Turnen in den Thermen
In Rom, der zweiten Hauptstadt der Antike, hatten einem Wunsch Pierre de Coubertins folgend eigentlich schon 1908 Olympische Spiele stattfinden sollen. In der italienischen Hauptstadt erwartete Sportler und Besucher eine Kulisse aus neuen Sportstätten und historischen Bauten. Erfolgreich hatten die Veranstalter Tradition und Moderne miteinander verbunden.
So fanden die Turnwettbewerbe in den Thermen des Caracalla statt, die Ringer trafen in der Basilika des Maxentius aufeinander. Start und Ziel des Marathonlaufs lagen nicht - wie sonst üblich - im Stadion. Die Läufer gingen vom Capitol-Hügel aus auf die rund 42km lange Strecke, die auf der Via Appia vor dem Kolosseum endete.
Wegen der gelungenen Einbindung in das Stadtbild gilt der Palazzo dello Sport des italienischen Architekten Pier Luigi Nervi als einer der herausragenden Neubauten. Allerdings musste sich Nervi den Vorwurf gefallen lassen, auf die Konzeption des faschistischen Foro Italico zurückgegriffen zu haben.
Die Eröffnungsfeier mit den 84 Teilnehmerstaaten fand vor mehr als 100.000 Zuschauern im neu errichteten Olympiastadion statt. Mit Ausnahme der sowjetischen Mannschaft hatten sich zuvor alle Aktiven auf dem Petersplatz von Papst Johannes XXIII. segnen lassen. Fernsehstationen übertrugen das Spektakel in ganz Europa. Millionen Zuschauer erlebten spannende Wettkämpfe, die von der Auseinandersetzung zwischen den (Sport-)Supermächten USA und UdSSR gekennzeichnet waren: Am Ende lag die Sowjetunion im Medaillenspiegel mit 43 Goldmedaillen vor dem US-Team mit 34 Siegen.
Dreimal Gold für Wilma Rudolph
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Für Begeisterung sorgte die US-Sprinterin Wilma Rudolph: Die "schwarze Gazelle", wie die 20-Jährige wegen ihres geschmeidigen Laufstils genannt wurde, hatte in ihrer Jugend an Kinderlähmung gelitten. In Rom gewann sie drei Goldmedaillen über 100m, 200m und mit der 4x100m-Staffel. Als Sensation galt der Sieg des Deutschen Armin Hary über 100m, der als erster Athlet seit 1928 die olympische Vorherrschaft der US-Sprinter durchbrach.
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Der Gewinner des Marathonlaufs, Abebe Bikila, machte als Barfußläufer von sich reden. Mit seiner Leistung widerlegte der Äthiopier die Parolen der Sportartikelindustrie, die Erfolge einzig von ständig verbesserter Ausrüstung abhängig machte. Neben ihren Medaillengewinnen feierten einige Sportler zugleich ihre ganz persönlichen Rekorde: Der 50-jährige Säbelfechter Aladar Gerevich aus Ungarn verabschiedete sich mit einer Goldmedaille von der Planche – dem siebten Edelmetall, dazu eine Silber- und eine Bronzemedaille, bei sechs Teilnahmen an Olympischen Spielen (1932-1960). Mit 13 Medaillen (sechsmal Gold, fünfmal Silber, zweimal Bronze) und dem Mannschaftssieg im Degenfechten zog sich der italienische Fechter Edoardo Mangiarotti nach fünf Olympiateilnahmen (1936-1960) zurück.



