Tod auf Djerba
Es ist der 11. April 2002, genau sieben Monate nach den verheerenden Terrorangriffen auf Big Apple, als sich eine 45-köpfige Touristengruppe aus Deutschland auf den Weg zu einer Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba macht, ohne dabei zu ahnen, welch schreckliches Leid ihr an diesem unscheinbaren Tag wiederfahren wird. La Ghriba gilt als das älteste jüdische Gebetshaus in Afrika. Und auf eben dieses hat es der tunesische Attentäter Nizar Ben Mohammed Nawar abgesehen. Tatwerkzeug ist ein mit Propangas beladener Kleinlastwagen, welchen Nawar unmittelbar vor dem Gotteshaus explodieren lässt. Die Detonation reißt 19 Menschen in den Tod, darunter 14 deutsche Urlauber. Ermittlungen ergeben, dass sich der Tunesier 2000 in einem Trainingscamp der Al-Qaida in Afghanistan aufgehalten habe.
Explosionen auf Bali
Das bis dato schwerste terroristische Verbrechen seit 9/11 ereignet sich im Oktober 2002. Mindestens 191 Menschen kommen ums Leben, hunderte weitere werden zum Teil schwer verletzt, als auf der, besonders bei Australiern, beliebten Urlaubsinsel Bali fast zeitgleich zwei Sprengsätze hochgehen. Diese sind in Autos deponiert, welche vor einem beliebten Café und einer Bar in Kuta Beach, einem Stadtteil der Inselhauptstadt Denpasar, parken. Auch vor dem Gebäude des US-Konsulats wird eine Explosion gemeldet. Dort kommt jedoch niemand zu Schaden. Vor dem Urlauberclub bietet sich indes ein Bild des Verwüstung. Die Bombe hinterlässt in der Straßendecke einen über fünf Meter breiten Krater. Überall liegen Leichen, von denen die meisten australische Urlauber sind. Auch sechs Deutsche sind unter den Todesopfern. Bali gilt bis dahin, im Gegensatz zu manch anderen indonesischen Inseln, als sicher. Auch dieser Anschlag geht auf das Konto von Al-Qaida und Osama bin Laden.
Chaos in Madrid
Schließlich erreicht der Terror Europa. Eine wahre Bombenflut überschwemmt am 11. März 2004 die spanische Hauptstadt Madrid. Terroristen zünden insgesamt zehn Sprengkörper in vier Vorortzügen und das mitten im frühen Berufsverkehr zwischen 7.39 und 7.41 Uhr. So sind unter den 191 Todesopfern und weit über 1000 Verletzten vornehmlich Berufspendler, Schüler und Studenten. Die in mehreren Reisetaschen und Rucksäcken versteckten Sprengladungen werden mit Hilfe eines Handys annähernd zur gleichen Zeit ferngezündet. Besonders betroffen von den Anschlägen ist der Bahnhof Atocha, einer der Verkehrknotenpunkte von Madrid, an dem alle wichtigen Fernzüge und besonders frequentierte U- sowie S-Bahnen zusammenlaufen. Hier und an den anderen Bahnhöfen spielen sich während und nach den Detonationen dramatische Szenen ab. Menschen irren verletzt umher, warten auf ihren Transport in die umliegenden Krankenhäuser, andere wiederum werden erst noch aus den teilweise stark zerstörten Waggons geborgen. Einige der Opfer können noch gar nicht fassen, was passiert ist und sitzen geradezu apathisch an den Gleisen. Wie sich später herausstellt, werden in den hochgradig zerstörten Zügen drei weitere Bomben gefunden und kontrolliert zur Detonation gebracht. Drahtzieher dieser Anschläge sind nicht, wie zunächst vermutet, Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA, sondern ebenfalls Al-Qaida-Anhänger.
Blutbad in London
Der letzte schwere Schlag gegen die westliche Zivilisation erfolgt am 7. Juli 2005 in London. Wie an jedem Donnerstag sind auch diesmal zu früher Stunde massenhaft Schüler, Studenten und Pendler unterwegs, einige befinden sich bereits in Vorfreude auf das anstehende Wochenende. Was sie nicht wissen: Unter ihnen sind auch vier Sprengstoffattentäter, jeder von ihnen fest entschlossen, sich und die anderen Fahrgäste in die Luft zu sprengen. Die Tat gelingt. Sie und weitere 52 Menschen in drei U-Bahnen sowie einem Doppeldeckerbus sterben, 350 werden verletzt. Was viele überrascht: Drei der Attentäter besitzen die britische Staatsbürgerschaft. Zwei Wochen nach den verheerenden Anschlägen kommt es erneut zu einer Attentatsserie, welche jedoch glimpflich ausgeht, da lediglich die Zünder detonieren, nicht aber die Bomben. Niemand wird verletzt.
Einen Tag darauf erschießt ein Polizeibeamter in der Londoner U-Bahn einen vermeintlichen Terrorverdächtigen, den 27-jährigen Elektriker Jean Charles de Menezes aus Brasilien. Wie sich jedoch im Nachhinein herausstellt, war Menezes völlig harmlos und daher zu Unrecht für einen Attentäter gehalten worden. Die Londoner Polizei gerät in die Kritik, verteidigt ihren Umgang mit mutmaßlichen Selbstmordattentätern jedoch mit dem Grundsatz: "Shoot to kill" ("Schießen, um zu töten").
Auf die britische Hauptstadt scheinen es die Terroristen besonders abgesehen zu haben. Die erst kürzlich verhinderten Anschläge auf Passagierflüge in die USA machen dies noch einmal deutlich. Die Kofferbomben von Dortmund und Koblenz sind indessen ein Zeichen dafür, dass auch Deutschland inzwischen zu einem potenziellen Ziel von Anschlägen geworden ist.



