Ratschläge von der KI: Wer nutzt die digitalen Helfer wie?
Digital

Ratschläge von der KI: Wer nutzt die digitalen Helfer wie?

Bild: Foto: CulmSee-Axel-acad.2161, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

„ChatGPT, schreib mir einen Artikel über Künstliche Intelligenz als Ratgeber“, so einfach könnte mein Beruf als Wissenschaftsjournalistin sein - theoretisch. Es erscheint praktisch, die jederzeit verfügbare KI als Ratgeber für berufliche Aufgaben herzuziehen, genauso wie für Alltagsthemen wie Rezeptideen oder sogar persönliche Konflikte. Und der Trend in Deutschland zeigt: Viele Menschen nutzen Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Co schon für genau diese Dinge, 40 Prozent der Deutschen sogar mindestens einmal pro Woche, was eine neue Befragung von Jabra und YouGov zeigt.

„ChatGPT, schreib mir einen Artikel über Künstliche Intelligenz als Ratgeber“, so einfach könnte mein Beruf als Wissenschaftsjournalistin sein - theoretisch. Es erscheint praktisch, die jederzeit verfügbare KI als Ratgeber für berufliche Aufgaben herzuziehen, genauso wie für Alltagsthemen wie Rezeptideen oder sogar persönliche Konflikte. Und der Trend in Deutschland zeigt: Viele Menschen nutzen Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Co schon für genau diese Dinge, 40 Prozent der Deutschen sogar mindestens einmal pro Woche, was eine neue Befragung von Jabra und YouGov zeigt.

Doch die wachsende KI-Nutzung gilt nicht für jeden gleich. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern und Einkommensklassen. Die entscheidende Frage lautet also: Für welche Gruppen ist KI schon eine echte Ratgeberin – und wer hat noch keinen Zugang dazu?

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Unterschied im Umgang mit KI-Ratschlägen: Männer nutzen KI sowohl privat als auch beruflich deutlich häufiger als Frauen. Sie greifen auch bei sensiblen, persönlichen Themen auf die digitalen Helfer zurück – rund 20 Prozent der Männer tun dies privat, bei Frauen sind es nur etwa 14 Prozent.

Auch als zweite Meinung wird die KI von Männern stärker genutzt als von Frauen: Fast 40 Prozent holen sich auf diese Weise regelmäßig Unterstützung, während Nutzerinnen der Chatbots insgesamt zurückhaltender bleiben. Im Berufsalltag setzt sich dieser Trend fort: Etwa 14 Prozent der Männer greifen täglich auf KI zurück, bei Frauen sind es nur rund sechs Prozent.

Wer mehr verdient, nutzt KI-Rat häufiger

Auch beim Einkommen zeigen sich deutliche Unterschiede. Menschen mit höherem Einkommen nutzen KI deutlich häufiger als Geringverdienende, sowohl privat als auch im Beruf. Für niedrigere Einkommensgruppen steht vor allem schnelle Hilfe und unmittelbare Entlastung im Vordergrund. Besserverdienende sehen KI zunehmend als „Sparringspartner“. Sie nutzen sie, um eigene Positionen zu prüfen, Perspektiven zu erweitern und sich eine zweite Meinung einzuholen.

Außerdem interessant: Jüngere Menschen greifen deutlich häufiger auf digitale Ratgeber zurück als ältere. Besonders die Gen Z und Millennials nutzen KI sowohl privat als auch beruflich regelmäßig, während Generation X und Babyboomer deutlich zurückhaltender ist. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die KI besonders jungen, privilegierten Männern hilft, während einkommensschwache, ältere Frauen auf der Strecke bleiben. Trotz dieser Unterschiede teilen alle Gruppen ähnliche Beweggründe: Wer auf KI setzt, möchte vor allem klare, schnelle und unvoreingenommene Antworten erhalten – ganz gleich, ob es um den Alltag oder den Job geht.

Finger weg von sensiblen Themen

Doch ist es wirklich sinnvoll, KI als Ratgeber bei sensiblen Konflikten im Freundeskreis oder für die Beziehung zu nutzen? Eine aktuelle Studie von Myra Cheng von der Stanford University in den USA deutet darauf hin, dass dies eher problematisch sein könnte. Demnach sind ChatGPT und Co keine unvoreingenommenen Ratgeber oder Streitschlichter. Denn die KI-Systeme neigen dazu, ihren Nutzern zu schmeicheln. Sie bestätigen daher die Ansichten und die Handlungen der Person, die sie gerade fragt, um 50 Prozent häufiger als ein menschliches Gegenüber. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Nutzeranfragen Manipulation oder Täuschung enthalten.

Im Experiment führte die Nutzung der KI dadurch dazu, dass die Testpersonen weniger bereit waren, aktiv an einer Lösung von Konflikten zu arbeiten. Gleichzeitig waren sie stärker davon überzeugt, im Recht zu sein – unabhängig davon, ob sie es objektiv betrachtet waren. Hinter der schmeichelnden Haltung der meisten Chatbots steckt vielleicht ein ökonomischer Anreiz: Nutzer bewerten schmeichelhafte Antworten als qualitativ hochwertiger, schenken dem KI-Modell mehr Vertrauen und sind eher bereit, es erneut zu verwenden.

Experten warnen daher davor, Chatbots als Lebensratgeber zu nutzen: „Unsere größte Sorge besteht darin, dass dies die Wahrnehmung der Menschen von sich selbst, ihren Beziehungen und der Welt um sie herum verzerren kann“, sagt Cheng. Manchmal ist der beste Rat eben immer noch menschlich.

Mehr aus Digital

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Digital.

Alle Digital-Artikel
Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile
Digital

Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile

31. Oktober 2026

KI-Agenten übernehmen Aufgaben in mehreren selbstgesteuerten Schritten – vom Planen über Werkzeugeinsatz bis zum Überprüfen des Ergebnisses. Der Beitrag ordnet ein, woraus ein Agent besteht, wie er sich von Chatbots und…

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?
Digital

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?

20. Oktober 2026

Eine WordPress-Agentur entwickelt individuelle Webseiten und sorgt nach dem Launch für zuverlässigen Betrieb, Updates, Sicherheit und SEO. Dieser Beitrag ordnet Leistungen, Preise und Qualitätsmerkmale ein.

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft
Digital

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft

20. Oktober 2026

Sprachbasierte Algorithmen übernehmen zunehmend die ersten Sekunden eines Telefonats, erfassen Anliegen in natürlicher Sprache und leiten sie an die richtige Fachabteilung weiter. Was das für Betriebe und Kundinnen…

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie
Digital

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie

16. Oktober 2026

Eine Reanalyse von 74 Studien durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zeigt: Feedback und Erklärungen verwandeln negative Synergieeffekte in positive Mensch-KI-Teamleistung.

← Zurück zu DigitalZur Startseite