Occupy - die Protestbewegung
Leben & Lifestyle

Occupy - die Protestbewegung

Bild: Foto: Hugo Charlemont, Public domain, via Wikimedia Commons

Von New York aus breitete sich die Occupy-Welle weltweit aus und besetzte nicht nur öffentliche Plätze, sondern eroberte auch die Schlagzeilen. Am 15. Oktober 2011 gingen in weltweit rund 1000 Städten Occupy-Anhänger auf die Straße. Mit dem Slogan „Wir sind die 99 Prozent“ forderten Hunderttausende mehr Gerechtigkeit und Teilhabe. Die Demonstranten verstanden sich als Sprachrohr für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, die weder über die finanziellen Mittel noch über die Einflussmöglichkeiten der oberen Zehntausend verfügt. Eine Agenda mit konkreten Zielen fehlt jedoch bis heute, was der Popularität von Occupy nicht schadet, im Gegenteil. Die Vagheit der Bewegung macht sie für viele erst anziehend. Jeder kann sich dort einbringen. Das zumindest ist eine der drei selbsternannten Regeln, die bei Occupy Deutschland gelten. Die beiden anderen lauten: Occupy macht keine Parteipolitik und befürwortet keine illegalen Aktionen.

Occupy – Die Anfänge

Occupy – Eine Bewegung breitet sich aus - "Wir sind die 99 Prozent"

Von New York aus breitete sich die Occupy-Welle weltweit aus und besetzte nicht nur öffentliche Plätze, sondern eroberte auch die Schlagzeilen. Am 15. Oktober 2011 gingen in weltweit rund 1000 Städten Occupy-Anhänger auf die Straße. Mit dem Slogan „Wir sind die 99 Prozent“ forderten Hunderttausende mehr Gerechtigkeit und Teilhabe. Die Demonstranten verstanden sich als Sprachrohr für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, die weder über die finanziellen Mittel noch über die Einflussmöglichkeiten der oberen Zehntausend verfügt. Eine Agenda mit konkreten Zielen fehlt jedoch bis heute, was der Popularität von Occupy nicht schadet, im Gegenteil. Die Vagheit der Bewegung macht sie für viele erst anziehend. Jeder kann sich dort einbringen. Das zumindest ist eine der drei selbsternannten Regeln, die bei Occupy Deutschland gelten. Die beiden anderen lauten: Occupy macht keine Parteipolitik und befürwortet keine illegalen Aktionen.

Anonymous und Guy Fawkes

Zum Erkennungszeichen der Occupy-Aktivisten wurde die Guy-Fawkes-Maske, die auch von Vertretern des Anonymous-Kollektivs verwendet wird. Die Maske erinnert an den berühmtesten Attentäter der britischen Geschichte, der bis heute als Revolutionär verehrt wird. Dass Fawkes über 500 Jahre nach seinem Tod Eingang in die Populärkultur fand, verdankt er nicht zuletzt der Comic-Reihe "V wie Vendetta" sowie in der gleichnamigen Verfilmung aus dem Jahr 2006, in der ein anarchistischer Terrorist mit Guy-Fawkes-Maske gegen ein totalitäres Regime kämpft. Nach seinem Tod tragen Tausende seine Maske. Inzwischen steht sein Name für zivilen Ungehorsam und für die Überzeugung, dass man zwar unliebsame Rebellen, nicht jedoch rebellische Ideen töten kann.


Die historische Figur Guy Fawkes war Teil einer Verschwörung, die den britischen König Jakob I., seine Familie sowie das gesamte englische Parlament am Tag der Parlamentseröffnung, am 5. November 1605, auslöschen wollte. Dazu wurden 2,5 Tonnen Schießpulver unter dem Parlamentsgebäude versteckt. Ziel der katholischen Attentäter war das Ende der Unterdrückung durch das protestantische Königshaus und das ebenfalls protestantische Parlament. Doch der so genannte „Gunpowder Plot“ flog auf, die Verschwörer wurden gefasst und hingerichtet. Bis heute werden die Keller der Parlamentsgebäude vor der Parlamentseröffnung rituell nach Sprengstoff durchsucht, und rund um den 5. November erinnern Feuerwerke und Straßenfeste an die Verschwörung.

Occupy und die Medien - Social Media vs Astroturfing

Wie kaum eine andere Protestbewegung zuvor profitierte die Occupy-Bewegung von den Social Media. Zerstörung, Molotowcocktails und Pflastersteine sind von gestern. Heute vernetzt man sich per Laptop und Smartphone, bloggt, twittert und mobilisiert weltweit Gleichgesinnte. Der smarte Umgang mit den modernen Spielarten der Kommunikation brachte dem Massen- und Medienphänomen Occupy den Vorwurf des so genannten Astroturfing (wörtlich: Kunstrasenbewegung) ein. Damit bezeichnet man Werbekampagnen, die sich als Graswurzelbewegung ausgeben, während es sich in Wirklichkeit um eine von oben gesteuerte Bewegung handelt. Tatsächlich wurde die Besetzung der Wall Street von der Adbusters Media Foundation initiiert. Die Liste der prominenten Occupy-Fürsprecher ist lang. Dass sich unter ihnen neben Autoren und Filmemachern wie Naomi Klein und Michael Moore auch Politiker wie Nancy Pelosi und Michael Bloomberg sowie Ökonomen wie Jeffrey Sachs und Joseph E. Stiglitz befinden, schürte den Verdacht der Kritiker.

Occupy – kein Ende in Sicht

Die ganze Occupy-Bewegung sei "unsäglich albern". Eine Welt ohne Marktwirtschaft sei eine romantische Vorstellung, es sei nur eine Frage der Zeit, bis diese Protestwelle verebbe. Davon war Joachim Gauck im Herbst 2011 überzeugt. Tatsächlich schwand, wie bei den meisten Medienereignissen, das Interesse der Öffentlichkeit nach ein paar Wochen. Der Winter nahte, nur noch wenige Aktivisten harrten im Zuccoti Park in ihren Zelten aus. Occupy drohte in den Winterschlaf zu verfallen. Doch dann brachte die gewaltsame Räumung des Camps durch die Polizei die Bewegung zurück in die Schlagzeilen. Im März 2012, anlässlich des sechsmonatigen Jubiläums der Parkbesetzung, flammte die Bewegung erneut auf, wurde jedoch alsbald niedergeschlagen. Angesichts der weltweit ansteigenden Jugendarbeitslosigkeit, wird das Thema weiter virulent bleiben. Einer aktuellen Studie der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) zufolge sind global 12,7 Prozent der unter 25-jährigen ohne Erwerbsarbeit. Forscher sprechen bereits von einer "verlorenen Generation", manche gar von einer "Zeitbombe".

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite