Paläontologie
Leben & Lifestyle

Paläontologie

Bild: Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Disziplinen der Geowissenschaften unter der Lupe

Paläontologie - klar, das ist die Wissenschaft, die sich mit T-Rex & Co, den Giganten der Urzeit beschäftigt. Das ist natürlich richtig, aber nicht ganz. Denn einige Paläontologen schauen „nur“, was sich denn so unter dem Mikroskop im Gestein verbirgt. Nicht jeder Paläontologe ist also ein „Jack Horner“ und permanent auf der Suche nach ´nem Velociraptor.

Paläontologie ist kein Jurassic Park auf dem Uni-Campus, sondern eine Wissenschaft, die eigentlich nicht so richtig weiß, wo sie hingehört. Das geht natürlich nicht nur der Paläontologie so. Paläontologie, das kommt von den griechischen Wörtern „palaios“ (alt), „ontos“ (wirklich) und „logos“ (Wissenschaft), also die Wissenschaft vom wirklich Alten, ist sowohl Bio- als auch Geowissenschaft. Die Paläontologie erforscht die Entwicklung der Lebewesen, die im Verlauf der Erdgeschichte unseren Planeten bevölkerten.

Aus Fossilien werden die Wechselbeziehungen zwischen Geo- und Biosphäre sozusagen in ihrer historischen Dimension ablesbar. Die Paläontologie beschränkt sich jedoch nicht auf die Erfassung von Fossilien oder das Nachzeichnen historischer Fakten, sondern versucht die kausalen Zusammenhänge zwischen den Entwicklungsprozessen von Organismen und Umwelt in Raum und Zeit verständlich zu machen. Deshalb ist die Paläontologie in ihren Fragestellungen und Ergebnissen zwangsläufig eine Geo- und eine Biowissenschaft zugleich.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Geologie und der Biologie führt ständig zu neuen Fragestellungen. Zu ihrer Beantwortung tragen die verschiedenen Teildisziplinen der Paläontologie, wie die Invertebraten-Paläontologie, die Vertebraten-Paläontologie, die Mikropaläontologie sowie die Paläobotanik, bei.

Eine kurze Geschichte der Paläontologie

Paläontologie als Wissenschaft von Lebewesen früherer Erdperioden ist seit jeher eng mit der Geologie verbunden. Der Begriff „Paläontologie“ wurde im Jahr 1825 von dem französischen Forscher De Blainville in die wissenschaftliche Sprache eingeführt und ersetzte danach allmählich die älteren Bezeichnungen „Oryktologie“ (von griechisch oryktos = ausgegraben) und „Petrefaktenkunde“.

Geologie wird betrieben, seitdem der Mensch Gesteine und Erze für Werkzeuge, Waffen oder zum Bauen nutzt. Im 17. Jahrhundert begann man damit, die in Geländeaufschlüssen oder im Bergbau gewonnenen Erkenntnisse zur Deutung des Erdaufbaus zu verwenden. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Geologie schließlich als selbstständige Wissenschaft. Danach setzte eine Blüte der geologischen Forschung, der systematischen Ordnung der vorzeitlichen Lebewelt und der zeitlichen Einordnung der Ablagerungen in der Erdgeschichte ein.

Die Beschreibung und systematische Einordnung der vorzeitlichen Tier- und Pflanzenwelt ist seither fester Bestandteil geologischer Forschungen und die Grundlagen paläontologischer Untersuchungen sind seitdem die Fossilien.

Die Bedeutung der Paläontologie

Zu den wesentlichen Bestandteilen paläontologischer Arbeit gehören Forschungen zur Entstehung und Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt auf der Erde, die Rekonstruktion von Formen früherer Organismen sowie ihrer Umwelt und die Altersbestimmung von Gesteinsfolgen. Seitdem hat die Paläontologie grundlegende Beiträge zur Dokumentation der Entwicklung der Organismen und der stammesgeschichtlichen Abläufe und somit zur Entwicklung des heutigen Weltbildes geleistet. In zunehmendem Maße trägt die Paläontologie zur Kenntnis früherer Lebewesen, der Entwicklung des Lebens auf der Erde und zur Entwicklung von Ökosystemen bei.

Paläontologie ist jedoch nicht nur ein rein akademisches Fach. Sie ist auch Praxis bezogen. Durch die Deutung und Einengung von Ablagerungsbedingungen und Sedimentationsräumen lassen sich beispielsweise sehr gute Hinweise auf die Existenz von Erdöl- und Erdgaslagerstätten sowie von Erzablagerungen gewinnen.

Wie wird man Paläontologe?

Es gibt keinen reinen Studiengang Paläontologie. Diese Wissenschaft ist in Deutschland immer ein Teilgebiet des Geologiestudiums. Paläontologen haben den akademischen Grad Diplom-Geologe bzw. Diplom-Geologin. Um sich später Paläontologe nennen zu können, muss man sich während des Geologiestudiums spezialisieren und eine Diplomarbeit mit paläontologischem Inhalt verfassen.

Dr. Alexander Stahr/Lesestein.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite