Siesta und Fiesta
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Siesta und Fiesta

Bild: Foto: Balou46, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Für viele Menschen scheint es nichts Wichtigeres im Leben zu geben als Erfolg und Karriere. Aus der Arbeit beziehen sie ihre Identität, ihren Wert und ihren Sinn. Dafür opfern sie nicht selten Gesundheit, Familie und Freundschaften. In letzter Zeit allerdings regt sich Kritik an einem derart „blinden Arbeitsethos“. Mit der Gesundheit der Arbeitnehmer würden auch die Erfolgsaussichten eines Unternehmens beeinträchtigt.

Für viele Menschen scheint es nichts Wichtigeres im Leben zu geben als Erfolg und Karriere. Aus der Arbeit beziehen sie ihre Identität, ihren Wert und ihren Sinn. Dafür opfern sie nicht selten Gesundheit, Familie und Freundschaften. In letzter Zeit allerdings regt sich Kritik an einem derart „blinden Arbeitsethos“. Mit der Gesundheit der Arbeitnehmer würden auch die Erfolgsaussichten eines Unternehmens beeinträchtigt.

Aus diesem Grund empfehlen Wissenschaftler der NASA Unternehmen, ihren Arbeitern und Angestellten einen täglichen Mittagsschlaf zu erlauben. Begründung für das Prinzip: "Mehr Leistung durch Siesta". Studien haben ergeben, dass die Arbeitsleistung um 35 Prozent steigt, wenn Arbeitnehmer am Nachmittag 45 Minuten schlafen können. Die Palette der persönlichen Einstellungen zur Arbeit reicht weit - vom extremen Leistungsdruck und Karrierestreben auf der einen bis zur Verweigerungshaltung auf der anderen Seite.

Andere Länder ...

Neben diesen individuellen Unterschieden variiert die Einstellung zur Arbeit auch national. Wie gearbeitet wird, ist nicht zuletzt eine Frage der jeweiligen Mentalität. In südlichen Ländern wird von 12-16 Uhr Siesta gehalten, weil es schlicht und einfach zu heiß zum Arbeiten ist - dafür haben die Geschäfte dann bis 22 Uhr geöffnet. In deutschen Amtsstuben wird überwiegend von 7-15:30 Uhr gearbeitet - eine halbe Stunde Mittagspause inbegriffen. Das gibt Raum für Vorurteile - von beiden Seiten: Die Deutschen seien Streber, sagen die Einen; die Südländer hätten die Arbeit nicht erfunden, meinen die Anderen. Mentalitätsunterschiede nennen das die Wissenschaftler.

Beruflicher Erfolg ist mancherorts alles

In den Vereinigten Staaten sind noch heute die Auswirkungen einer streng protestantischen Arbeitsmoral zu spüren. Erfolg im Beruf zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Für diesen Erfolg ist man selbst verantwortlich - nicht der Staat oder die Gesellschaft. Nachdem sich im 17. Jahrhundert in England viele Menschen von der anglikanischen Kirche abgewandt hatten, suchten sie in alleiniger Verantwortung nach dem persönlichen Glück. Viele dieser extremen Calvinisten wanderten aus - in die Neue Welt. Hier führten Eigenverantwortung und Erfolgsstreben langfristig zu einer Arbeitsmoral, die auch heute noch in den Vereinigten Staaten herrscht: Erfolg ist alles. Deswegen werden im Unterschied zu Europa mehr Überstunden gemacht, gibt es weniger Krankmeldungen, gibt es kaum Absicherung durch den Staat.

Deutsche Arbeiter: selten flexibel

Im Gegensatz dazu war und ist die Gesellschaft in Deutschland durch eine enge, gut organisierte Gemeinschaft geprägt. Die Kirche und der Staat regelten Religion und Politik, die Zünfte und Kammern waren für die Wirtschaft und den Bereich Arbeit zuständig. Die Verantwortung lag hier nicht beim Einzelnen, sondern bei der Gemeinschaft. Trotz wachsender Freiheit nach der Französischen Revolution 1789 und einer zunehmenden Liberalisierung vor allem nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Staat auch auf dem Feld der Arbeit, der Tarifpolitik und der Beschäftigung einen hohen Stellenwert. Die positiven Auswirkungen dieser Arbeitsethik in Deutschland waren ein sozial ausgerichteter Staat und Einrichtungen wie die Berufslehre. Mangelnde Flexibilität der Arbeitnehmer jedoch gehört zu deren negativen Folgen.

Schichtarbeit macht anfällig für Krankheiten

Auch wenn die Arbeitsmoral von Nation zu Nation sehr verschieden ist, die wissenschaftliche und gesellschaftliche Kritik an schlechten Arbeitsbedingungen ist in den verschiedenen Kulturkreisen ähnlich. Wissenschaftler vom Zentrum für Chrono-Biologie an der Universität Surrey weisen in einer aktuellen Studie auf die zunehmenden Gefahren für die Gesundheit von Arbeitnehmern durch Schichtarbeit, Überstunden und unregelmäßige Arbeitszeiten hin. Schichtarbeit erhöhe zum Beispiel die Anfälligkeit für Schlafstörungen, Magen-Darm- sowie Herzerkrankungen. Bedrückender Ausblick: Durch die Globalisierung der Weltmärkte werden diese Anforderungen noch weiter steigen - mit allen negativen Folgen für den Menschen.

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