Träume - Kino im Kopf
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Träume - Kino im Kopf

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

In jedem steckt ein Träumer: Und auch diejenigen, die sich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern können, haben garantiert geträumt. Jede Nacht laufen die verrücktesten Filme in unseren Köpfen - fröhlich, mystisch oder aber bedrückend und ängstigend. Von der langweiligen Daily Soap bis zum Agenten-Thriller oder dem erotischen Liebesfilm: Das ganz private Heimkino ist wichtig für die Seele.

Schlaf-Wissenschaft

Jede Nacht schlummert man sich durch unterschiedliche Phasen: Es beginnt mit dem Einschlafstadium, dann kommt der leichte Schlaf und schließlich die Tiefschlafphase. In jeder dieser Phasen weist das Gehirn charakteristische elektrische Wellen auf. Und dann gibt es noch den so genannten REM-Schlaf. REM steht für "Rapid Eye Movement", also "schnelle Augenbewegung". Und wahrlich zucken die Augen während dessen unter den Lidern heftig ihn und her.

Der REM-Schlaf galt nach seiner Entdeckung 1953 lange Zeit als die eigentliche Traumphase. Denn die Schlummergeschichten während dieser Momente sind dramatisch und emotional. In rund 80 Prozent aller Fälle berichten vom REM-Schlaf Erweckte, dass sie gerade geträumt hätten. Doch heute weiß man: Auch in den anderen Phasen wird geträumt. Allerdings eher rational, geradezu realistisch: In 60 Prozent aller Weckungen aus Non-REM-Schlaf werden Tageserinnerungen, Gedanken und Traumbruchstücke erinnert.

Doch was ist eigentlich ein Traum? Tagsüber kommen Reize von außen und werden über Nervenbahnen zu den entsprechenden Wahrnehmungsbereichen des Gehirns weitergeleitet. Doch während des Schlafs wird das Großhirn von innen heraus aktiviert: Man läuft, sieht, riecht, schmeckt und fühlt - ohne es wirklich zu tun. Das Stammhirn als ältestes unserer Gehirnteile, regelt rhythmische Funktionen des Nervensystems wie Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur, Schlaf und Wachsein. Ein Zellgeflecht im Hirnstamm fängt vor Beginn einer REM-Phase kräftig zu "feuern" an: Das löst die heftigen Augenbewegungen, die elektrischen Aktivitäten im Großhirn und Muskelzuckungen aus. Selbst Herz- und Atemfrequenz können während des Schlafes ganz normale Tageswerte erreichen. Charakteristisch für Träume ist die gemeinsame Reizung verschiedener Teilbereiche, die tagsüber nur selten zusammen aktiviert werden.

Der große Regisseur "Gehirn"

Die nächtlichen Hirn-Eskapaden sind nicht nur willkürliche Produkte überaktiver Schläfer, sondern wichtiger Bestandteil der Hirnfunktion. Die Traumbilder regulieren das Tagesbewusstsein: Sie bauen psychische Spannungen ab, geben Denkanstöße und machen auf Dinge aufmerksam, die sich dem Bewusstsein ansonsten verschließen. Träume wirken als Ventil. In ihnen manifestieren sich laut Freud unterdrückte Energien. Während die unterbewussten Wünsche und Triebe tagsüber auf Grund einer Art "Zensurstelle" nicht ins Bewusstsein vordringen, machen sie sich des Nachts Luft. Allerdings nicht in Reinform, sondern maskiert und in Symbolen verschlüsselt, weil das Bewusstsein sie ansonsten wieder abwehren würde. Und wer lernt, die Traumsymbolik für sich zu entschlüsseln, kann wertvolle Schlüsse aus dem nächtlichen Tohuwabohu ziehen. Denn Träume konfrontieren den Schlafenden nicht nur mit geheimen Wünschen und Ängsten, sondern auch mit konkreten Lösungsvorschlägen - also öfter mal auf seine Traumstory hören. Schon der Volksmund weiß, das man über Probleme am Besten eine Nacht schlafen soll.

Instinkte, Intuition: Das Traumbewusstsein gilt bei einigen Psychologen als das ältere Bewusstsein - und das sensiblere. Die Innenwahrnehmung soll stärker sein: Drohende Krankheiten und innere Bedürfnisse werden intensiver wahrgenommen. Beim modernen Menschen scheint tagsüber die logisch-abstrakte und realitätsorientierte linke Gehirnhälfte zu dominieren. Diese Dominanz wird im Traum aufgehoben: Der emotionale und bildhafte Charakter der Trauminhalte enthält viele Merkmale der rechten Gehirnzuständigkeit. Auch haben Messungen der "Hirnelektrik" gezeigt, dass sich die elektrische Aktivität des Gehirns zu Beginn jeder REM-Phase nach rechts verlagert. Eine künstliche Reizung der rechten Hälfte löst traumartige Zustände aus - die betroffenen Patienten erleben Realität und Halluzination parallel nebeneinander. Eine Verletzung der rechten Hemisphäre führt in manchen Fällen sogar zum totalen Verlust der Traumfähigkeit. Demzufolge spekulieren Forscher, dass der REM-Schlaf den Ausgleich schaffen soll zwischen der tagsüber "unterbeanspruchtem" rechten Hemisphäre und der dominierenden linken Hälfte.

Auch wenn man sich meistens nicht mehr an die nächtlichen Szenarios erinnern kann: Die Stimmung aus den Traumszenarien schwingt oft mit in den Tag hinein, kann stundenlang anhalten. Die Wechselwirkungen zwischen Traum und Realität sind nachhaltig. Träume sind einerseits Indikatoren für die psychische und seelische Befindlichkeit, andererseits beeinflussen sie dieselbe. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Menschen, denen der REM-Schlaf versagt bleibt, aggressiv und ängstlich werden, sogar unter Halluzinationen leiden.

Träume sind Schäume?

Hat man den Dreh gefunden, kann man aktiv in seine nächtlichen Bildergeschichten eingreifen. Einfach die Inhalte immer wiederkehrender Träume am Tage in Erinnerung rufen und die Handlung "zurechtbiegen". Wer das in seinen nächtlichen Träumen beherrscht, soll auch seine Wunschträume im realen Leben leichter verwirklichen können. "Luzides Träumen" nennen Wissenschaftler die Fähigkeit, Traumhandlungen bewusst zu nutzen. Dieses Phänomen lässt sich auch zur Steigerung der eigenen Kreativität nutzen: Auf der Suche nach neuen Ideen kann man sich vor dem Einschlafen fest vornehmen, etwas zu einem bestimmten Thema oder einer Aufgabe zu träumen.

Dabei gibt es ein kleines Problem: Die Traumbilder verblassen schnell. Tatsächlich gibt es so eine Art "Merkschwelle": Botenstoffe, die ansonsten die Informationen in das Langzeitgedächtnis transportieren, sind während des Schlafs still gelegt. Erst beim Aufwachen werden sie wieder aktiviert - und übrig gebliebene Traumssequenzen im Gedächtnis gespeichert. Die Traum-Erinnerung kann man üben: Menschen, die autogenes Training betreiben, können durch Autosuggestion Traumbilder besser speichern.

Für wen das Ganze nun etwas zu esoterisch klingt, kann sich auf die Seite der Neurobiologen schlagen und den Sinn von Träumen eher nüchtern betrachten: Träume sollen ein Trainingsfeld zur Erprobung möglicher Lebenssituationen sein oder der Einübung und Programmierung angeborenen Instinktverhaltens dienen. Sie könnten auch lediglich ein Versuch des Großhirns sein, den zufälligen Stimulationen einen Sinn zu geben. Und das spinnt jede Nacht aufs Neue kunterbunte Geschichten.

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