Olympia live im Radio
Zum zweiten Mal in der noch jungen olympischen Geschichte der Neuzeit trafen sich die Sportler der Welt (ca. 3000 Teilnehmer aus 45 Nationen) in Paris. Zum Ende seiner Amtszeit hatte sich IOC-Präsident Pierre de Coubertin für die erneute Vergabe der Spiele an die französische Hauptstadt stark gemacht. Nach den organisatorischen Mängeln der Wettbewerbe von 1900 bemühten sich die Franzosen diesmal ganz besonders um einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Für die gemeinsame Unterbringung der Sportler entstand erstmals nach 1906 wieder ein sog. olympisches Dorf. Rechtzeitig zum Beginn der Spiele war das neue Stadion bei Colombes mit einer 500m-Bahn fertiggestellt worden.
Ein Novum in der olympischen Geschichte: An den Radiogeräten konnten die Hörer Live-Übertragungen von den Wettkämpfen in der Leichtathletik verfolgen. Das neu erbaute Schwimmstadion in Tourelles bot 10.000 Zuschauern Platz. Korkschnüre trennten zum ersten Mal die Bahnen für die Athleten voneinander ab. Technische Probleme hatten den Bau einer Regattastrecke für die Ruderentscheidungen verhindert. Einen gewissermaßen natürlichen Ausweg bot zwar die Seine-Schleife bei Argenteuil: Durch die Kurve sowie ungünstige Strömungsverhältnisse beeinflusste die Startbahnauslosung allerdings erheblich die Medaillenchancen.
Superstar Paavo Nurmi
Trotz Coubertins Bemühungen um eine Wiedereingliederung blieb Deutschland als Aggressor des Ersten Weltkriegs wie schon vier Jahre zuvor von den Spielen ausgeschlossen. Als Star der Spiele feierte das Publikum Paavo Nurmi. Der finnische Läufer gewann fünf Goldmedaillen, zwei davon innerhalb von nur einer Stunde.
Kurios endeten andere Leichtathletikentscheidungen: Gleich dreimal wurde z.B. der Weltrekord über 400m verbessert. Der Schweizer Joseph Imbach setzte im Vorlauf in 48,0sec eine neue Bestmarke, schied aber im Finale verletzt aus. Im Zwischenlauf unterbot der spätere Silbermedaillengewinner Horatio Fitch (USA, 47,8sec) diesen Rekord. Die Goldmedaille sicherte sich schließlich der Brite Eric Liddell in 47,6sec. Da die Läufer im 400m-Wettbewerb aber wegen der langen Bahn nur eine Kurve laufen mussten, blieb seiner Leistung die Anerkennung als offizieller Rekord bis zum Jahr 1936 versagt.
Zum vorerst letzten Mal kämpften in Paris die Tennisspieler um Edelmetall bei Olympischen Spielen. Das IOC zweifelte offenbar am Amateurstatus der Spitzenspieler. Gleich drei Teilnehmer gewannen zwei Goldmedaillen im "weißen Sport": Vincent Richards (USA, Herreneinzel und -doppel), Helen Wills (USA, Dameneinzel und -doppel) und Hazel Wightman (USA, Damendoppel und Mixed).



