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Sprachstörungen
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Sprachstörungen

Bei sieben bis zehn Prozent der Vorschulkinder – die Zahlen schwanken je nach Studie – läuft die Sprachentwicklung aber nicht so glatt. Bei manchen stimmt die Grammatik nicht, andere formulieren nur Zwei-Wort-Sätze, wieder andere ersetzen Laute, die sie eigentlich schon beherrschen sollten, durch andere.
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle

Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern

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Bei sieben bis zehn Prozent der Vorschulkinder – die Zahlen schwanken je nach Studie – läuft die Sprachentwicklung aber nicht so glatt. Bei manchen stimmt die Grammatik nicht, andere formulieren nur Zwei-Wort-Sätze, wieder andere ersetzen Laute, die sie eigentlich schon beherrschen sollten, durch andere.

Die Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung können erblich sein, in anderen Fällen erschweren Hörprobleme den Spracherwerb. Auch wenn die Eltern zu wenig mit dem Nachwuchs sprechen, kann die Sprachentwicklung der Kinder stocken. „Manchmal ist die Ursache auch nicht zu finden“, erklärt die Hamburger Logopädin Kerstin Sawatzki. „Wichtiger ist aber, dass wir trotzdem in sehr vielen Fällen helfen können.“

Oft reicht ein logopädischer Anstoß von außen, um den natürlichen Sprachlernprozess wieder in Gang zu bringen und das Versäumte aufzuholen. „Das kann man sehr gut spielerisch machen, abhängig vom Alter des Kindes.“ Die Kinder lernen zum Beispiel den Unterschied zwischen verschiedenen Lauten kennen, müssen etwa Suppe von Schuppe oder Topf von Kopf unterscheiden. Dabei kommen Bildkarten, Handpuppen und andere Spielsachen zum Einsatz. „Die meisten Kinder gehen gern zur Logopädie, weil sie merken, dass wir sie nicht unter Druck setzen“, erklärt Sawatzki.

Wie lange eine logopädische Behandlung dauert, unterscheidet sich von Fall zu Fall erheblich. In manchen Fällen helfen einige Sitzungen, in anderen Fällen dauert die Therapie mehrere Monate. „Dass sich eine Sprachstörung bei Kindern gar nicht verbessern lässt, kommt allerdings nur sehr selten vor“, berichtet Sawatzki.

Bleibt die logopädische Behandlung aus, sind die Auswirkungen häufig spätestens in der Schulzeit spürbar. Den Kindern wird dann zunehmend bewusst, dass sie anders sprechen, viele verlieren die Lust am Reden. Zudem kann eine unbehandelte Sprachentwicklungsstörung auch zu Problemen beim Schreiben und Lesen führen. Wissenschaftler vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen Sprachentwicklungsstörungen und Rechenschwäche, im Fachjargon Dyskalkulie.

Für die Eltern leichter zu erkennen ist bei Kindern das Stottern – eine so genannte Redeflussstörung.

Stottern beginnt in der Regel vor dem sechsten Lebensjahr – rund fünf Prozent aller Kinder erleben in dieser Zeit eine Stotterphase. Während sich die lästige Sprachstörung in vielen Fällen wieder gibt – häufig mit logopädischer Hilfe – sind auch ein Prozent der Erwachsenen vom Stottern geplagt, fast immer seit der Kindheit. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen.

Das Hinterhältige am Stottern: Welche Ursachen auch immer im Kindesalter zu der Sprechstörung geführt haben, früher oder später wird das Stottern dadurch massiv verstärkt, dass Scham, Angst und negative Erfahrungen wie Hänseln starken Druck auf den Stotterer ausüben. Wer anfangs nur b-b-bei einigen Lauten hakt, bekommt früher oder später immer mehr Worte gar nicht mehr heraus. Die Überwindung, mit Fremden zu sprechen, wächst – und sei es nur beim Einkaufen im Supermarkt.

Als „Körper-Geist-Phänomen“ beschreibt der Logopäde Werner Rauschan deshalb auch das Stottern. In der Therapie steht der Abbau von Ängsten im Vordergrund. „Da gibt es psychologische Anteile, ein wenig Verhaltenstherapie und viel konkretes Training“, so der Stotterexperte. „Insbesondere bei Erwachsenen ist auch ein motorisches Training nötig, um jahrelang eingeschliffene Sprechabläufe zu verändern.“

Am Ende ist in vielen Fällen das Stottern zwar nicht vollständig verschwunden, aber immerhin gut zehn Prozent von Rauschans Patienten stottern nach der Therapie gar nicht mehr. Die übrigen können mit den gelegentlich noch aufkommenden Sprechblockaden umgehen, ihr Leidensdruck verringert sich erheblich.

Aphasien: Sprachstörungen nach Hirnverletzungen

Die meisten Sprachstörungen, die erst im Erwachsenenalter auftreten, sind die Folge von Schädigungen im Gehirn – zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder bei einem Gehirntumor. Fachleute sprechen dann von einer Aphasie. Die oft kaum verständlichen Äußerungen von Aphasikern zeigen eindrücklich, welch komplexe Aufgabe die Sprachzentren im Gehirn normalerweise bewältigen müssen.

Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns beeinträchtigt sind, gelingt es Aphasikern plötzlich nicht mehr, die Grammatik zu meistern oder Bedeutungen und Wörter richtig zuzuordnen – weder beim Sprechen noch beim Verstehen. Auch Lesen und Schreiben gelingen nicht mehr. „Da ist das gesamte Sprachsystem betroffen“, erklärt Sawatzki. Anstelle von „Lampe“ sagt ein Aphasiepatient möglicherweise „Kerze“, aus einem „Tisch“ wird ein „Stuhl“. Obwohl die Begriffe meist verwandt sind, sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Neben einer logopädischen Behandlung erhalten Aphasiker im Idealfall auch eine Musik- und eine Bewegungstherapie. Wieviel die Behandlung ausrichten kann, hängt vom Einzelfall ab – unter anderem von der genauen Diagnose und dem Alter des Patienten. Auf jeden Fall aber gilt hier, wie auch für alle anderen Sprach- und Sprechstörungen: Je eher die Therapie startet, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

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