Temporäre Selfies - bleibende Eindrücke
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Temporäre Selfies - bleibende Eindrücke

Bild: Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Selfie im Weihnachtspulli vorm Tannenbaum oder ein Video von der feuchtfröhlichen Silvesterparty: Solche Inhalte wollen wir liebend gerne mit unseren Freunden teilen. Doch werden sie für die Ewigkeit im Netz festgehalten, kann uns das noch Jahre später zum Verhängnis werden – zum Beispiel bei der Stellensuche. Denn dass Personaler bei der Auswahl der Bewerber auch in den sozialen Medien recherchieren und ihre Entscheidung von dem, was dort zum Vorschein kommt, maßgeblich beeinflusst wird, ist ein offenes Geheimnis.

Ein Selfie im Weihnachtspulli vorm Tannenbaum oder ein Video von der feuchtfröhlichen Silvesterparty: Solche Inhalte wollen wir liebend gerne mit unseren Freunden teilen. Doch werden sie für die Ewigkeit im Netz festgehalten, kann uns das noch Jahre später zum Verhängnis werden – zum Beispiel bei der Stellensuche. Denn dass Personaler bei der Auswahl der Bewerber auch in den sozialen Medien recherchieren und ihre Entscheidung von dem, was dort zum Vorschein kommt, maßgeblich beeinflusst wird, ist ein offenes Geheimnis.

Hier kommen "vergängliche" soziale Medien wie Snapchat oder Instagram Stories wie gerufen – Formate, bei denen Inhalte nach einer kurzen Zeit automatisch wieder gelöscht werden. Auf den ersten Blick erscheint die Vergänglichkeit der Daten als Wundermittel, welches dem Drang sich mitzuteilen und der Wahrung der Privatsphäre gleichermaßen entgegenkommt. Tatsächlich werden solche Plattformen immer beliebter: Snapchat hat inzwischen rund 150 Millionen Nutzer. Die Instagram Stories verwenden etwa 250 Millionen Menschen regelmäßig.

Kurzer Eindruck, lange Wirkung

Letztlich können Inhalte, die nicht mehr existieren, uns später nicht mehr zu schaffen machen, so die gängige Meinung. Oder doch? Eine verhaltenswissenschaftliche Untersuchung von Forschern um Reto Hofstetter von der Universität Luzern deutet nun darauf hin, dass Vergänglichkeit zwar das Problem des späteren Wiederauftauchens bestimmter Informationen löst. Trotzdem scheinen auch vergängliche Inhalte bleibende Eindrücke zu hinterlassen.

Bekannt war bereits, dass erste Eindrücke häufig lange haften bleiben. Folglich kann etwa ein indiskretes Foto längerfristig einen negativen Eindruck hinterlassen – auch wenn es nur temporär geteilt wurde. Zusätzlich fanden die Wissenschaftler heraus: Sehen Betrachter unangemessene Inhalte, beziehen sie dies direkt negativ auf das Urteilsvermögen der Person, die diese geteilt hat. Dass der Beitrag ja nur kurzzeitig öffentlich ist, entschuldigt aus ihrer Sicht beispielsweise ein peinliches Selfie nicht.

Unangemessen bleibt unangemessen

Während wir also glauben, unter dem Schutzschirm der Vergänglichkeit weiter gehen zu können als normalerweise, sehen Betrachter das in der Regel anders. Solche Asymmetrien in der Beurteilung des Verhaltens anderer sind in der Sozialpsychologie bereits hinreichend dokumentiert: Betrachter beziehen das Verhalten von Akteuren auf deren Persönlichkeitsmerkmale und nicht auf situative Faktoren – Akteure denken dagegen genau umgekehrt.

Folglich wird der Eindruck, der beim Betrachter des Fotos entsteht, primär vom Inhalt auf dem Foto beeinflusst und weniger davon, auf welcher Plattform das Foto genau geteilt wurde. Diese Problematik wird den Forschern zufolge dadurch verstärkt, dass die Vergänglichkeit von Daten das Teilen von sensiblen Inhalten generell noch fördert.

"Permanent in schlechter Erinnerung"

Auch wenn der Personaler das temporäre Selfie später nicht mehr finden wird. Wer heute bestimmte Inhalte von uns sieht, kann das noch Jahre danach in die Bewertung unserer Person einfließen lassen: "Auch beim Teilen von Inhalten über Snapchat und Instagram Stories sollte man sich den möglichen längerfristigen Konsequenzen bewusst sein", sagt Studienautor Hofstetter.

Aus den Ergebnissen werde ersichtlich, dass der Eindruck beim Betrachter haften bleibe, auch nachdem das Foto nicht mehr verfügbar ist. "Zusätzlich achten die Betrachter weniger darauf, wie geteilt wird – ob auf einer temporären oder einer permanenten Plattform –, sondern vielmehr darauf, was geteilt wird." Unangemessene Inhalte würden deshalb nicht automatisch akzeptiert, nur weil diese über Snapchat oder Stories geteilt wurden. "Kurz zusammengefasst: Temporäre Inhalte können permanent in schlechter Erinnerung bleiben", schließt der Wissenschaftler.

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