Synästhesie – eine ganz besondere Form der Wahrnehmung
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Synästhesie – eine ganz besondere Form der Wahrnehmung

Bild: Foto: Christoph Rieder, CC0, via Wikimedia Commons

Der Begriff "Synästhesie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Vermischung der Sinne". Noch ist unklar, wie häufig Menschen mit synästhetischen Wahrnehmungen in der Bevölkerung vertreten sind; die Schätzungen variieren von 1:25.000 bis 1:2000. Neueste Vermutungen gehen sogar davon aus, dass jeder 1000. Mensch Synästhetiker sein könnte.

Der Begriff "Synästhesie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Vermischung der Sinne". Noch ist unklar, wie häufig Menschen mit synästhetischen Wahrnehmungen in der Bevölkerung vertreten sind; die Schätzungen variieren von 1:25.000 bis 1:2000. Neueste Vermutungen gehen sogar davon aus, dass jeder 1000. Mensch Synästhetiker sein könnte.

Für einen Menschen mit einfachen Sinnesempfindungen ist die Synästhesie kaum nachvollziehbar. Es ist fast so, als würde man einem Blinden versuchen, das Sehen zu erklären. Die Wochentage in unterschiedlichen Farben sehen? Das Hühnchen kugelförmig schmecken? Die meisten Synästhetiker sehen Worte und Zahlen in Farbe. Für manche von ihnen erscheint der zusätzliche Sinneseindruck in ihrem Inneren, für andere ist es, als hätten sie einen Monitor vor Augen. Wieder andere erfahren die zusätzliche Information quasi "um sich herum", als seien sie darin eingetaucht.

Das Leben als Synästhetiker

Bei dem Phänomen der Synästhesie handelt es sich keineswegs um eine krankhafte Störung, sondern um eine zusätzliche Fähigkeit. Die meisten Synästhetiker empfinden diese wunderbare Eigenschaft als Bereicherung ihres Lebens. Forschungen haben gezeigt, dass es sich hierbei auch nicht etwa um Einbildung handelt, sondern vielmehr um eine Fähigkeit, die auch einen wissenschaftlichen Glücksfall schafft, denn Wissenschaftler erhoffen sich dadurch neue Einblicke in das Funktionieren des menschlichen Bewusstseins. Indirekt kann die Erforschung dieses Phänomens dabei helfen, grundlegende Prozesse der Informationsverarbeitung im Gehirn zu erklären, über die Wissenschaftler bis heute im Dunkeln tappen.

Die meisten Synästhetiker merken schon sehr früh, dass bei ihnen etwas "anders" ist als zum Beispiel bei ihren Schulkameraden. Schon von früher Kindheit an vermeiden die meisten daher so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Aus Angst, als Spinner abgestempelt zu werden, passen sie sich ihrer Umwelt an. Erst durch Berichte zu diesem Thema in Zeitungen oder im Fernsehen wird ihnen bewusst, dass sie tatsächlich eine außergewöhnliche Gabe besitzen - und dass nicht jeder Mensch auf der Welt Zahlen "farbig hört". Vielen hilft es, sich mit anderen Synästhetikern auszutauschen. Hier können sie ohne mit der Wimper zu zucken sagen, dass sie sich heute "orange" fühlen oder dass man Chopin so gerne hört, weil er hauptsächlich "gelbe Musik" geschrieben hat.

Wo und wie ist Synästhesie nützlich?

Viele berühmte Künstler, darunter Namen wie Kandinsky, Nabokov und Goethe, waren Synästhetiker. Wer sich näher mit dem Phänomen befasst, wird in der Tat feststellen, dass die meisten Synästhetiker in kreativen oder künstlerischen Berufen tätig sind. Außerdem sind wesentlich mehr Frauen (man spricht von 80 Prozent) von dem Phänomen betroffen als Männer und man vermutet, dass die Eigenschaft vererbt wird. Außerdem sollen Synästhetiker über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügen.

Viele dieser Menschen haben nicht nur diese besondere Art der Wahrnehmung, sondern scheinen überhaupt empfindlichere Antennen zu haben. Tatsächlich findet man bei Synästhetikern eine besondere innere Festigkeit und Ausgeglichenheit. Sie haben eine bemerkenswert starke Ausprägung von "Angstfreiheit", psychischer Stabilität und innerer Geborgenheit. Auffallend häufig berichten Synästhetiker von Déjà-vu-Erlebnissen, über voraussehende Träume sowie telepathische und hellseherische Fähigkeiten.

Synästhesie ist nicht erlernbar. Sie ist eine angeborene Eigenschaft. Synästhetiker zeichnen sich u.a. durch ein erstaunliches Gedächtnis und hohe Kreativität aus. Dadurch, dass die meisten von ihnen sich Zahlen und Buchstaben anhand der jeweiligen Farben leicht merken können, fällt es ihnen auch nach Wochen und Monaten nicht schwer, aus dem Gedächtnis eine vollständige Adresse und Telefonnummer, eine komplette Textstelle oder ein Gedicht korrekt wiederzugeben. So war die Praktikantin eines Steuerberaters sehr schnell bei ihren Kollegen beliebt, weil sie sich bereits nach der ersten Woche jede Mandantennummer ohne Mühe merken konnte. Dadurch mussten die Kollegen nicht jedes Mal erst lange nachschlagen, sondern konnten sie einfach nach der Nummer fragen, was wiederum viel Zeit sparte.

Viele Synästhetiker machen sich als Künstler einen Namen, indem sie die synästhetischen Erlebnisse in ihre Kunst einfließen lassen und beispielsweise Beethovens 9. Symphonie als buntes Gemälde darstellen oder ihre synästhetischen Wahrnehmungen in Gedichtform niederschreiben.

Manche Menschen rechnen auch farbig. Bei einer Probandin wurde eine Variante des sogenannten Stroop-Tests durchgeführt, d.h. ihr wurden Zahlen vorgelegt, die unterschiedlich gefärbt waren. Stimmten für die Probandin Zahl und Farbe überein, fand sie diese bedeutend schneller auf dem Blatt, als wenn die Zahl in der "falschen" Farbe geschrieben war. Gleiches wurde anschließend mit kompletten Rechenaufgaben versucht. So wurde z.B. das Ergebnis von 2+5 erfragt. Es standen verschiedene Antworten zur Auswahl, wobei außerdem jedes Ergebnis in einer anderen Farbe geschrieben war. Alle angezeigten Zahlen und ihre zugehörigen Farben stimmten in dem Fall für die Frau überein. Es stellte sich heraus, dass die Probandin das richtige Ergebnis dadurch wesentlich schneller auf dem Bogen fand, als Nicht-Synästhetiker.

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