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Shoppen für die Forschung: Ein ganz besonderer Supermarkt
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Leben & Lifestyle

Shoppen für die Forschung: Ein ganz besonderer Supermarkt

Unser Kaufverhalten folgt im Alltag selten einem festen Plan. Zwar gehen die meisten von uns mit einer Einkaufsliste in den Supermarkt, aber selten kaufen wir nur das ein, was auf diesem Zettel steht. Stattdessen lassen wir uns vom Warenangebot verführen und machen jede Menge Spontankäufe.
Veröffentlicht
23. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Warenregale im Labor-Supermarkt der Universität Bonn

© Gregor Hübl/Uni Bonn

Unser Kaufverhalten folgt im Alltag selten einem festen Plan. Zwar gehen die meisten von uns mit einer Einkaufsliste in den Supermarkt, aber selten kaufen wir nur das ein, was auf diesem Zettel steht. Stattdessen lassen wir uns vom Warenangebot verführen und machen jede Menge Spontankäufe.

Aber was bestimmt, bei welchem Produkt und unter welchen Umständen wir schwach werden? Bisher haben Forschende das meist durch Umfragen oder mit virtuellen Supermärkten und Einkaufstests untersucht. Dabei sitzen Testpersonen vor dem Bildschirm, steuern mit der Tastatur scheinbar einen Einkaufswagen zwischen den Regalen durch und können bestimmte Produkte auswählen. Dennoch: Das Gleiche wie ein echter Supermarktbesuch ist das nicht.

Ein Supermarkt für die Wissenschaft

Deshalb geht die Universität Bonn jetzt einen anderen Weg: Sie hat eigens für die Forschung einen Supermarkt eröffnet. Ananas, Dosentomaten und Semmelknödel stehen dort ordentlich in Regalen aufgereiht. Auf 55 Quadratmeter Fläche ist so ziemlich alles für den täglichen Bedarf zu haben. Wie im echten Supermarkt gibt es auch hier Preisschilder, eine Kasse und Einkaufswagen. Aber es geht hier um mehr als nur das Aufstocken von Vorräten: Dieser Supermarkt dient rein wissenschaftlichen Zwecken.

Wer hierher kommt, darf sich als Testperson zwischen den Regalen tummeln – und sogar echt einkaufen. Interessierte können sich als Testperson bewerben und bekommen dann einen Gutschein in bestimmter Höhe. Die ausgewählte Ware darf man dann in der Regel mit nach Hause nehmen und nutzen. Schließlich soll das üppige Warensortiment nicht verderben. Bleibt doch einmal etwas übrig, das nahe an der Mindesthaltbarkeitsgrenze ist, dann geht es an die „Tafeln“ oder sonstige Hilfsinitiativen, wie die Universität erklärt.

Junior-Prof. Dr. Dominic Lemken im neuen Labor-Supermarkt der Universität Bonn: Obst in der Nähe des Kassenraums wird rund ein Drittel mal häufiger gekauft als an anderen Ecken des Ladens.

Obst statt Schoko in der Quengelware

Das Kaufverhalten im Test-Supermarkt soll Forschenden verraten, was uns zum Zugreifen bewegt – beispielsweise bei der "Quengelware" direkt vor der Kasse. „Normalerweise sind hier Schokoriegel oder Kaugummis platziert, weil sich insbesondere Kinder in der Warteschlange umsehen und hier bevorzugt zugreifen möchten“, erklärt Dominic Lemken, Leiter des Labor-Supermarkts. "Aber was wäre, wenn hier nicht Süßigkeiten, sondern gesundes Obst liegen würde?“

Schon sind wir mitten in einer der Fragestellungen, die hier untersucht werden können. Tatsächlich ist bei Marketingstrategen längst bekannt, dass Bananen rund ein Drittel häufiger gekauft werden, wenn man sie in die Nähe des Kassenraums legt statt in eine Ecke des Supermarkts. Doch welche Anreize lassen sich in einem solchen Selbstbedienungsladen sonst noch schaffen, damit die Kundschaft bevorzugt zu gesünderen Produkten mit weniger Fett, Zucker oder Salz greift? Wie müssen die Packungen platziert und gestaltet sein, dass vor allem auch nachhaltig produzierte Ware eine Chance hat? Alle reden von Tierwohl – wie finden diese Produkte trotz höherer Preise einen guten Absatz?

Menschliche Kauflaunen und robotische Helfer

All das – und noch viel mehr – soll im neuen Labor-Supermarkt mit wissenschaftlichem Anspruch untersucht werden. „Der Labor-Supermarkt ist nochmal realistischer als ein virtueller Markt“, sagt Lemken. „Hier können die Leute noch besser in ihre Kaufgewohnheiten verfallen, die wir dann auswerten.“ Dafür Kameras die Kaufentscheidung jeder Testperson auf – mit einer speziellen Software, die die Identifizierung von Personen unmöglich macht. Es sind lediglich Silhouetten zu erkennen. „Wir können nur feststellen, wie viele der Testpersonen zu Packungsvariante A oder B greifen“, erläutert Lemken.

Auch Roboter können im neuen Test-Supermarkt ihr Können zeigen. „Wir testen zum Beispiel, wie sich Regale effizient und kundenorientiert von Robotern beladen lassen und lernen von Menschen präferiertes Roboterverhalten“, sagt Maren Bennewitz vom Humanoid Robots Lab der Universität Bonn. „Mit den Ergebnissen optimieren wir dann unsere Systeme für den Supermarkt, aber auch für Anwendungen in häuslichen Umgebungen wie etwa Haushaltshilfen oder Pflege."

Testkäufer gesucht

Der Labor-Supermarkt ist noch nicht ganz fertig: Ein paar Anschlüsse für Kabel fehlen noch. Trotzdem haben erste Studien schon begonnen – und Testpersonen sind willkommen. Wer Interesse hat, kann sich online melden. Einfach über den Link registrieren, Experiment und Zeit auswählen, dann vorbeikommen und gratis für wissenschaftliche Zwecke einkaufen.

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