionen- und Wasserkanälen gewürdigt. Wie die Schwedische Akademie in Stockholm mitteilte, konnten die Forschungen von Agre und MacKinnon darüber aufklären, wie Wasser und Salze aus den Zellen des Körpers heraus- und in sie hineintransportiert werden. Ihre Arbeit habe eine große Bedeutung für das Verständnis einer Reihe von Krankheiten in Niere, Herz, Muskeln und Nervensystem. Agre (54, Minnesota) gelang es als erstem, ein Membranprotein zu isolieren, was die Tür zu einer ganzen Reihe von biochemischen, physiologischen und genetischen Studien an Bakterien, Pflanzen und Säugetieren ermöglichte. MacKinnon (47, Boston) bestimmte die räumliche Struktur bei einem Kaliumkanal, was die Beobachtung des Ionenstroms durch Kanäle möglich machte. Ionenkanäle sind u.a. für die Funktion des Nervensystems und der Muskeln wichtig.
Auszeichnung an Amerikaner und Briten
Der US-Forscher Robert F. Engle und der in den Vereinigten Staaten arbeitende Brite Clive W. J. Granger erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Die Königlich-Schwedische Wirtschaftsakademie teilte mit, die beiden würden für die Entwicklung neuer statistischer Methoden für die Bewertung chronologischer Wirtschaftsdaten wie Preise, Zinsen oder Bruttoinlandsprodukt geehrt. In der Begründung hieß es, Engle und Granger hätten in den achtziger Jahren die Möglichkeiten zur statistischen Verarbeitung so genannter Zeitreihen verbessert. Diese werden zur Abschätzung von Zusammenhängen und zur empirischen Überprüfung von Hypothesen aus wirtschaftswissenschaftlichen Theorien verwendet. Engle (60) habe dabei bahnbrechende Arbeiten zum besseren Umgang mit sich verändernden Zeitreihen bei Aktienkursen geschaffen. Granger (69) wurde für seine Forschung an Zeitreihen mit „stationären“ Daten ausgezeichnet, die nur ein wenig um einen vorgeschriebenen Wert schwanken. Der Wirtschafts-Nobelpreis ist stark umstritten, da er nicht auf das Testament von Alfred Nobel, sondern auf Initiative der Schwedischen Reichsbank zurückgeht. Die Schwedische Akademie, die für den Bereich Literatur zuständig ist, verlangt seit langem die Abschaffung des Wirtschaftspreises.



