Harmonische Spiele in Schweden
Die schwedischen Gastgeber sorgten für einen reibungslosen Ablauf der V. Olympischen Sommerspiele, bei denen erstmals Athleten aus allen Kontinenten vertreten waren. Die Organisation der Wettkämpfe und die Gestaltung der Sportanlagen waren mustergültig, so dass die Spiele in Stockholm zum Vorbild für nachfolgende Veranstaltungen wurden.
Vorübergehende diplomatische Differenzen gerieten angesichts der harmonischen Stimmung in den Hintergrund: Der geplante Einzug der Mannschaften hinter Schildern mit aufgedruckten Ländernamen hatte erstmals zu ernsten Protesten geführt: Österreich kritisierte die Teilnahme einer eigenständigen Mannschaft Böhmens, Russland die Teilnahme des zum russischen Reich gehörenden Großherzogtums Finnland. Das IOC gab nach, und die Böhmen und Finnen mussten unmittelbar hinter den Mannschaften Österreichs bzw. Russlands einmarschieren, hatten ein kleineres Schild und mussten auf ihre Flagge verzichten. Lediglich bei der Siegerehrung wurde zusätzlich zur Flagge ein kleinerer Wimpel mit ihren Farben mitgehisst. Ihre Olympiapremiere feierte die Mannschaft Japan.
Erstmals entscheiden Zielfotos
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Insgesamt nahmen ca. 2450 Sportler aus 28 Ländern an den Entscheidungen teil. Die Frauen eroberten mehr und mehr Terrain: Nach ihrem Einstand im Tennis (1900) erhielten sie ab 1912 auch die Startberechtigung bei den Schwimmwettbewerben. Zu den bedeutenden technischen Verbesserungen zählte die elektrische Zeitnahme zur Unterstützung der Handstoppuhren - die Ergebnisse konnten auf Zehntelsekunden genau ermittelt werden - und die Zielfotografie in der Leichtathletik. So entschied beim 1500m-Lauf das Foto über die Vergabe von Silber (Abel Kiviat, USA) und Bronze (Norman Taber, USA).
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Zum zweiten Mal nach Paris 1900 kamen die Reiter zu olympischen Ehren. Ihr Start war auch vier Jahre zuvor in London vorgesehen gewesen, doch hatten die Organisatoren die Vielzahl der Meldungen nicht bewältigt. Die schwedische "Sportphilosophie", dass ein Mensch seinen Körper gleichmäßig auszubilden habe, wirkte sich auch auf das Wettkampfprogramm aus: Im Kugelstoßen, Speer- und Diskuswurf gab es jeweils zwei Entscheidungen. Einmal durften die Athleten nur ihre stärkere Hand benutzen, einmal mussten sie die Rechte und Linke gleichermaßen einsetzen. Neu war der von Coubertin erdachte moderne Fünfkampf (Reiten, Fechten, Schwimmen, Schießen, Geländelauf). Der US-Amerikaner Jim Thorpe gewann den leichtathletischen Fünf- und Zehnkampf. Im folgenden Jahr wurde bekannt, dass der 24-Jährige in seiner Jugend für seine Teilnahme an einem Baseball-Spiel einige Dollars erhalten hatte. Infolge der rigiden Auslegung des IOC-Regelwerks wurde zum ersten Mal ein Sportler als "Profi" disqualifiziert.



