Reifezeugnis
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Reifezeugnis

Bild: Foto: Sönke Biehl, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Letzten Sonnabend war es wieder einmal soweit: Die diesjährigen erfolgreichen Abiturienten "meines" Gymnasiums erhielten aus der Hand der Rektorin ihr Zeugnis. Ebenfalls auf der Aulabühne stand die Jahresbetreuungslehrerin, die ebenfalls liebe Worte für die nun ins "Leben" zu Entlassenden fand. Von zwei Fünftklässlern erhielten die nun Fasterwachsenen als Anerkennung eine Rose überreicht und stellten sich anschließend zum Abschlussfoto auf der Bühne auf. Viele waren festlich gekleidet, es gab tolle Outfits zu bewundern. Eltern und Freunde waren als lautstarke Fans dabei, die Aula proppevoll und auch einige ehemalige LehrerInnen waren dabei. Und dann das: Einer der Abiturienten, die alle namentlich aufgerufen wurden, bequemte sich in abgewetzten Jeans und T-Shirt auf die Bühne, riss der Rektorin das Zeugnis aus der Hand, ging an Jahresbetreuungslehrerin und Fünftklässlern vorbei und stellte sich irgendwo hinten auf die Bühne. Schräg vor mir saßen seine Angehörigen (dies entnahm ich dem Drang, ihn zu fotografieren). Ich weiß nicht, was in ihnen vorging, ich fand die Situation peinlich. Zu meiner Zeit hieß Abitur auch "Reifezeugnis". Damit hatte man nicht nur für Mathe, Deutsch und Physik gelernt, nein, man hatte auch einiges "für´s Leben" gelernt. Schließlich studierte nicht jeder, manch einer bewarb sich mit diesem Zeugnis auch auf eine Ausbildungsstelle. Nach diesem Sonnabend verstehe ich immer besser, warum nicht nur nicht jeder einen Ausbildungsplatz findet, sondern auch nicht jeder Betrieb entsprechende Auszubildende findet. Benehmen ist heutzutage scheinbar nicht mehr gefragt. Von "Reife" kann heute beim Abitur wohl nicht die Rede sein, aber ist ein wenig Anstand wirklich auch heutzutage zuviel verlangt? Sicher, wir haben auch unsere Streiche gespielt, aber es gab doch Respekt. Ist das alles schon vorbei? Leben wir nicht alle besser, ruhiger und unaufgeregter, wenn wir einander achten?

Letzten Sonnabend war es wieder einmal soweit: Die diesjährigen erfolgreichen Abiturienten "meines" Gymnasiums erhielten aus der Hand der Rektorin ihr Zeugnis. Ebenfalls auf der Aulabühne stand die Jahresbetreuungslehrerin, die ebenfalls liebe Worte für die nun ins "Leben" zu Entlassenden fand. Von zwei Fünftklässlern erhielten die nun Fasterwachsenen als Anerkennung eine Rose überreicht und stellten sich anschließend zum Abschlussfoto auf der Bühne auf. Viele waren festlich gekleidet, es gab tolle Outfits zu bewundern. Eltern und Freunde waren als lautstarke Fans dabei, die Aula proppevoll und auch einige ehemalige LehrerInnen waren dabei.
Und dann das: Einer der Abiturienten, die alle namentlich aufgerufen wurden, bequemte sich in abgewetzten Jeans und T-Shirt auf die Bühne, riss der Rektorin das Zeugnis aus der Hand, ging an Jahresbetreuungslehrerin und Fünftklässlern vorbei und stellte sich irgendwo hinten auf die Bühne. Schräg vor mir saßen seine Angehörigen (dies entnahm ich dem Drang, ihn zu fotografieren). Ich weiß nicht, was in ihnen vorging, ich fand die Situation peinlich.
Zu meiner Zeit hieß Abitur auch "Reifezeugnis". Damit hatte man nicht nur für Mathe, Deutsch und Physik gelernt, nein, man hatte auch einiges "für´s Leben" gelernt. Schließlich studierte nicht jeder, manch einer bewarb sich mit diesem Zeugnis auch auf eine Ausbildungsstelle.
Nach diesem Sonnabend verstehe ich immer besser, warum nicht nur nicht jeder einen Ausbildungsplatz findet, sondern auch nicht jeder Betrieb entsprechende Auszubildende findet. Benehmen ist heutzutage scheinbar nicht mehr gefragt. Von "Reife" kann heute beim Abitur wohl nicht die Rede sein, aber ist ein wenig Anstand wirklich auch heutzutage zuviel verlangt? Sicher, wir haben auch unsere Streiche gespielt, aber es gab doch Respekt. Ist das alles schon vorbei? Leben wir nicht alle besser, ruhiger und unaufgeregter, wenn wir einander achten?

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