Ortsnamen: Von Namen und Menschen
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Ortsnamen: Von Namen und Menschen

Bild: Foto: Christoph Rieder, CC0, via Wikimedia Commons

Die Rückführung des Ortsnamens auf einen Personennamen ist in der Tat ein sehr populäres Erklärungsmodell, vor allem hierzulande. Glaubt man dem Duden Taschenbuch “Geographische Namen in Deutschland“, bedeutet Sigmaringen soviel wie “bei den Leuten des Sigimars“, Arnstadt soviel wie “Stätte des Arn“, während Deggendorf auf einen Personennamen, “Takko“ oder “Daggo“ / “Dago“ zurückgeführt wird. Abgesehen davon, dass im deutschsprachigen Raum historische Persönlichkeiten nur in Ausnahmefällen als Paten fungiert haben (z.B. in Augsburg, Karlsruhe oder Ottobrunn bei München), sind die meisten der auf diese Weise hergeleiteten Personennamen so nicht belegt. Mit anderen Worten: sie sind nichts anderes als Phantasienamen.

Die Rückführung des Ortsnamens auf einen Personennamen ist in der Tat ein sehr populäres Erklärungsmodell, vor allem hierzulande. Glaubt man dem Duden Taschenbuch “Geographische Namen in Deutschland“, bedeutet Sigmaringen soviel wie “bei den Leuten des Sigimars“, Arnstadt soviel wie “Stätte des Arn“, während Deggendorf auf einen Personennamen, “Takko“ oder “Daggo“ / “Dago“ zurückgeführt wird. Abgesehen davon, dass im deutschsprachigen Raum historische Persönlichkeiten nur in Ausnahmefällen als Paten fungiert haben (z.B. in Augsburg, Karlsruhe oder Ottobrunn bei München), sind die meisten der auf diese Weise hergeleiteten Personennamen so nicht belegt. Mit anderen Worten: sie sind nichts anderes als Phantasienamen.

... oder die Stadt?

Der umgekehrte Weg ist hingegen viel häufiger: Sehr viel öfter als gemeinhin angenommen beruhen Personennamen auf Ortsnamen. Die Stadt Leverkusen zum Beispiel ist eine Neugründung aus dem 20. Jahrhundert und verdankt ihren Namen dem Industriellen Karl Leverkus, der am Niederrhein bei Köln eine große Ultramarinfabrik errichtete. Der Namenspatron wiederum verdankte seinen Namen aber dem Stammsitz der Familie, dem Hof Leverkusen (ältere Formen: Leverkusin (1487), Laverinckhusen (1247)). Die meisten Siedlungen sind jedoch sehr viel älter als Leverkusen, haben ihre Namen also schon in sehr viel früherer Zeit bekommen, lange bevor Kelten, Germanen oder Großindustrielle die Gegend unsicher machten. Neuere Forschungen, die die Gesamtheit der europäischen Ortsnamen im Blick haben, zeigen: Weder Arnstadt noch Ohrenbach (früher Aranbach), Mohrenstein (früher Marnstein = “Am Arnstein“) oder Arnach ist benannt nach einem Menschen namens Arno. Auch der Adler (Aar) ist nicht der Namensgeber, sondern vielmehr die Topographie: Arn-Orte liegen stets in ausgeprägter Tallage, und noch heute bedeutet “aran“ im Baskischen “Tal“. Es gibt also mehr als nur einen Hinweis darauf, dass Vaskonisch, der Vorläufer des heutigen Baskischen, durchaus als Vorläufer aller europäischer Sprachen in Betracht kommt.

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