Weihnachten steht vor der Tür und wieder einmal stellt sich die Frage: Was schenke ich bloß? Langweilige Klassiker wie Socken, Gutscheine oder praktische Küchengeräte dürfen es nicht sein - schließlich soll der Beschenkte beim Auspacken am besten so richtig überrascht werden und ausflippen vor Freude. Außergewöhnlich soll es sein - Etwas, das man nicht so schnell vergisst. So oder so ähnlich denken wohl viele von uns, wenn sie sich auf die Suche nach etwas Passendem für die Lieben begeben.
Der größte Fehler beim Schenken
Doch genau das ist der größte Fehler, sagen Wissenschaftler um Elanor Williams von der Indiana University Kelley School of Business: "Menschen denken in der Regel hauptsächlich an den Moment, in dem der Beschenkte das Präsent auspackt anstatt an die vielen Augenblicke danach, in der das Geschenk tatsächlich zum Einsatz kommt."
Viel wichtiger als der Moment der Überraschung sei für die Beschenkten jedoch die Frage, wie sie das Geschenkte nutzen können, nachdem sie es bekommen haben. Kurzum: Ein originelles Präsent mag im ersten Moment vielleicht mehr Eindruck schinden, steht danach aber nur noch in der Ecke herum. Das vermeintlich langweilige Geschenk ist dagegen womöglich die bessere Wahl - wenn der Beschenkte es im Alltag regelmäßig nutzen kann.
Es kommt auf die Perspektive an
Wer richtig schenken will, muss demnach die Perspektive wechseln: "Denken Sie an denjenigen, der es bekommen soll und betrachten Sie das Geschenk nicht aus Ihrer Sicht als Schenker", raten Williams und ihre Kollegen. Denn manche Präsente machen zwar beim Schenken Spaß, bereiten dem Beschenkten aber weniger Freude.
Doch was heißt das nun konkret? Um diese Frage beantworten zu können, haben die Psychologen zahlreiche Studien zum Thema Schenken analysiert. Das Ergebnis sind fünf hilfreiche Tipps, wie die Freude bei der Bescherung nachhaltig wirkt.
Tipp 1: Etwas Praktisches auswählen
Der Spaßfaktor praktischer Geschenke beträgt gleich Null. Sie gelten unter Schenkern gemeinhin als langweilig und uninspiriert. Dabei sind nützliche Präsente erstaunlich beliebt, wie die Analyse der Daten zeigte. "Wer unsicher ist, ob ein Spaßgeschenk gut ankommt, sollte lieber auf Nummer sichergehen und etwas aussuchen, das auf jeden Fall Verwendung findet", schreiben die Forscher.
Tipp 2: Ein gemeinsames Erlebnis verschenken
Geschenke müssen nicht zum Anfassen sein. Viele Menschen freuen sich über geschenkte Erlebnisse viel mehr als über Handfestes - zum Beispiel ein Besuch eines Sportevents, ein schönes Abendessen oder eine Massage. "Ein Erlebnis von jemandem zu bekommen, schafft eine besondere emotionale Bindung zu dieser Person", sagt Williams. "Es ist völlig in Ordnung, bei der Bescherung nur etwas Symbolisches wie einen Gutschein zu überreichen. Denn das spätere gemeinsame Erlebnis macht den Beschenkten dafür umso glücklicher."
Tipp 3: Finger weg von Spenden
Im Namen des Beschenkten Geld für eine gute Sache spenden - das klingt zunächst einmal nach einer schönen Idee. Doch Vorsicht: So etwas sollte man nur bei Menschen machen, von denen man weiß, dass ihnen ein bestimmtes Projekt besonders am Herzen liegt. Grundsätzlich sind Spenden als Geschenk den Wissenschaftlern zufolge nämlich eher ungeeignet. Der Beschenkte habe davon später wenig.
Tipp 4: Bei Gutscheinen auf Vielseitigkeit setzen
Geschenkgutscheine erfreuen sich bei Schenkern wie Beschenkten großer Beliebtheit - obwohl auch sie eher langweilig daherkommen. Wer einen Shoppinggutschein verschenken will, sollte auf Folgendes achten: Zwar mag es persönlicher erscheinen, einen Gutschein für das Lieblingsgeschäft der beschenkten Person zu kaufen. Sinnvoller ist es aber, auf Vielseitigkeit zu setzen: Gutscheine für Einkaufszentren oder Gutschriften für die Kreditkarte können für verschiedene Zwecke zum Einsatz kommen und somit ganz unterschiedliche Wünsche erfüllen.
Tipp 5: Auf den Wunschzettel schauen
Fragen Sie dieses Jahr Verwandte, Freunde und Bekannte doch einfach nach ihren konkreten Wünschen. Denn auch das ist ein Ergebnis der Studie: Geschenke vom Wunschzettel auszuwählen kommt oft besser an, als am Abend der Bescherung für eine Überraschung zu sorgen.
"Wir tauschen Geschenke mit den Menschen aus, die uns wichtig sind. Damit wollen wir sie glücklich machen und unsere Beziehung zu ihnen stärken", sagt Mitautor Jeff Galak von der Carnegie Mellon University. "Bedenken wir, wie wertvoll ein Präsent für den Beschenkten langfristig sein wird, anstatt uns über den Gesichtsausdruck zu sorgen, den es beim Auspacken hervorrufen wird, kann uns dieses Anliegen am besten gelingen", schließt er.



