Entgiftung des Körpers
Die meisten Menschen fasten heute zur Gesunderhaltung: um gezielt bestimmten körperlichen Beschwerden zu begegnen, um den Organismus zu entgiften, um auf schnelle Weise das Immunsystem zu stärken oder auch, um ihr Körpergewicht zu reduzieren.
Fasten ist eine alte, in fast allen Kulturen bekannte Methode zur Entgiftung des Körpers. Anhänger des Fastens gehen davon aus, dass der Körper die Stoffwechselumstellung in der Fastenzeit nutzt, um sich angesammelter Abfallstoffe zu entledigen. Gleichzeitig sollen die Organe durch den Wegfall der Verdauungstätigkeit nicht nur entlastet werden, sondern sogar die Gelegenheit zur Regeneration und Wiederbelebung ihrer Funktionen erhalten.
Mit einer Fastenkur geht meist eine gründliche Darmreinigung einher. Die hier in den Darmschlingen verbleibenden Stoffwechselschlacken und Giftstoffe bringen zum einen den Säure-Base-Haushalt des Körpers aus dem Gleichgewicht. Als Folge verschlechtert sich zunächst das Hautbild, es treten Hautunreinheiten wie Pickel zutage, sie ist spröde und glanzlos. Da der Darm eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielt, erhöht sich allmählich die Infektanfälligkeit. Darüberhinaus wird das Immunsystem geschwächt. Letztlich begünstigt die Altlast im Darm die Entstehung von Krankheiten. Daher führt die Darmentleerung und -reinigung beim Fasten zur Auffrischung von Stoffwechsel und Immunsystem und zeigt sich bald in einer klaren Haut.
Fasten als Selbsterfahrung
Seit jeher wird das Fasten von Menschen genutzt, um den Geist für Meditationen zu klären und spirituelle Energien zu entfalten. Dies gelingt besonders, wenn der Organismus von der Verdauungsarbeit befreit ist. Fast alle Religionen geben Rituale oder bestimmte Lebens- oder Jahresabschnitte vor, in denen der vollständige oder auch nur teilweise Verzicht auf eine Nahrungszufuhr gefordert wird.
Unabhängig von der Motivation führt Fasten stets zu körperlichem und seelischem Wohlbefinden und zu größerer, vor allem geistiger Leistungsfähigkeit. Die Fastenzeit ist eine Phase des Innehaltens und bietet so Gelegenheit, die persönliche Lebens- und Ernährungsweise neu zu betrachten und möglicherweise grundlegende Veränderungen anzustreben. Ein gelungenes Fastenerlebnis kann der Auftakt zu einer langfristigen Ernährungsumstellung sein. In jedem Falle erfährt der Fastende am eigenen Leib, wie wohltuend sich Konsumverzicht auf seinen Lebensalltag und seine geistige Haltung auswirkt. Allein die Erfahrung, wie viel Zeit und innere Aufmerksamkeit man normalerweise mit Essen und der Beschaffung oder Zubereitung entsprechender Nahrung verbringt, öffnet für viele Menschen eine neue Tür für ihr Alltagsbewusstsein. Und wie viel Energie vor allem von Kopf, speziell dem Gehirn, nach einer umfangreichen Mahlzeit in den Verdauungstrakt abgezogen wird, glaubt man meist erst, wenn dieser Energieaufwand einmal für einige Zeit wegfällt. Dann steht dem Gehirn und somit der intellektuellen Wachheit des Menschen diese gewaltige Portion an Energie zur Verfügung, die sonst für die Verdauungsarbeit aufgewendet werden müsste.
Die drei Fastenphasen
Die ersten Fastentage sind gekennzeichnet durch einen verstärkten Abbau des Muskelgewebes sowie einer erhöhten Freisetzung und Ausscheidung von Schlacken- und Giftstoffen aus allen Regionen des Körpers. Dies kann verschiedene körperliche Beschwerden und Unwohlsein hervorrufen. Nicht nur, weil man seine angestammten Gewohnheiten loslassen muss, auch wegen der Stoffwechselumstellung ist dies bei den meisten Menschen der anstrengendste Abschnitt der Fastenzeit. In dieser Phase kann sich der Fastende – je nach individueller Stoffwechselsituation – zeitweise recht kraftlos fühlen. Es können auch leichte Kreislaufprobleme auftreten. Während dieses primären oder entgiftenden Fastens sollte der Fastende keiner Verpflichtungen haben und in der Lage sein, sich jederzeit Ruhe zu gönnen.
In der zweiten Phase klingen die Beschwerden im Allgemeinen ab und weichen einer relativen inneren Ruhe. Der Stoffwechsel hat sich auf die neue Energieversorgung umgestellt: Es beginnt der Fettabbau. Gleichzeitig arbeiten die Ausscheidungsorgane wie Leber, Nieren, Darm, Lungen und Haut auf Hochtouren. Die entspeicherten Schlacken- und Giftstoffe verlassen in Form von teils übel riechendem Stuhl oder extrem riechendem Schweiß den Körper. Es kann jetzt sogar zu vorübergehenden Hautausschlägen kommen. Jetzt startet parallel die Zeit der Organregeneration. Die entschlackten und gereinigten Organe beginnen wieder optimal zu arbeiten.
Das so genannte Fastenbrechen leitet schließlich die dritte Phase ein. Behutsam wird nun wieder Nahrung in Form von äußerst leicht verdaulichen Lebensmitteln zugeführt. Allmählich nehmen die Organe des Verdauungstraktes wieder ihre Tätigkeit auf und rasch schaltet der Stoffwechsel auf die gewohnte Energiezufuhr über Nahrungsmittel um.
Abnehmen durch Fasten?
Wer fastet kann innerhalb weniger Tage viel Gewicht verlieren. Die Gewichtsreduktion ist in den meisten Fällen allerdings nicht von langer Dauer. Da sich der Stoffwechsel während des Fastens auf Sparflamme hinuntergeschraubt hat und Zeit braucht, sich wieder an die normale Energiezufuhr über Nahrung zu gewöhnen, nimmt man nach einer Fastenkur auch zunächst wieder schnell zu. Zudem ändert der Essensverzicht nicht automatisch etwas an falschen Essgewohnheiten. Allerdings liegt in dem “Neuanfang des Essens” bei Fastenbrechen die Chance, das Koch- und Essverhalten umzustellen. Es bedarf allerdings der bewussten Entscheidung und langfristig einer konsequenten Verhaltensänderung.



