Keine Frage, meine Freunde treffe ich lieber persönlich. Doch nach der Uni hat sich in den letzten Jahren der Freundeskreis über die ganze Welt verstreut. Mal eben für einen Kaffee von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg zu fahren, ist nun einmal nicht möglich. Geschweige denn, auf einen Plausch nach Kanada zu fliegen. Die internationale Bekanntheit von Facebook ist hier ein echter Vorteil. Fast überall sind immer mehr User pro Facebook eingestellt.
Wer schreibt privat noch E-Mails?
Auch kenne ich den Vorschlag: "Dann schreib doch eine E-Mail." Ich habe allerdings keine Lust, auch privat noch Outlook oder ein anderes E-Mail-Programm zu nutzen, in dem ich alle aktuellen E-Mail-Adressen zu pflegen und zu verwalten habe. Ich bin zugegebenermaßen ziemlich faul und ich will, dass die Dinge einfach funktionieren: Ich öffne Facebook und schreibe den Leuten, die ich kontaktieren will, eine Nachricht. Oder ich chatte. Und ich muss nicht nachhalten, ob ich noch die aktuelle E-Mail-Adresse habe. Das ist für mich ein eindeutiges Pro Facebook-Argument. Ob man dafür in Kauf nimmt, dass die eigenen Daten bei Facebook sind, muss jeder selbst entscheiden. Wer eine googlemail-Adresse hat, kann sich die Frage stellen, ob man Google seine Daten anvertrauen will.
Was Michael Fischer gegen Facebook hat
Und die Datenschutzkritik?
Konzern-Bashing gehört in Deutschland schon fast zum guten Ton: Das böse Google, das jetzt alle unsere Häuser fotografiert, dann das böse Facebook, das meine Daten weitergibt. Ich möchte nicht spöttisch werden, dafür ist das Thema viel zu wichtig. Denn natürlich ist die Datenschutzkritik berechtigt. Ich halte es auch für sehr wichtig, die Diskussionen um den Datenschutz im Netz – nicht nur bei Facebook – zu führen. Und zwar möglichst breit. Denn nur das führt dazu, dass User lernen, mit ihren Daten gescheit umzugehen. Mal ganz optimistisch gedacht: Vielleicht führt das auch an den Schulen dazu, dass das Fach Medienkompetenz eingeführt wird, um von Kindesbeinen an die Chancen und die Risiken im Netz kennenzulernen und den Umgang mit diesen zu lernen. Natürlich soll hier nicht Partei ergriffen werden für oder gegen die Nutzung sozialer Netzwerke, sondern lediglich erklärt und aufgeklärt werden. Die Entscheidung Pro Facebook oder Contra muss jeder User selbst fällen.
Daten gegen kostenloses Soziales Netzwerk?
Facebook bietet alle Funktionen kostenlos an: vom eigenen Profil über die Einrichtung von Gruppen bis hin zu kostenlosen Seiten für Unternehmen, die man "liken" kann. Facebook bietet das sicherlich nicht an, weil es "einfach nur so" die Kommunikation erleichtern möchte. Dies zu glauben wäre selbst für jemanden mit einer eindeutigen Pro Facebook-Einstellung zu naiv. Facebook ist nun einmal ein Konzern, der daran interessiert ist, Geld zu verdienen. Und womit kann ein Internetkonzern dies am besten tun, wenn er für seine Dienste kein Geld verlangt? Mit Daten. Das ist erst einmal eine sachliche Feststellung. Es ist wie bei jedem Geschäft: Der Konsument kann bestimmen, ob er die Bedingungen des Unternehmens akzeptiert oder nicht. Wer die Arbeitsbedingungen bei Discountern kritisiert, sollte auch nicht dort einkaufen.
Was Michael Fischer gegen Facebook hat
Big Brother Internet
Bei jeglicher Kommunikation im mobilen und stationären Netz muss jeder für sich abwägen, was für ihn wichtig ist: die unkomplizierte Kommunikation mit Freunden in einem – wenn man es richtig macht – geschützten Bereich, oder der totale Schutz seiner Daten. Wer seine Daten schützen möchte, sollte sich am besten im Internet so wenig wie möglich bewegen. Nichts online bestellen, denn das Verhalten wird für Empfehlungen gespeichert, keine Bewertungen abgeben, wenn die E-Mail-Adresse abgefragt wird, kein Smartphone für das mobile Internet nutzen, denn möglicherweise werden die Bewegungen des Nutzers per GPS mitgelesen…
Um die Hysterie nicht weiter zu schüren: Ich mache jetzt Feierabend und checke unterwegs via App Facebook. Mal sehen, was es Neues gibt.
Was Michael Fischer gegen Facebook hat



