Auf den Bildern der Bechers sieht man keine Personen, das Licht ist immer matt, was die Schattenwürfe auf ein Minimum reduziert. Es gibt kein hartes Licht, das lange Schatten wirft, keinen blauen Himmel mit dramatischen Wolkeneffekten. Der Himmel ist eher durchgehend in leichtes Grau getaucht. Die Bechers beabsichtigten, mit ihren Arbeiten weder Emotionen zu wecken noch Dramatik heraufzubeschwören. Und dennoch erlebt der Betrachter derartige Stimmungen!
"Gleich nach dem Wasserturm rechts!"
Man kann die Bilder auf verschiedene Arten betrachten, sie erfüllen mehrere Zwecke. Zum einen stellen sie die wunderbare Quelle einer geradezu archäologischen Industriefotografie dar, da zahlreiche abgebildete Objekte mittlerweile verschwunden sind. Die Fotos sind somit Dokumentation der industriellen Veränderungen seit den 1960er Jahren. Zum anderen erfüllen die Bilder auch eine gesellschaftliche Dokumentationspflicht. Oftmals dienten die abgebildeten Objekte als Orientierungspunkte für den Menschen. So nutzte man etwa Wassertürme als Wegweiser - "Gleich nach dem Wasserturm gehst du rechts!". Auch die Formen sind faszinierend - man kann sich stundenlang in die Komplexität der Dinge vertiefen.
Höchste Professionalität und eiserne Disziplin
Bereits als Einzelbild hat jede Aufnahme eine gewisse Kraft. In einer Gruppierung mit anderen Bildern verstärkt sich diese Kraft jedoch um ein Vielfaches. So entdeckt man Ähnlichkeiten in der Form bei Hochöfen in Pittsburgh, Rombas, Lorraine und in Duisburg-Hamborn - Variationen eines Themas. Wenn man zwölf Objekte in einem Rahmen betrachtet, entwickeln sie eine zusätzliche Kraft, sie entwickeln eine Art Wiederholungsmuster - fast wie in Andy Warhols Suppenkonserven-Serie "Campbell's Soup Cans".
Bernd und Hilla Becher sind Tausende von Kilometern gereist, sie haben ihre Objekte stets sorgfältig ausgewählt und dabei eine ungewöhnliche Beharrlichkeit an den Tag gelegt - beim Warten auf "ihre" perfekte Aufnahmebedingung. Ich habe einen gehörigen Respekt vor der höchsten Professionalität und der eisernen Diszipilin diesen beiden Kollegen, denen es gelang, grandiose Architekturfotos hin zu einer eigenen, kreativen Kunst zu entwickeln.



