Dopingskandal um Ben Johnson
Erstmals seit zwölf Jahren nahmen wieder alle führenden Sportnationen außer Kuba und Äthiopien an den Olympischen Spielen teil. Die Boykotte von Moskau (1980) und Los Angeles (1984) wiederholten sich dank der allgemeinen weltpolitischen Entspannung nicht. Zum zweiten Mal nach 1964 (Tokio) fanden die Sommerspiele in Asien statt. Die Herzlichkeit der Gastgeber konnte allerdings nicht über die gereizte politische Situation zwischen der westlich orientierten Regierung Südkoreas und dem kommunistisch dominierten Nordkorea hinwegtäuschen. Die Regierung des Nachbarstaates hatte die Teilnahme ihrer Athleten an den Spielen verweigert.
In 16 Tagen stellten die Sportlerinnen und Sportler aus 160 Nationen insgesamt 27 Weltrekorde auf. Die Resultate rückten jedoch durch den spektakulärsten Dopingfall der olympischen Geschichte in den Hintergrund. Drei Tage nach seinem Weltrekord (9,79sec) im 100m-Finale wiesen Dopingkontrolleure dem Kanadier Ben Johnson die Einnahme verbotener leistungsfördernder Mittel nach. Dem 26-Jährigen wurden seine Weltrekorde und die Goldmedaille aberkannt.
Tennis ist wieder olympisch
Wieder einmal bewiesen die Sowjetunion (55 Olympiasiege) und die DDR (37) auf Rang eins und zwei im abschließenden Medaillenspiegel ihre sportliche Überlegenheit gegenüber den westlichen Nationen. Die DDR-Schwimmerin Kristin Otto konnte mit sechs Goldmedaillen fast die phänomenale Leistung des Amerikaners Mark Spitz (siebenmal Gold 1972) wiederholen. Nach der Wiedervereinigung konnte sie sich allerdings nur schwer gegenüber heftigen Dopingvorwürfen erwehren. Der US-Schwimmer Matt Biondi gewann fünfmal Gold sowie je einmal Silber und Bronze. Über 100 m Schmetterling musste er sich Antony Nasty aus Surinam geschlagen geben, dem einzigen Teilnehmer seines Landes im Schwimmen.
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Noch stärker im Blickfeld der Öffentlichkeit stand die Sprinterin Florence Griffith-Joyner (USA) in der Leichtathletik. Im Gegensatz zu früheren Wettkämpfen trat die dreifache Olympiasiegerin diesmal nicht in einem ihrer extravaganten Trikots an. Ihre erstaunliche Leistungssteigerung, verbunden mit einer deutlich sichtbaren Veränderung ihrer Muskelstruktur, ließ vielfache Interpretationsmöglichkeiten zu. Die leichtathletischen Mittel- und Langstreckenwettbewerbe blieben eine Domäne der Läufer aus Afrika. Nur der Italiener Gelindo Bordin brach mit seinem Marathon-Gold in diese Phalanx ein. Nach 64 Jahren war Tennis wieder olympische Sportart: Im Einzel siegten die Deutsche Steffi Graf und der Tschechoslowake Miloslav Mecir. Im Tischtennis, neu im Olympia-Programm, machten Chinesen und Koreaner fast alle Medaillengewinner unter sich aus.



