Alles eine Frage der Auflösung
High Definition Television – zu deutsch: hochauflösendes Fernsehen – gilt als Sammelbegriff für alle Verfahren, die eine höhere Bildauflösung und damit eine bessere Bildqualität gewährleisten. Es handelt sich dabei nicht eigentlich um eine neue Technik, sondern um eine Verbesserung des bewährten Vorgängers, dem Standart Definition Television. Anders als im Kino, wo ein aus Zelluloid bestehender Filmstreifen an einer Lichtquelle vorbeigezogen wird, baut sich das Bild am heimischen Fernseher nämlich aus 576 Zeilen auf. Bei einer Frequenz von 50 Hertz werden pro Sekunde 25 Bilder übertragen, die unser Auge dann zu Bewegungsabläufen zusammensetzt. Das hat über Jahrzehnte gut funktioniert, doch alle Details – die Zeilenzahl, die Übertragungsgeschwindigkeit, selbst das Format des Bildes – waren von technischen Gegebenheiten abhängig, und die haben sich rapide weiterentwickelt. Tatsächlich hat auch das Fernsehen in Deutschland nicht immer mit einer Auflösung von 576 Zeilen gearbeitet. Erst die Einführung dar PAL-Norm und die bundesweite Ausstrahlung des Farbfernsehens ab 1967 garantierte diesen Qualitätsstandart. Im Moment hingegen sind bis zu 1080 Zeilen möglich. Je mehr Zeilen ein Bild hat, desto detailreicher und schärfer wirkt es. Und genau an diesem Punkt setzen die Vorzüge von HDTV ein, denn andere Bildformate – z.B. das jetzt vielgenutzte 16:9 – und eine höhere Bildübertragungsrate – z.B. 100 Hertz – sind schon früher möglich gewesen.
Buchstabensalat oder Was bedeutet was?
HDTV, DVB-T, Full HD –was haben diese Begriffe miteinander zu tun? DVB-T bedeutet Digital Video Broadcasting Terrestial, was sich mit Digitale terrestrische Videoausstrahlung übersetzen lässt. Terrestrisch bedeutet, dass die Signale über Antenne empfangen werden. Hier wird das Programm zwar digital ausgestrahlt, es folgt aber weiterhin der PAL-Norm. Dies hat mit HDTV zunächst einmal nichts zu tun. Viel interessanter sind hingegen die Bezeichnungen „HD ready“ und „Full HD“ bei neuen Fernsehapparaten. Bei „HD ready“ handelt es sich um eine Bezeichnung für Geräte, die HDTV grundsätzlich wiedergeben können. Dazu sind einige grundsätzliche Faktoren zu erfüllen: Das Gerät muss das Format 16:9 haben, über bestimmte Anschlüsse verfügen und eine Auflösung von wenigstens 720 Zeilen haben. Geräte mit dem Etikett „Full HD“ oder „HD ready 1080p“ schaffen auch eine Auflösung von 1080 Zeilen, die momentan die Obergrenze darstellt. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Anzahl entsprechender Programme doch sehr gering ist – und dass auch der DVD-Player über eine entsprechende Bezeichnung verfügen muss, um eine entsprechende Qualität optimal wiederzugeben. Immerhin: Auch neue Geräte können mit herkömmlich ausgestrahlte Sendungen etwas anfangen. Man spricht in solchen Fällen von „Abwärtskompabilität“.
Welche Sender senden in HD?
Ein neues Format wie HDTV braucht natürlich seine Zeit, bis es umfassend umgesetzt worden ist. In Deutschland gab es schon einige Versuche, reine HD-Fernsehkanäle senden zu lassen, und derzeit wird an einer ganzen Reihe von Programmen gebastelt. RTL und Vox starteten am 1. November mit dem verschlüsselten HDTV-Programmangebot „HD Plus“. Im Januar 2010 waren Sat.1, ProSieben und Kabel 1 dabei, seit Februar ARD und ZDF.
Viele Sendungen dürften über Satellit ausgestrahlt werden, was ein separates Empfangsgerät und das Begleichen einer Jahresgebühr voraussetzt. Und nicht immer werden die technischen Möglichkeiten voll ausgereizt. Mitunter genügen bereits 720 Zeilen, um mit dem Label „HD“ zu werben, wofür oft in geringerer Auflösung vorhandenes Material hochgerechnet wurde. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt – und was das Format im Endeffekt wirklich bietet. Denn eins ist klar: HDTV erhöht zwar die Qualität des Bildes, sagt aber nichts über die Güte des Programms.
Verbraucherschützer warnen
Wer hochauflösendes Privatfernsehen über Satellit empfangen will, muss mit deutlichen Nutzungseinschränkungen und zusätzlichen Kosten rechnen. Darauf macht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) aufmerksam. Die Einführung von HDTV im werbefinanzierter Fernsehen ist mit einer Verschlüsselung, Zusatzkosten und deutlichen Nutzungseinschränkungen verbunden", erläutert Michael Bobrowski, Referent für Telekommunikation und Medien im vzbv. Die HD Plus GmbH hat angekündigt, dass neben den Kosten für die Anschaffung eines speziellen Receivers auch die Sendungen nach Ablauf einer kostenfreien zwölfmonatigen "Schnupperphase" nur gegen ein zusätzliches Entgelt empfangbar sein werden. Mit den in Haushalten bereits vorhandenen HD-tauglichen Sat-Receivern können in Zukunft die HD Plus-Sendungen der Privaten ohne technische Nachrüstung nicht gesehen werden. Ob, wann und wie die vorhandenen HD-Empfänger zum HD+ Empfang nachgerüstet werden können, ist noch unklar.



