Erfindungen und mehr
Erfindungen werden häufig nicht als Patent angemeldet und genutzt. Dabei ist es gerade für das rohstoffarme Deutschland wichtig, zukunftsträchtige Innovationen zu entwickeln und diese auch auf den Markt zu bringen. Fachkräfte, die sich mit dem nationalen und internationalen Patentrecht auskennen, die technische Umsetzbarkeit einer Erfindung beurteilen und zusätzlich die Chancen am Markt bewerten können, werden oft händeringend gesucht. Zu tun gibt es wirklich genug. Immerhin wurden im Jahr 2000 110.000 Patente beim Deutschen Patent-und Markenamt in München angemeldet.
Wer ist nun eigentlich ein Patent-Spezialist? Als solcher darf mit Fug und Recht bezeichnet werden, wer ein Studium des Patentingenieurwesens absolviert hat, das derzeit an der Fachhochschule Amberg-Weiden angeboten wird. Ein anderer Weg führt über ein wissenschaftliches Hochschulstudium in den Bereichen Naturwissenschaft oder Ingenieurwissenschaften samt entsprechender beruflicher Praxis und Weiterbildung im Bereich Patentrecht. Wer eine einjährige praktisch-technische Tätigkeit nachzuweisen hat, kann sich zum Patentanwalt beziehungsweise Patentassessor ausbilden lassen. Zum Patentassessor, gewissermaßen die Vorstufe zum Patentanwalt, werden interessierte Ingenieure und Naturwissenschaftler in der Regel durch eine interne Ausbildung in einer Patentabteilung eines großen Unternehmens. Wer schließlich Patentanwalt werden möchte, muss mindestens zwei Jahre in einer Kanzlei eines Patentanwaltes arbeiten. Darüber hinaus müssen noch zwei Monate beim Patentamt und sechs Monate beim Bundespatentgericht abgeleistet werden.
Kurz & bündig
Patent-Spezialisten begleiten einen Patentfall von der Erfindung bis zum Patentamt. Außerdem zählt es zu ihren Aufgaben, auf Basis des Patentrechtes Patente zu erwerben, vor unerlaubter Nutzung zu schützen, Lizenzverträge auszuarbeiten und die Verletzung fremder Schutzrechte zu vermeiden.
Wo arbeiten Patent-Spezialisten?
Beschäftigungsfelder eröffnen sich für Patent-Spezialisten vor allem in Patent-, Lizenz- und Vertragsabteilungen von Unternehmen, zum Beispiel des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, der Chemie oder der Rohstofferzeugung und -verarbeitung. Daneben können sie unter anderem auch bei Forschungsinstituten, Wirtschaftsunternehmen des Bundes und der Länder, beim Deutschen Patentamt oder Bundespatentgericht tätig werden. Berufliche Einsatzfelder finden sich auch bei Kammern oder in Beratungsunternehmen. Dieser Weg führt häufig in die Selbständigkeit. Mittelständische Unternehmen suchen häufig nach Ingenieuren, die sich auch mit Fragen des Patentrechtes auskennen, auch wenn diese Unternehmen keine eigenständige Patentabteilung unterhalten.
Stellen für Patent-Spezialisten finden Sie in Stellenbörsen häufig auch unter den Suchbegriffen:
- Patentanwalt/Patentanwältin
- Patentassessor/in
- Patentingenieur/in
- Patentprüfer/in
- Patentreferent/in
- Patent Manager/in
- Patent Research Analyst
- Patent Professional
- Patent Attorney
Was genau machen Patent-Spezialisten?
Patent-Spezialisten arbeiten an der Schnittstelle zwischen Tüftlern und Managern. Sie sind das Bindeglied zwischen Unternehmensführung, Entwicklungs- und Marketingabteilungen. Ihre Aufgabe besteht darin, "echte" Innovationen zu erkennen, ihre Marktchancen richtig einzuschätzen und gegebenenfalls schutzrechtliche Maßnahmen in die Wege zu leiten. Um Leute auszubilden, die dieses Aufgabenspektrum souverän beherrschen, wurde der Studiengang Patentingenieurwesen konzipiert: "Dieser Studiengang setzt sich zu etwa 60 Prozent aus ingenieurwissenschaftlichen Inhalten der Elektrotechnik, der Verfahrenstechnik und des Maschinenbaus, zu 10 Prozent aus Inhalten der Betriebswirtschaft sowie zu 30 Prozent aus rechtlichen Themen rund um das Patent zusammen", erklärt Dr. Andrea Klug, die an der Fachhochschule Amberg für gewerblichen Rechtsschutz und Wirtschaftsprivatrecht zuständige Professorin. "Es werden also nationales und internationales Patentrecht, der Rechtsschutz für nichttechnische Leistungen oder angewandter gewerblicher Rechtsschutz behandelt."
Patent-Spezialisten vergleichen eine Erfindung oder ein neuartiges Verfahren mit bereits existierenden Vorrichtungen ähnlicher Art und prüfen dabei, welche neuen Wirkungen und Vorteile aus der Innovation gewonnen werden könnten. Fragen sind dabei beispielsweise: Wiegt der Wettbewerbsvorteil die Entwicklungskosten auf? Wird sich das Produkt oder das Verfahren am Markt durchsetzen können? Bringt es für mein Unternehmen wirtschaftlichen und technischen Nutzen? Lautet die Antwort auf diese Fragen ja, prüfen Patent-Spezialisten, ob die entsprechende Erfindung schon einmal als Patent angemeldet wurde. Dabei sehen sie sich mit einer wahren Datenflut konfrontiert. Die Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes enthält bereits rund vier Millionen Dokumente. In der Datenbank des Derwent World Patents Index (WPI), in der die Patentämter der 40 wichtigsten Industriestaaten vertreten sind, finden sich gar ca. zehn Millionen Dokumente mit Zeichnungen, Grafiken und chemischen Strukturen. "Ohne professionelle Datenbankrecherche kann man im Bereich Patentrecht nicht arbeiten. Daher ist diese ein fester Bestandteil unserer Ausbildung zum Patentingenieur", so Dr. Andrea Klug.
Ist die Erfindung wirklich neu und verspricht dem Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, wird sie zum Patent angemeldet. Um zu wissen, wo und wie ein Schutzrecht angemeldet werden kann, gilt es, im Dschungel des deutschen sowie des internationalen Patentrechtes nicht die Orientierung zu verlieren. Zu klären ist beispielsweise, ob ein Arbeitgeber die Erfindung eines Arbeitnehmers für sich in Anspruch nehmen kann oder ob sie dem Erfinder zu seiner eigenen Verwendung und Verwertung freigegeben werden muss. Zu den Aufgaben der Patent-Spezialisten gehört auch, Produkte und Schutzrechtsanmeldungen der Konkurrenz zu überwachen, um die Unternehmensleitung bei neuen Entwicklungsvorhaben im Hinblick auf bereits bestehende fremde Schutzrechte zu beraten. Werden eigene Schutzrechte verletzt, handeln Patent-Spezialisten meist eine Benutzung gegen Entgelt aus, die in von ihnen ausgearbeiteten Lizenzverträgen geregelt wird. Dazu müssen sie wissen, wie man wirksam Einspruch oder Widerspruch gegen ein fremdes erteiltes Schutzrecht einlegen kann.
Jeder, der in das Patentwesen einsteigen will, benötigt eine rasche analytische Auffassungsgabe und ein Gefühl für Rechtsfragen und rechtliche Formulierungen. Der souveräne Umgang mit allen Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes reicht allerdings nicht aus: Patent Professionals müssen auch Fachleute auf dem Gebiet der ihnen anvertrauten Patente sein. Um ein Patent anzumelden, muss eine technisch einwandfreie Beschreibung des Produktes oder des Verfahrens formuliert werden, die klar von anderen Fachleuten nachvollziehbar ist. "Zu beachten ist dabei, dass die Sprache der internationalen Technik und so auch des Patentrechtes Englisch ist, weswegen wir unsere Studenten auch darin schulen, Patente in Englisch lesen und möglichst auch formulieren zu können", erläutert Dr. Andrea Klug.
Bei der Beschreibung ist Präzision gefragt. Es kann nur geschützt werden, was eindeutig als neuartig identifizierbar ist. Häufig ist eine exakte technische Illustration, die die wesentlichen Zusammenhänge mit wenigen Blicken erkennen lässt, die sinnvollste Darstellungsweise. Eine Grundausbildung als Ingenieur oder Naturwissenschaftler sowie ein breites technisches Verständnis sind daher unabdingbar. Um ihren kaufmännischen Aufgaben gerecht zu werden, müssen sich angehende Patent-Spezialisten auch betriebswirtschaftliche Inhalte, wie etwa Marketing und Controlling aneignen. Nur so sind sie in der Lage zu erkennen, ob eine Erfindung tatsächlich mit Profit vermarktet werden kann.
Wer ist geeignet?
Für diesen Job eignen sich vor allem:
- Patentanwälte/-anwältinnen und -assessoren/-assessorinnen
- Absolventen des Studienganges Patentingenieurswesen
Mit entsprechender Weiterbildung auch:
- Absolventen eines naturwissenschaftlichen oder technischen Studienganges
- Juristen und Juristinnen
Wo und wie studieren?
Momentan bietet einzig und allein die Fachhochschule Amberg-Weiden den achtsemestrigen Studiengang Patentingenieurwesen an, der nur im Wintersemester begonnen werden kann. "Wir haben uns bereits im Vorfeld bei Vertretern von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden erkundigt, ob ein Bedarf an Fachleuten besteht, die in der Lage sind, die Klammer zwischen Ingenieurwissenschaft, Patentrecht und Fragen der Betriebswirtschaft zu bilden. Aufgrund der rundweg positiven Resonanz haben wir dann den Studiengang Patentingenieurwesen eingerichtet", erklärt Studienberater Dr. Wolfgang Weber von der FH Amberg-Weiden. "Unsere Absolventen haben den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer fundierten ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung auch in kleineren Betrieben unterkommen, die Patentfragen oft nur nebenbei betreiben." Und Professorin Andrea Klug ergänzt: "Wer sich für diese Ausbildung entscheidet, braucht sich erst einmal keine Sorgen zu machen, eine Anstellung zu finden."
Neben der direkten Qualifikation zum Patentingenieur ist auch denkbar, einen anderen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengang, Jura oder Betriebswirtschaftslehre zu wählen und sich danach gezielt weiterzubilden. An welchen Hochschulen diese Studiengänge angeboten werden, erfährt man im Internet über die Suchmaschinen des Online-Dienstes Studien- und Berufswahl.
Wo und wie weiterbilden?
Ingenieure und Naturwissenschaftler, die als Patent-Spezialisten arbeiten möchten, sollten neben der betrieblichen Ausbildung, die bundesweit zahlreich vorhandenen Weiterbildungsangebote nutzen, um sich das nötige Know-how anzueignen. Beim “Forum Institut“ in Heidelberg gibt es beispielsweise gerade für Einsteiger eine ganze Reihe interessanter Seminare, darunter eine "Einführung in das Patentwesen". Aber auch Fachkundige finden im weitreichenden Angebot des Instituts immer wieder Neues. Die “Wissensforum GmbH des Vereins deutscher Ingenieure“ vermittelt ebenso wie die “Technische Akademie Wuppertal“ nötiges Wissen rund ums Patentrecht.
Die Technische Fachhochschule Berlin hat einen Fernstudiengang "Patentrecht für Ingenieure und Naturwissenschaftler" im Angebot, um dieser Zielgruppe das nötige juristische Fachwissen zu vermitteln. Wer die Zulassung als Patentanwalt bereits beantragt hat, ist berechtigt am Fernstudiengang "Recht für Patentanwältinnen und Patentanwälte" der Fern-Universität Hagen teilzunehmen.
Kontakt
Deutscher Verband der Patentingenieure und Patentassessoren e.V. (VPP)
Uhlandstraße 1
D - 47239 Duisburg
Tel.: 02151/940236
Fax: 02151/940237
E-Mail: vpp@vpp-patent.de
http://www.vpp-patent.de/
Fachhochschule Amberg-Weiden
Kaiser-Wilhelm-Ring 23
D - 92224 Amberg
Tel.: 09621/482-0
Fax: 09621/482-110
E-Mail: Amberg@fh-amberg-weiden.de
http://www.fh-amberg-weiden.de



