Eignen Sie sich zum Unternehmer?
Langzeitstudien zufolge sind die Vorerfahrungen des Unternehmers für seinen Erfolg entscheidend. In der Schule, in Sport und Freizeit gehörten sie zu den kreativsten, leistungsfähigsten, selbstbewusstesten und führungsstärksten Jugendlichen. Die psychologische Forschung hat herausgefunden, dass ein autoritativer Erziehungsstil die positive Persönlichkeitsentwicklung und gute Leistungen besonders fördert. Kinder, die mit emotionaler Nähe, klaren Strukturen und entwicklungsgerechten Herausforderungen aufwachsen, sind später als Selbstständige im Vorteil.
Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Existenzgründung ist der Glaube an den eigenen Erfolg. Spätestens bei den Finanzierungsverhandlungen müssen Sie auch andere von Ihrem Konzept überzeugen.
Mit ganzem Herzen Unternehmer?
Mittelpunkt der erfolgreichen Unternehmensgründung ist die Gründerperson selbst. Sie kann unabhängig Entscheidungen treffen, selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen. Dafür muss sie vom Unternehmenskonzept bis zum Vertrieb alles im Griff haben. Nicht jeder Existenzgründer kommt mit dieser Verantwortung zurecht. Viele Fragen kommen auf Sie zu:
- Passt Ihre praktische Erfahrung zur Branche, in der Sie sich selbstständig machen wollen?
- Haben Sie schon einmal die Arbeit von Mitarbeitern organisiert und kontrolliert?
- Besitzen Sie eine fundierte kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Ausbildung oder entsprechende Erfahrung?
- Sind Sie bereit, zumindest in den ersten Jahren 60 oder mehr Stunden pro Woche zu arbeiten?
- Und wird Ihre Familie Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen?
Bereits im Vorfeld sollten Sie sich über die Antworten im Klaren sein. Dies hilft nicht nur Ihnen persönlich bei der Entscheidung, es hilft auch dabei, potenzielle Geldgeber zu überzeugen. Ihr privates Umfeld sollten Sie bei diesen Fragen frühzeitig mit einbeziehen, um keine böse Überraschung zu erleben.
Nach Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums, der Deutschen Ausgleichsbank und dem Verband der Vereine Creditreform e. V. ist neben der Strategie die Person des Gründers die Hauptursache für betriebswirtschaftlichen Verlust und Insolvenz eines Unternehmens. Eine Analyse der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen ist daher unerlässlich.
Eine ganz wichtige Voraussetzung ist Verkaufstalent: Die Entscheidung für eine Selbstständigkeit müssen Sie ihrem Ehepartner verkaufen, Ihren Businessplan den Geschäftspartnern, der Bank, den Lieferanten und künftigen Mitarbeitern. Werden Sie sich über Ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet klar.
Persönliche Ausgangslage
Viele Arbeitnehmer finden keine Erfüllung in ihren Berufen. Schlechte Erfahrungen mindern die Motivation. Je nach Ausprägung der Unzufriedenheit führt dann die berufliche Frustration zur inneren Kündigung. Auf Grund des Betriebsklimas, der eigenen Behandlung und der Behandlung der Kollegen kann jemand gut ableiten, wie es mit seiner Arbeitsplatzsicherheit und so mit seiner eigenen Lebensplanung steht. Die Gründe für eine Existenzgründung sind mannigfaltig. Nach einer Studie der Fachhochschule Trier standen für die Existenzgründer folgende Motive im Vordergrund:
- Unternehmerische und persönliche Freiheit (64,4 %) sowie
- Wunsch nach Selbstständigkeit (60 %)
Als weitere Gründe wurden genannt:
- Alternative zur Arbeitslosigkeit (25,2 %)
- Umsetzung einer Geschäftsidee (13,1 %)
- Verdienstmöglichkeit und Ansehen (9,2 %)
- Weiterführen der (Familien-)Tradition (7,8 %)
Doch ein starkes Motiv reicht für einen erfolgreichen Unternehmensstart nicht aus. Um Ihre wirtschaftliche Überlebensfäghigkeit sicherzustellen, bedarf es mehr:
- Werden Sie sich über Ihre materiellen und immateriellen Stärken klar.
- Prüfen Sie, wie Sie Ihre Potenziale bislang ausschöpfen.
- Setzen Sie einen Lernprozess in Gang: Sammeln, ordnen und kombinieren Sie schriftlich wichtige Ideen, Informationen und Erfahrungen. Mit der Zeit müssen Sie über eine klare Strategie verfügen.
Kompetenz, Disziplin und Arbeitseifer garantieren heute zwar keinen beruflichen Erfolg mehr, bieten jedoch gute Voraussetzungen für die berufliche Selbstständigkeit. Existenzgründer schätzen vor allem die Unabhängigkeit und suchen nach Möglichkeiten zur Selbstentfaltung. Der Wunsch etwas besser, schneller oder professioneller zu machen ist bei den rund 3,6 Millionen Selbstständigen in Deutschland stark ausgeprägt.
Persönlichkeitsprofil
Die Analyse
Um sich richtig einschätzen zu können, müssen Sie Ihre Persönlichkeit eingehend erforschen. Listen Sie zuerst Ihre privaten Leistungen und Erfolge auf. Versuchen Sie sich an Ihrer persönlichen Geschichte und Biografie: Partner, Familie, Freizeit, Haus, Hobby.
- Wie hat sich Ihr Leben entwickelt?
- Welche Ziele haben Sie für sich persönlich, mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden erreicht, nicht erreicht, verworfen oder neu formuliert?
- Welche Beziehungen haben Sie in den letzten Jahren aufgebaut?
- Welche Stellung haben Sie sich im privaten Bereich, im Sportverein, in einer Partei oder anderen Organisationen erworben?
- Welchen Bekanntheitsgrad haben Sie im Beruf, in der Nachbarschaft oder im privaten Umfeld?
- Haben Sie ein bestimmtes Fachgebiet, bei dem Sie öfters um Rat gefragt werden?
Danach machen Sie das gleiche für Ihre berufliche Biografie. Als selbstständiger Unternehmer benötigen Sie neben fachlichem und kaufmännischem Wissen auch von Ihrer Lebens- und Berufserfahrung. Optimalerweise haben Sie schon in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette gearbeitet, im Vertrieb, Einkauf oder Rechnungswesen. Suchen Sie nach Ihren herausragenden Stärken und lassen Sie Ihre Schwächen nicht unter den Tisch fallen.
Ab einer bestimmten Unternehmensgröße sind Führungsqualitäten unerlässlich. Sicher haben Sie selbst am eigenen Leib verschiedene Führungsstile ihrer Vorgesetzten erfahren dürfen. Fragen Sie sich, wie Sie es besser machen würden. Dabei geht es nicht nur um Zeitmanagement und das Delegieren von Arbeitsaufträgen und Problemstellungen. Sie müssen auch fähig sein, Mitarbeiter zu begeistern und zu motivieren.
Fragen Sie sich wie auch im privaten Bereich, welche Ziele Sie sich beruflich vorgenommen haben, welche Sie erreicht, verworfen oder sich neu gesetzt haben, angefangen von Schule, Ausbildung und Studium bis hin zum Beruf. Welchen Aufgaben mussten Sie sich bislang stellen? Wie sind Sie mit den Kollegen zurecht gekommen?
Schließlich gehört auch Ihre finanzielle Situation auf den Prüfstand. Ordnen Sie Ihr Vermögen nach Sparguthaben, Aktien, Wertpapieren, Schmuck, Antiquitäten und Immobilien. Bislang diente Ihr Vermögen Ihrer Sicherheit, nun kann es bei der anstehenden Unternehmensgründung als Eigenkapital dienen. Sind Sie sich sicher, alles aufs Spiel setzen zu wollen? Bei einer Insolvenz können Sie einen großen Teil oder sogar alles verlieren. Setzen Sie sich mit diesem Risiko und den möglichen Folgen intensiv auseinander.
Checkliste fachliche Qualifikation
Gehen Sie alle unten beschriebenen Eigenschaften durch und ordnen Sie sich jeweils auf einer Punkteskala von 1 bis 10 ein. Eine hohe Punktzahl könnte ein Anzeichen für einen erfolgreichen Existenzgründer sein. Zur Kontrolle geben Sie die Liste einem guten Freund oder dem Partner und lassen ihn eine Bewertung abgeben. Unterscheidet sich die Punktezahl gehörig, diskutieren Sie die unterschiedlichen Bewertungen. Womöglich stellen Sie ihr Licht unter den Scheffel oder Sie überschätzen sich maßlos. In jedem Fall lernen Sie sich besser kennen. Fragen Sie sich auch, wie Sie bestimmte Schwächen ändern oder kompensieren können.
- Fachliche Kentnisse
- Ausbildung
- Berufserfahrung
- Branchenkenntnisse
- Befähigungsnachweise
- Erforderliche rechtliche Voraussetzungen (z.B. Meisterbrief, Genehmigungen)
- Wirtschaftskenntnisse
- Unternehmensführung
- Kalkulation und Kostenrechnung
- Marketing
- Vertrieb
- Mitarbeiterführung
- Recht (Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Haftung)
Checkliste Persönlichkeitsprofil
- Risikobereitschaft
- Realitätssinn
- Planungsvermögen
- Zielstrebigkeit
- Urteilsfähigkeit
- Problemorientierung
- Entscheidungsfreude
- Verantwortungsbewusstsein
- Kontrollbedürfnis
- Verbindungen/Netzwerk
- Kommunikationsfähigkeit
- Überzeugungskraft
- Einfühlungsvermögen
- Konfliktlösungspotenzial
- Stressverarbeitungspotenzial
- Selbstbeherrschung
- Flexibilität
- Kreativität
- Gesundheitliche Konstitution
- Krankheitsvorsorge
- Belastbarkeit
- Zieht der Partner/die Familie mit?
- Notwendigkeit eines regelmäßigen Einkommens
- Notwendigkeit eines hohen Einkommens
- Private Vermögenssituation/Schulden?
- Intelligenz
- Sozialkompetenz
- Wunsch nach sozialer Einflussnahme
- Führungseigenschaften
- Zum künftigen Berufsbild passende äußere Erscheinung
- Zum künftigen Berufsbild passende Sprache
Checkliste Kosten
Letzten Endes lohnt sich eine Unternehmensgründung nur dann, wenn der Existenzgründer auf Dauer Gewinn macht und nicht unter den entstehenden Kosten zusammenbricht. Deswegen ist ein persönlicher Kostenvoranschlag unerlässlich.
Die Rechnungsgrundlage
Beachten Sie nicht nur Ihre privaten laufenden Kosten, sondern berücksichtigen Sie auch die Zeit nach dem Berufsleben. Schließlich wollen Sie auch im Alter Ihren Lebensstandard halten. Und dazu braucht es eine finanzielle Absicherung, um die Sie sich schon heute kümmern müssen. Lassen Sie sich auf alle Fälle von der Bundesversicherungsanstalt Ihren derzeitigen Rentenanspruch errechnen. Vergessen Sie die Inflation nicht. Wenn Sie heute 2.000 Euro zum Leben brauchen, sind das bei einer Inflationsrate von 1,9 Prozent in 30 Jahren schon 7.035 Euro. Angenommen Sie sind dann 65 Jahre alt und rechnen mit einer Lebenserwartung von 80 Jahren, dann müssen Sie Rentenansprüche, Versicherungsleistungen und Gewinne in Höhe von mindestens 15 mal 12 mal 7.035 Euro, also 1.266.300 Euro, erwirtschaftet haben. Trauen Sie sich das zu?
Rechnen Sie Ihre privaten und geschäftlichen Kosten pro Monat, Quartal und Jahr aus und überlegen Sie, ob sich von Fall zu Fall die Kosten verändern könnten. Wenn Ihr Umsatz steigt, steigen auch die Kosten für Warenbeschaffung oder -lieferung und für Kommunikation. Ab einer gewissen Grenze benötigen Sie mehr Mitarbeiter. Im privaten Bereich können Miet- oder Versicherungszahlungen steigen.
Private Kosten
- Wohnungsmiete (warm, inkl. Nebenkosten)
- Ernährung
- Kindererziehung
- Unterhaltszahlungen
- Versicherungen (Kranken-, Pflege-, Renten-, Hausrat-, Haftpflicht-, Lebensversicherung ...)
- Ratenkredite, Hypotheken
- Auto (Steuer, Versicherung, Benzin, Reparaturen)
- Öffentliche Verkehrsmittel
- Telefon, Internet, Handy
- TV-Kosten, GEZ-Gebühren, Radio
- Presse und Bücher
- Kleidung
- Haushaltsmittel
- Körperpflege
- Sport und Freizeit
- Spenden und Beiträge
- Rücklagen für Urlaub, PC, Auto ...
- Rücklagen für Gesundheit und Krankheit
Geschäftliche Kosten
- Gehalt für Unternehmer
- Gehalt für Mitarbeiter
- Miete und Instandhaltung für Betriebsräume (warm)
- Versicherungen
- Unternehmenssteuern
- Auto
- Bürobedarf
- Kommunikationskosten
- Warenbeschaffung
- Warenabgabe
- Unternehmensberatung
- Werbung, Public Relations
- Beiträge zu Verbänden
- Forschung und Entwicklung, Fortbildung
- Zinsen
- Sonstige Kosten
Unternehmertypen
Einen typischen Unternehmer gibt es nicht. Es gibt aber verschiedene Unternehmertypen. Je nach Anlage und Befähigung liegen die Stärken und Schwächen auf den drei Handlungsfeldern Markt, Technik, Personal und Finanzen unterschiedlich verteilt. Der Grad der Flexibilität oder Innovationsfähigkeit sagt noch nichts über den möglichen Erfolg des Unternehmens aus. Entscheidend ist es, die defensive oder offensive Geschäftsstrategie umzusetzen. Dazu braucht es meist ein ganzes Bündel der so genannten Managementfähigkeiten.
So gibt es
- den offensiven Unternehmer, der die Veränderung und Expansion liebt, dessen Management- und Integrationsfähigkeiten hingegen schwach ausgeprägt sind. Oft hinkt der Ausbau der internen Potenziale dem raschen innovativen Wachstum hinterher.
- Den routinierten Unternehmer mit hohen Managementfähigkeiten. Er will verändern und gestalten, legt aber auch großen Wert auf berechenbare Erfolgschancen. Der Routinier verändert maßvoll, kann delegieren und so Zeit für strategische Planungen gewinnen. Kommunikations- und Organisationsstrukturen begünstigen Innovationen.
- Den konservativen Unternehmer, der nur dann innovativ wird, wenn die Nachfrage zurück geht. Kaufmännische Gesichtspunkte stehen bei allen Entscheidungen im Vordergrund. Kommunikation und Organisation sind stark reglementiert, schnelle Reaktion ist so nicht möglich.
- Den konzeptionslosen Unternehmer. Er fährt eine kundenorientierte und defensive Strategie. Für neue Anforderungen hat er jedoch kein Konzept. Meist besteht die einzige Antwort auf erhöhten Wettbewerbsdruck in der Kostensenkung durch verstärkte Rationalisierung. Innovationsstrategien fehlen.
Woran scheitern Existenzgründer?
Gute Ideen und reichlich Startkapital allein sichern den Erfolg eines Existenzgründers noch nicht. Bestes Beispiel sind die zahlreichen Unternehmen der New Economy, die auf der Welle des Internetbooms einige Jahre mitschwammen. Doch als im Frühjahr 2000 die Technologiebörsen als Finanzierungsquellen versiegten, blieb vielen Start-ups nur noch kurze Zeit bis zum Insolvenzantrag. Kapitalgeber handelten daraufhin zurückhaltender und viele Geschäftsideen entpuppten sich zudem als Flops.
Doch nicht nur die New Economy bietet einige Lehrstücke zum Thema "wie man es nicht macht". Leider weist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die Insolvenzen nicht nach Branchen aus. Neben der Internet- und Software-Branche wird jedoch schon seit Jahren die Baubranche anhaltend von Pleiten, Pech und Pannen heimgesucht.
Was die Bundesstatistiker ebenfalls nicht verraten, sind die genauen Gründe einer Unternehmenspleite. Die ungünstige Marktlage oder ein weltweiter Konjunktureinbruch können als makroökonomische Ursachen in Betracht kommen. Doch zumeist liegt der Hund im Unternehmen selbst begraben. Nach einer Studie der Deutschen Ausgleichsbank waren die häufigsten Ursachen für einen Bankrott:
- Finanzierungsmängel (69%): kurzfristiger Kapitalbedarf zu hoch, laxe Zahlungsmoral der Kunden, Verschwendung
- Informationsdefizite (61%): überschätzte Nachfrage, unterschätzte Konkurrenz
- Qualifikationsmängel (48%): weniger fachliche, sondern eher strategische, kaufmännische und unternehmerische Mängel
- Planungsmängel (30%): fehlerhafte oder nicht eingehaltene Planung
- Familienprobleme (30%): familiäre Belastungen in der Anfangsphase zu hoch
- Überschätzung der Betriebsleistung (21%): Umsatz deckt Investitionen und Fixkosten bei weitem nicht
- Äußere Einflüsse (15%): schlechte Konjunkturlage, veraltete Technologie, drastischer Mitarbeiter-Abgang



