Der Gewinner des Abends steht eigentlich jetzt schon fest. Der Musical-Film "La La Land" gehört zu den klaren Favoriten bei der diesjährigen Oscar-Verleihung. Die Romanze mit Emma Stone und Ryan Gosling als tanzendes und singendes Paar hat so viele Nominierungen eingeheimst wie keine andere Produktion. 14 an der Zahl - so viele Gewinnchancen hatten bislang nur zwei andere Filme: „Alles über Eva" im Jahr 1950 und das Schiffsuntergangsdrama "Titanic" im Jahr 1997.
Trotzdem bleibt die Preisverleihung spannend. Immerhin müssen sich auch die Mitbewerber, die mit "La La Land" um die begehrte Auszeichnung "Bester Film" buhlen, nicht verstecken. Nominiert sind unter anderem hochkarätige Dramen wie "Manchester by the Sea" und der Independent-Streifen "Moonlight" über das schwierige Heranwachsen eines schwarzen, schwulen Sohnes und seiner drogenabhängigen Mutter.
Schwarze Themen und deutsche Hoffnungen
Nicht nur dank "Moonlight" rücken in diesem Jahr schwarze Themen und schwarze Stars ins Rampenlicht. Hatte es bei den letzten beiden Oscar-Verleihungen noch kein Afroamerikaner in die vier Schauspielerkategorien geschafft, sieht es diesmal bunter aus. So treten etwa in der Sparte "Beste Nebendarstellerin" gleich drei schwarze Schauspielerinnen an: Viola Davis für ihre Rolle in "Fences", Naomie Harris für die Darstellung der Junkie-Mutter in "Moonlight" und Octavia Spencer, die in "Hidden Figures" die NASA-Wissenschaftlerin Dorothy Vaughan spielt.
Auch aus deutscher Sicht gestalten sich die Oscars 2017 vielversprechend. Die Vater-Tochter-Geschichte "Toni Erdmann" kann sich Chancen auf die Auslands-Trophäe ausrechnen. Der Düsseldorfer Komponist Volker Bertelmann ist mit seiner Musik für "Lion" im Rennen und Marcel Mettelsiefen mit "Watani: My Homeland" - eine Kurzfilm-Dokumentation, die die Flucht einer Familie von Syrien in ihre neue Heimat Deutschland zeigt.
Amerika ist Trumpf
Mettelsiefen sollte sich jedoch wohl nicht allzu große Hoffnungen machen. Denn exotische Themen wie Geschichten aus dem fernen Deutschland haben es grundsätzlich eher schwer bei der Oscar-Verleihung - zumindest außerhalb der Auslandskategorie. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Niklas Steffens, die sich die Psychologie der Preisverleihung einmal genauer angesehen und ein eindeutiges Muster erkannt haben.
Die Forscher haben für ihre Studie die Nominierten und Preisträger der Oscars seit 1968 analysiert. Dabei zeigte sich: Die besten Gewinnchancen haben Filme, die vom Leben und der Kultur Amerikas handeln - und Schauspieler, die gebürtige US-Amerikaner sind. Immerhin 69 Prozent aller jemals bei der Verleihung ausgezeichneten Darsteller kamen demnach aus den USA.
Herkunft bestimmt Gewinnchancen
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nicht nur von der darstellerischen Leistung abhängt, ob eine Performance als außergewöhnlich wahrgenommen wird. Stattdessen werden Leistungen sehr viel wahrscheinlicher als herausragend bewertet, wenn Darsteller und Jurymitglied der gleichen sozialen Gruppe angehören", sagt Steffens.
Dieses Prinzip greift nicht nur bei der Oscar-Verleihung. Beim britischen Pendant, dem Preis der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA), stellten die Wissenschaftler Ähnliches fest. Gewannen Briten lediglich achtzehn Prozent aller Oscars, heimsten sie 34 Prozent aller BAFTAs ein. Und ihre US-amerikanischen Kollegen, die knapp 70 Prozent der Oscars mit nach Hause nahmen, gewannen nur 52 Prozent der BAFTAs.
Entscheidung schon am Dienstag
Wer die Oscars in diesem Jahr in Empfang nehmen darf, entscheidet sich übrigens schon am Dienstag vor der Preisverleihung. Bis dahin müssen die mehr als 6.600 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ihre Stimmzettel eingereicht haben. Mit der diesjährigen Vergabe ehrt die Akademie bereits zum 89. Mal die besten Leistungen der Produktionen des Vorjahres mit der 35 Zentimeter hohen, vier Kilogramm schweren und mit Gold überzogenen Oscar-Trophäe.



