Therapeutisches Klonen
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Therapeutisches Klonen

Bild: Foto: Tess Mattew, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beim therapeutischen Klonen werden menschliche Eizellen benötigt. Nicht nur deshalb ist therapeutisches Klonen Stein des Anstoßes für Kritiker.

Ein Wunschtraum von Ärzten schien in Erfüllung zu gehen: Aus einer Hautzelle eines Patienten einen Klonembryo herstellen, der dann in einer Petrischale zu einer Kultur embryonaler Stammzellen wird. Zum einen sind diese Zellen Alleskönner (pluripotent), denn aus ihnen lassen sich im Labor all jene Gewebe hergestellen, die der Patient gegen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Diabetes braucht. Zum anderen stammen diese Stammzellen aus einem Klonembryo des Patienten, tragen dessen Erbgut und werden deshalb nach der Transplantation nicht abgestoßen. Dass dieses "therapeutische Klonen" im Prinzip funktioniert, haben 2003 Versuche des Klonforscher Rudolf Jaenisch (Whitehead Institute, Cambridge, USA) an Mäusen gezeigt.

Doch die Idee des therapeutischen Klonens wurde vom Fortschritt überholt. Denn seit 2006 gibt es einen einfacheren Weg zu einer patientenkompatiblen Gewebezucht – der noch dazu ethisch unumstritten ist, weil nicht wie beim therapeutischen Klonen menschliche Eizellen benötigt bzw. Embryonen zerstört werden müssen: Das Reprogrammieren. Der Japaner Shinya Yamanaka von der Kyoto University zeigte 2006, dass Hautzellen nur durch das Einschalten von vier speziellen Genen so verwandelt (reprogrammiert) werden können, dass sie sich wie embryonale Stammzellen verhalten.

Die innere Uhr der Hautzelle zurückdrehen

Die vier Gene drehen dabei gewissermaßen die innere Uhr der Hautzelle zurück. Das Erbgut wird darauf getrimmt, sich wie eine embryonale Zelle zu verhalten, die noch das ganze Leben vor sich hat und sich in verschiedene Gewebetypen entwickeln kann. Diese "induzierten pluripotenten Stammzellen" (ipS-Zellen) sind ebenso Klone des Patienten wie sie per therapeutischem Klonen hergestellt werden. Allerdings ist das Reprogrammmieren technisch wesentlich simpler, so dass mittlerweile in vielen Labors weltweit ipS-Zellen erforscht werden. Ob sich ipS-Zellen als Quelle für Ersatzgewebe bewähren werden, ist allerdings noch offen. Schon jetzt ist die Reprogrammiertechnik aber ein unverzichtbares Werkzeug, um aus defekten Patientenzellen ipS-Zellkulturen anzulegen, an denen sich die Entstehungsgeschichte von Krankheiten im Labor studieren lässt und Wirkstoffe zu deren Behandlung testen lassen.

Therapeutisches Klonen wird nicht mehr verfolgt, denn eine Anwendung der Technik in der Klinik hätte – neben ethischen Bedenken aufgrund des Verbrauchs menschlicher Embryonen – erhebliche logistische Nachteile: Für einen einzigen Klonvorgang werden Hunderte von Eizellen benötigt, so dass für einen klinischen Routineeinsatz unzählige Frauen Eizellen spenden müssten. Denn für jeden Parkinson-, Alzheimer- oder Diabetes-Kranken müsste eigens eine Stammzelllinie geklont werden. Ein aufwändiger und teurer Prozess.

Doch ob man nun die Technik des therapeutischen Klonens oder des Reprogrammierens wählt – am Ende gibt es nur einen Stammzellklon des Patienten, der erst noch in ein transplantierbares Gewebe umgewandelt werden muss. Und es ist kein Kinderspiel, aus undifferenzierten Stammzellen insulinproduzierende Zellen für Diabetiker oder spezielle Hirnzellen für Alzheimer- und Parkinsonkranke zu züchten. Die dafür nötigen Techniken müssen erst noch entwickelt und getestet werden. Forscher fürchten vor allem, dass die im Labor gezüchteten Zellen defekt oder entartet sein könnten, und im Körper des Patienten zu Krebsherden heranwachsen könnten.

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