Rembrandt - Kurzbiografie
Rembrandt Harmenszoon van Rijn, *15.7.1606 Leiden, †4.10.1669 Amsterdam, niederländischer Maler, Zeichner und Radierer. Rembrandt war der wichtigste und vielseitigste Repräsentant der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts
Rembrandts Kindheit und Jugend
Rembrandt Harmenszoon van Rijn wurde am 15. Juli 1606 in der niederländischen Universitätsstadt Leiden geboren. Sein Vater Harmen Gerritszoon war Mitbesitzer einer einträglichen Mühle am alten Rhein (niederl. Rijn). Die geografische Bezeichnung "van Rijn", die Rembrandts Vater dem Familiennamen hinzugefügt hatte, wurde zum offiziellen Familiennamen. Die Eltern waren Calvinisten, eine neue Glaubensgemeinschaft des aufstrebenden Bürgertums. Der nördliche, protestantische Teil der Niederlande, in dem Leiden lag, führte unter ihren Statthaltern, einen langen, von 1568 bis 1648 dauernden Krieg um die Befreiung von der spanischen Herrschaft. Die Klammer, die diesen neuen bürgerlichen Staat zusammenhielt, war der Calvinismus. So schickten Rembrandts Eltern ihren siebenjährigen Sohn 1613 auf die Leidener Lateinschule, in der vor allem Religion im Sinne Calvins unterrichtet wurde. Mit 14 Jahren beendete Rembrandt die Lateinschule und immatrikulierte sich an der Philosophischen Fakultät der renommierten, ebenfalls streng calvinistisch ausgerichteten Universität seiner Heimatstadt Leiden. Die an der Universität geförderte Bildung einer eigenständigen niederländischen Kultur beeinflusste Rembrandt später auch als Künstler. Er entwickelte einen eigenen, vom herrschenden Ideal der italienischen Malerei abweichenden Stil.
Rembrandts Lehrjahre
Da sich Rembrandt immer stärker zur Kunst hingezogen fühlte, brach er das Studium im Jahr 1622 vorzeitig ab und begann eine Lehre bei dem Leidener Maler Jacob Issaczoon van Swanenburgh. Dieser fertigte vor allem Stadtansichten nach italienischem Vorbild und Darstellungen nächtlicher Höllenszenen, die von einem starken Hell-Dunkel-Kontrast lebten. Wahrscheinlich lernte Rembrandt hier diese für sein späteres Werk so bedeutsame Technik. Noch wichtiger aber war für seine künstlerische Entwicklung sein zweiter Lehrer, der Amsterdamer Maler Pieter Lastman. Bei diesem war er wahrscheinlich im Jahr 1624 für ein halbes Jahr tätig. Lastman betrieb vor allem die so genannte "Historienmalerei", zu der auch die Darstellung biblischer und mythologischer Szenen zu rechnen sind. Diesem Genre widmete er sich später in einem Großteil seiner Werke.
Das Leidener Frühwerk
Der 18-jährige Rembrandt machte sich nach seiner Rückkehr nach Leiden als Maler selbstständig. Die Jahre 1625 - 1632 verbrachte er in einer engen persönlichen und künstlerischen Arbeitsgemeinschaft mit dem Maler und Zeichner Jan Lievens. Er war wie Rembrandt ein Schüler Lastmans gewesen und galt schon in früher Jugend als außergewöhnliches Talent. Beider Ziel war es, ihren Lehrer an szenischer Ausdruckskraft zu übertreffen. Dabei suchten Rembrandt wie auch Lievens bald nach eigenen künstlerischen Wegen. Rembrandts frühestes überliefertes Gemälde "Die Steinigung des Stephanus" aus dem Jahr 1625 (Lyon, Musée des Beaux-Arts) entstand noch weitgehend unter dem Einfluss Lastmans. Durch die Herausarbeitung eines starken Hell-Dunkel-Effektes erreichte er, dass die Hauptfiguren wie beleuchtet erscheinen und die Nebenfiguren im Schatten stehen. Auch bei der Darstellung einzelner Personen, wie der des "Paulus im Gefängnis" (Stuttgart, Staatsgalerie) aus dem Jahr 1627, setzte er diesen Effekt ein. Hier lässt er die Gestalt des Apostels durch einen in den finsteren Kerker einfallenden Lichtstreifen regelrecht erstrahlen. Unterstützung in ihrem Streben nach künstlerischer Eigenständigkeit erfuhren Rembrandt und Lievens durch den hoch gebildeten Constantijn Huygens. Er war Sekretär des Statthalters und hielt sich 1628 einige Zeit in Leiden auf. Er hielt eine Reise nach Italien für die weitere künstlerische Entwicklung der jungen Maler für wichtig. Beide zogen es jedoch vor, in den Niederlanden zu bleiben und statt italienische Meister zu kopieren, physiognomische Studien zu treiben. In der Folgezeit zeichnete und radierte Rembrandt eine ganze Serie von mimischen Studien. Diese unternahm er an seinen Mitbürgern oder vor dem Spiegel auch an sich selbst. Mit zunehmendem Können und steigender Anerkennung beschäftigte Rembrandt eine Anzahl von Schüler und Kopisten. Um das Jahr 1630 zog es ihn immer stärker in die größte und reichste Stadt der Niederlande, nach Amsterdam.
Die ersten Jahre in Amsterdam
Im Jahr 1631 hatte Rembrandt in Amsterdam den einflussreichen Kunsthändler Hendrik van Uylenburgh kennen gelernt. Dieser verfügte über einen kaufkräftigen Kundenstamm und war immer auf der Suche nach neuen Künstlern. Rembrandt wurde Uylenburghs Teilhaber und investierte die bedeutende Summe von 1000 Gulden in dessen Geschäft. In seiner Amsterdamer Zeit entwickelte sich Rembrandts Stil allmählich weg vom Naturalismus und seiner strengen Hell-Dunkel-Betonung. Er gelangte zu einem größeren formalen Reichtum und einem harmonischeren Ausdruck. Auch in Amsterdam blieb Rembrandt vor allem der Historienmalerei verhaftet. Die meisten seiner Kollegen spezialisierten sich auf das Porträtieren von Kunden, die auf ihren Wohlstand und ihre Unabhängigkeit stolz waren. Auch Rembrandts 1632 entstandene erste große Amsterdamer Auftragsarbeit war ein Gruppenporträt. In der "Anatomie des Dr. Tulp" (Den Haag, Mauritshuis) stellte er eine bei den Amsterdamern beliebte Vorlesung des Anatomen und Chirurgen Nicolaes Tulp dar. Diese öffentlichen Veranstaltungen dienten nicht nur der wissenschaftlichen Neugier, sondern sollten moralisierend auf die Zuschauer wirken.
Die Ehe mit Saskia
Am 2. Juli 1634 heiratete Rembrandt in Amsterdam die 20-jährige Patriziertochter Saskia van Uylenburgh, eine Cousine seines Kunsthändlers. Im Laufe ihrer Ehe entstanden zahlreiche Porträts Saskias, darunter mehrere in Gestalt der Göttin Flora. In dem wahrscheinlich in den Jahren 1636 bis 1638 entstandenen, mehrfach übermalten Bild "Der verlorene Sohn im Bordell" (Dresden, Gemäldegalerie) stellte er sich selber als verlorenen Sohn dar, der Frau auf seinem Schoß verlieh er die Züge Saskias. In einem seiner Bilder zeichnete er seine bereits sterbenskranke Frau im Bett liegend, mit einem kleinen Kind. Es war der 1641 geborene Sohn Titus, das vierte und einzige Kind, das seine Mutter überlebte.
Die frühe Amsterdamer Schaffensperiode
In der frühen Amsterdamer Zeit, in die auch die Ehe mit Saskia fiel, dominieren in Rembrandts Werken, noch religiöse und barocke Merkmale. Einer seiner großen Auftraggeber in dieser Schaffensperiode war der Statthalter der Niederlande, Prinz Frederik Hendrick. Schon 1632 hatte er Rembrandt mit einem Porträt seiner Gemahlin Amalia zu Solms beauftragt. Für die umfangreiche Gemäldesammlung, die der Statthalter in Schloss Honselaarsdijk anlegte, erwarb er noch mehrere andere Gemälde Rembrandts. Im Jahr 1633 bestellte Prinz Frederik Hendrick bei Rembrandt einen aus fünf großen Gemälden bestehenden Passionszyklus (München, Alte Pinakothek). Als Erstes entstanden "Die Kreuzaufrichtung" und "Die Kreuzabnahme". Hier konzentrierte sich Rembrandt vor allem auf die Darstellung des Schmerzes der Figuren. Die zusammengesunkene Gestalt der Maria und die Verzweiflung in den Gesichtern der anderen Getreuen sollten den Betrachter zum Mitleiden bewegen. Die restlichen drei Bilder "Die Himmelfahrt", "Die Auferstehung" und "Die Grablegung" lieferte Rembrandt erst nach langem Drängen des Hofes. Da es sein Perfektionismus nicht zuließ, ein Bild für fertig zu erklären fand er immer wieder Gründe für Korrekturen. Diesmal gebot es aber seine bedrängte finanzielle Lage die beiden letzten Bilder 1639 endlich abzugeben. Zu dieser Zeit erhielt Rembrandt auch den Auftrag für das Gruppenporträt "Die Kompanie des Frans Banningh Cocq". Hierbei handelte es sich um die Kompanie der Schützengilde, einer Amsterdamer Bürgerwehr. Weil das Gemälde im Laufe der Zeit stark nachdunkelte, wurde dieses wahrscheinlich bekannteste Bild Rembrandts fälschlicherweise lange als "Die Nachtwache" bezeichnet.
Die mittlere Amsterdamer Schaffensperiode
Im Laufe ihrer Ehe verloren Rembrandt und Saskia drei ihrer vier Kinder durch Tod. In diesen wenigen Jahren starben Rembrandts Mutter, zwei Schwestern Saskias und ihr Schwager. Diese ständige Konfrontation mit dem Tod naher Angehöriger verarbeitete Rembrandt 1639 in der Radierung "Das Ehepaar und der Tod" (London, British Museum). Als am 14. Juni 1642 auch Saskia starb, verfiel Rembrandt in eine tiefe Krise. In der folgenden Zeit veränderte sich sein Malstil. Er wandte sich endgültig ab von den künstlerischen Konventionen des niederländischen Barocks. Bis zum Jahr 1655 ist sein Werk gekennzeichnet von einer starken Insichgekehrtheit. Auch verzichtete er, wie in der Radierung "Die drei Kreuze" (1653, Kupferstichkabinett, Berlin-Dahlem), immer mehr auf alles erzählerische Beiwerk.
Geerthge und Hendrickje
Nach dem Tod Saskias im Jahr 1642 hatte Rembrandt als Kindermädchen für den einjährigen Sohn Titus Geertghe Dirxc ins Haus geholt. Bald wurde sie seine Geliebte und bekam von Rembrandt Saskias Schmuck geschenkt. Sie fühlte sich dem Sohn Titus so verbunden, dass sie ein Testament zu seinen Gunsten aufsetzte. Nachdem im Jahr 1649 die junge Hendrickje Stoffels ins Haus gekommen, war, kam es zu Streitigkeiten zwischen Rembrandt und Geerthghe. Sie musste ausziehen, versetzte in ihrer Not bald Teile des geschenkten Schmucks und verklagte Rembrandt schließlich wegen eines gebrochenen Heiratsversprechens. Dieser versuchte sich damit zu verteidigen, dass er als "berühmter Maler" unmöglich eine Amme aus niedrigem Stand heiraten könne. Schließlich ließ er ihr eine monatliche Rente zukommen, unter der Bedingung, nichts von Saskias Schmuck zu verkaufen. Als Geerthge doch einen Ring Saskias verpfändete, musste sie für dreizehn Jahre nach Gouda ins Zuchthaus. Die 160 Gulden für ihren Transport legte Rembrandt selber aus. Als er im Jahr 1656 selbst in große finanzielle Schwierigkeiten geriet, forderte er diese Summe zurück. Als Geerthges Bruder die 160 Gulden nicht aufbringen konnte, ließ Rembrandt ihn in den Schuldturm werfen. Seine neue Geliebte Hendrickje wollte Rembrandt auch nicht heiraten. So wurde Hendrickje, als sie 1654 die gemeinsame Tochter Cornelia erwartete, von dem strengen calvinistischen Kirchenrat der Hurerei angeklagt und bestraft, lebte aber weiter mit Rembrandt zusammen.
Der Konkurs
Zur gleichen Zeit hatte Rembrandt enorme Schulden, die seit dem Kauf seines Hauses auf ihm lasteten. Auch sein überzogener Lebensstil hatte dazu beigetragen, dass er trotz der guten Einnahmen aus dem Verkauf seiner Bilder nicht einmal die Zinsen begleichen konnte. Als er versuchte, das Haus zu retten, indem er es auf seinen Sohn Titus übertrug, brachten die Gläubiger ihn vor Gericht. Rembrandt bat daraufhin um einen ehrenhaften Konkurs und entging so dem Schuldgefängnis. Er war nun endgültig gezwungen, sein Haus zu verkaufen. In dem mit kostbaren Möbeln und Kunstgegenständen ausgestatteten Gebäude befanden sich auch sein Atelier und die Arbeitsräume seiner Schüler. Zur Konkursmasse gehörte auch Rembrandts "Enzyklopädische Sammlung", die sich neben zeitgenössischen Holzschnitten und Kupferstichen auch aus einer Reihe antiker Skulpturen sowie aus Waffen, Kunstgegenständen, ausgestopften Tieren und anderen Kuriosa aus exotischen Ländern zusammensetzte. Der Erlös der Zwangsversteigerung von Haus und Sammlung reichte jedoch nicht aus, um die Gläubiger zufrieden zu stellen. Die Folge waren eine Unzahl von weiteren Prozessen. Dem Vormund von Titus gelang es zumindest, dessen mütterliches Erbe aus der Konkursmasse zu retten. Weil Rembrandt selbst nach seinem Bankrott geschäftsunfähig war, gründeten Titus und Hendrickje im Jahr 1660 eine Kunsthandlung. Hier stellten sie ihn gegen freie Kost und Logis unter der Bedingung ein, seine Schulden allmählich zurückzuzahlen.
Die späte Amsterdamer Schaffensperiode
Von den Turbulenzen, denen Rembrandt in diesen Jahren ausgesetzt war, ist in seinen Werken kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil, seine Arbeiten wurden immer stiller und monumentaler. Es dominierten zunehmend warme, leuchtende Rot- und Goldtöne vor dunklem Hintergrund. Seine Motive, wie "Der Segen Jakobs" (1656, Kassel, Staatliche Gemädesammlung) fand er weiterhin vor allem in der Bibel und der antiken Mythologie. Wie am Anfang seiner Laufbahn, schuf er auch in seinen letzten Jahren eine Reihe von Selbstporträts. Hier bildete er, wie im "Selbstbildnis als Apostel Paulus" (1661, Amsterdam, Rijksmuseum), in seinen Gesichtszügen deutlich die zunehmenden Zeichen des Alters und der Resignation ab.
Rembrandts letzte Jahre
Mit dem Tod Hendrickjes im Jahr 1663 verlor Rembrandt seine wichtigste Stütze. Es blieben ihm nur sein Sohn Titus und seine Tochter Cornelia. Finanziell hatten sich seine Verhältnisse nur wenig gebessert. Sein Sohn Titus heiratete im Februar 1668 und starb im September desselben Jahres. Am 4. Oktober 1669 starb Rembrandt, 63 Jahre alt, in Amsterdam. Sein Name war bei Kollegen und Kunstkennern in ganz Europa hoch geschätzt. Aber die nächste Künstlergeneration machte ihm sein Abgehen von den klassischen Regeln der Kunst und seine Individualität zum Vorwurf. Erst 100 Jahre nach seinem Tod wusste man gerade diese Individualität wieder zu schätzen und ließ Rembrandt die Ehre zukommen, die einem Künstler seines Ranges und einem der bedeutendsten Vertreter der niederländischen Malerei zukommt.
Bibliografie
Svetlana Alpers: Rembrandt als Unternehmer. Sein Atelier und der Markt, Köln 2003
Micael Bockemühl: Rembrandt. 1609-1669. Das Rätsel der Erscheinung, Köln 2001
Isabel Kuhl: Rembrandt Harmensz. van Rijn, München 2004
Christian Tümpel: Rembrandt, Reinbek bei Hamburg 2002



