Umgang mit Besuchern
Leben & Lifestyle

Umgang mit Besuchern

Bild: Foto: Horst Sturm, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Was Sie von Ihren (Groß-)Eltern gelernt haben, gilt im gesellschaftlichen Leben auch heute noch: Herren stehen zur Begrüßung auf, es sei denn bei der Begrüßung eines erheblich jüngeren Herrn. Damen bleiben sitzen, es sei denn bei der Begrüßung einer erheblich älteren Dame.

Aufstehen

Was Sie von Ihren (Groß-)Eltern gelernt haben, gilt im gesellschaftlichen Leben auch heute noch: Herren stehen zur Begrüßung auf, es sei denn bei der Begrüßung eines erheblich jüngeren Herrn. Damen bleiben sitzen, es sei denn bei der Begrüßung einer erheblich älteren Dame.

Im Geschäftsleben und häufig auch im privaten Bereich steht zur Begrüßung jeder für jeden auf. Auf anschauliche Weise signalisiert das: "Sie sind es mir wert, dass ich mich für Sie mobilisiere." Außerdem stellen Sie dadurch eine gemeinsame Kommunikationsebene her.

Wenn Sie beim Aufstehen für die Begrüßung Ihre Kostümjacke / Ihr Jackett schließen, drücken Sie aus, dass Sie sich für den Gast bereit machen. Das wird er positiv bewerten. Aus dem gleichen Grund hat Ihre linke Hand in der Hosentasche nichts zu suchen - vor allem nicht bei der Begrüßung.

Grüßen und begrüßen

Wer zuerst sieht, grüßt zuerst. Das heißt, er sagt entsprechend seiner Rolle "Guten Tag" oder "Hallo".

Die Entscheidung darüber, wie weit die Nähe in der Begegnung gehen darf, ob eine Berührung stattfindet oder nicht, sollte dem "Mächtigeren" überlassen bleiben.

Im Geschäftsleben gilt folgende Fraustregel:

  • Rang innerhalb eines Unternehmens vor
  • Ort (Gastgeber reicht dem Gast die Hand und nimmt ihn damit in seine Umgebung auf) vor
  • Alter (die ältere Person reicht der jüngeren die Hand) vor
  • Geschlecht (die Dame begrüßt den Herrn). Diese Gebräuche verschwinden mit wachsender Gleichberechtigung jedoch immer mehr.

Handkuss und Bussibussi gehören nicht ins Büro. Sie sind auf den gesellschaftlichen bzw. privaten Kontakt beschränkt.

Du und Sie

Bei der verbalen Annäherung gelten die gleichen Spielregeln wie bei der Berührung: Sie kann angeboten, aber nicht gefordert oder erbeten werden. Es gilt:

  • Ob Sie sich betriebsintern duzen, entscheidet Ihr Miteinander. Für die Dauer eines Seminars, eines Workshops oder während eines Projektes können sich die Beteiligten auf das zeitlich begrenzte "Du" einigen.
  • In der IT-Branche ist das kollektive "Du" weiter verbreitet als bei konservativen Banken oder Versicherungen.
  • Ob Sie Ihre Kollegen vor Kunden duzen, entscheiden Ihre Firmenphilosophie und das Image, das Sie nach außen vermittlen wollen.
  • Ob Sie sich mit Kunden duzen? Wenn Sie mit ihnen aufgewachsen sind, ja. Wenn Sie mit Ihnen Sport treiben, klären Sie einvernehmlich ab: Ob Sie das Du auf den gemeinsamen Freizeitbereich beschränken wollen - wie das z.B. beim Berg-Du oberhalb von 1.600 Metern üblich ist - oder ob das Angebot generell gelten soll. Wägen Sie Vor- und Nachteile gut ab. Im Zuge der Corporate Identity des Unternehmens kann ein einheitliches Verhalten des Teams im Kundenkontakt sinnvoll sein.
  • Das Hamburger Sie - "Kim, würden Sie bitte..." - ist im Kommen, das Münchner Du - "Frau Grantlhuber, schau ..." - ist es nicht.

Die korrekte Anrede

Nicht nur Adel verpflichtet. "Vergessen Sie nicht, dass das liebste Wort eines jeden Menschen sein eigener Name ist." Diese Einschätzung von Dale Carnegie ist möglicherweise übertrieben, dennoch entspricht es dem Bedürfnis nach Anerkennung einer Person, wenn Sie sie korrekt ansprechen.

  • Die Anrede Fräulein ist abgeschafft und wird nur auf Wunsch verwendet. Einem älteren Herren mag man diese veraltete Form noch als "persönliche Note" nachsehen, weil er ein Kavalier der alten Schule ist - verwendet sie ein Geschäftspartner, kann dies schnell als Beleidigung im Sinne von "alter Jungfer" interpretiert werden.
  • Doppelnamen und akademische Grade werden so lange genannt, bis der Namensträger Ihnen anbietet, eine light-Variante des Namens zu verwenden.
  • Titel sowie eine Amtsbezeichnung gehen nicht auf Ehepartner über. Aber: je ländlicher, je südlicher, je stärker an die Identität der Funktion des Partners gebunden - desto größer ist die Erwartung, dass Sie die Ehefrau z.B. eines Fabrikbesitzers mit "Frau Direktor" oder die eines Verwaltungsbeamten mit "Frau Bürgermeister" ansprechen.
  • Akademische Grade werden ab dem Doktor genannt. Dass Kollegen untereinander die Grade und Titel weglassen, ist keine Einladung für Sie, es ihnen gleich zu tun.
  • Bei Titelhäufungen wird der höchste Titel genannt. Herr Professor Dr. med. Dr. phil. Karl Allweiß wird mit "Herr Professor Allweiß" angesprochen, von seinen Studenten mit "Herr Professor".
  • Verliehene - auch nicht akademische - Titel werden genannt. Ein Senator ist ein "Herr Senator". Eine ehrenhalber ("honoris causa") promovierte Dame, die auf der Visitenkarte ihren Grad mit "h. c." illustrieren muss, ist für Sie "Frau Doktor Soundso".
  • Weibliche Formen sind - außer beim Doktorgrad - im Kommen: "Frau Ministerin", "Frau Bischöfin", "Frau Professorin".
  • Berufsbezeichnungen sind nicht anredefähig. Rechtsanwalt Bräutigam ist für Sie "Herr Bräutigam".
  • Ehrentitel ("Kammersänger") und Amtsbezeichnungen ("Oberbürgermeister") sind im repräsentativen Kontext anredefähig, jeweils mit "Frau / Herr" davor und ohne Nennung des Familiennamens: "Frau Oberbürgermeisterin".
  • Hohe Repräsentanten des Staates ("Minister") werden eher mit ihrer Amtsbezeichnung, ehemalige Repräsentanten mit dem aktuellen bzw. ohne Titel angesprochen. Den Zusatz "a. D." nur in der Anschrift verwenden.
  • Bei Personalunion von Amts- und Funktionsbezeichnungen ("Bürgermeister" und "Vereinsvorsitzender") können Sie a. die höhere wählen, b. nach dem Kontext differenzieren.
  • Vize-Präsidenten werden mit "Herr Präsident" angesprochen.
  • Bei Adligen werden die Anredeformen "Frau / Herr" sowie die Präposition "von" in Verbindung mit anderen Adelsbezeichnungen nicht gesprochen. So heißt es zwar "Guten Tag, Frau von Meier“, aber “Guten Morgen, Doktor Gräfin Schönhaus“ oder “Ein schönes Wochenende, Baron Schluss“.
  • Seit 1919 sind Adelsbezeichnungen ("Graf von") Teil des Namens, alle dem Namen vorangestellten oder ihn ersetzenden Prädikate ("Ihre Durchlaucht") sowie Abkürzungen ("S.K.H.- Seine Königliche Hoheit") entfallen. Im gesellschaftlichen Umgang werden sie jedoch sehr gern verwendet. Wie sagte der Londoner Benimm-Papst John Morgan "You can never go wrong with convention - Mit konventionellen Formen können Sie nie falsch liegen."

Richtig vorstellen

Nennen Sie Ihren Vornamen vor dem Nachnamen: Ihr Vorname vervollständigt das Bild, das sich Ihr Gegenüber von Ihnen als Gesamtperson macht. Er reduziert bei gängigen Nachnamen die Verwechslungsgefahr und seine Nennung ist international üblich. "Herr" und "Frau" gehören als Anrede-Wörter nicht in die Nennung des eigenen Namens hinein, genauso wenig wie ein akademischer Grad oder Adelstitel.

Die Visitenkarte

Reichen Sie Ihrem Gesprächspartner bei der ersten geschäftlichen Begegnung Ihre Visitenkarte - als Merkhilfe und um seine zu bekommen. Würdigen Sie die Karte des andern: Schauen Sie sie an, nutzen Sie sie, wenn eben möglich, für Ihr Gespräch. Sie können ihr z.B. die Funktion Ihres Gegenübers in der Firma entnehmen. Bei privat-gesellschaftlichen Begegnungen werden keine Karten ausgetauscht; es obliegt dem Gastgeber, die Folgekontakte herzustellen.

Andere einander vorstellen

Machen Sie Ihre Gäste oder Geschäftspartner miteinander bekannt, anstatt sie sich selbst zu überlassen.

Wissen ist Macht: Die wichtigste Person erhält alle Informationen zuerst – vergessen Sie nicht, die "wichtigere" Person auch zu präsentieren. Wer die wichtigere Person ist, ist der Rangfolge zu entnehmen.

Innerhalb eines Unternehmens gilt ausschließlich die hierarchische Folge: Der Vorgesetzte wird vor dem Mitarbeiter informiert. Gilt - außerhalb des Unternehmens - die Hierarchie nicht, wird der Kunde vor dem Anbieter informiert. Gibt es auch diesen Unterschied nicht, wird die anwesende Person vor der ankommenden Person informiert. Auf neutralem Terrain wird der Ältere vor dem Jüngeren informiert. Und gibt es auch hier keine signifikanten Unterschiede, wird die Dame zuerst informiert und dann der Herr. Die Ausnahme: Die Ehefrau wird dem Fremden auf neutralem Terrain zuerst vorgestellt; ist sie Gastgeberin, jedoch zuerst informiert.

Eine typische Vorstellung hört sich so an:

"Es freut mich, dass Sie sich nun kennen lernen. Carola Meier, unsere neue Marketingleiterin. Herr Dr. Thomas Holzer, der Geschäftsführer der ABC & Co KG"

Im Idealfall schütteln sich die beiden neuen Bekannten daraufhin die Hand und nennen zur Begrüßung den Namen des Gegenübers. Das US-amerikanische "Nice to meet you" ist im Deutschen nur unvollkommen mit "Angenehm" übersetzt. Eine persönliche Bemerkung klingt ansprechender: "Jetzt haben wir schon so oft telefoniert. Schön, dass ich nun zur Stimme das Gesicht kennen lerne."

Binden Sie Ehepartner umgehend ins Gespräch ein: Halten Sie Blickkontakt, hören Sie aktiv (mit Nicken usw.) zu, stellen Sie Motivationsfragen.

Ehepartner/innen werden mit vollem Namen vorgestellt, jedoch - und das ist wie bei der Selbst-Vorstellung - ohne akademische Grade und Titel. “Das ist meine Frau, Elvira Schulze-Meier“, ist korrekt. “Meine Gattin“ dagegen ist es nicht, nicht nur weil das Wort “Gattin“ veraltet ist, sondern weil es auch traditionell nur auf die Partnerinnen anderer bezogen ist.

Bei der Vorstellung von Lebensgefährten in einen bestehenden Kontakt bieten sich verschiedene Varianten:

  • wenn es leicht hausbacken sein darf: meine Verlobte,
  • wenn das Ende der Beziehung in Sicht ist: meine Bekannte,
  • wenn das Ende der Beziehung als wahrscheinlich angenommen wird: meine Lebensabschnittsgefährtin; da kann "er" seine Begleiterin auch gleich als zukünftige Ex-Freundin präsentieren,
  • wenn es gewichtig klingen soll: meine Lebenspartnerin,
  • zur Provokation von prüden Herrschaften: meine Geliebte,
  • wenn's richtig ernst ist und das Paar zusammen lebt: meine Frau plus Namen,
  • für junge Leute und zwecks Understatement: meine Freundin. Der Freund kann ja durch eine kleine Geste unterstreichen, was das unprätentiöse Wort für beide bedeutet. Körpersprache ist sowieso effektiver als jedes Wort.

Begleiten

Ihr Besucher schließt von der Strecke, die Sie ihm entgegengehen, auf Ihr Entgegenkommen: Sorgen Sie dafür, dass ein Besucher die innere Türklinke nicht selbst bedienen muss, weder beim Betreten noch beim Verlassen Ihres Raumes. Signalisieren Sie ihm damit, dass Sie sich rundum um ihn kümmern. Sind Sie zu Gast, überlassen Sie dem Gastgeber das Öffnen und Schließen von Türen. Erst wenn er seine Chance, sich als Regisseur zu verhalten, nicht nutzt, springen Sie in die Bresche.

"Links schützt rechts."

Diese alte Regel kennen Sie vom Opernball: Der Herr geht links, die Dame rechts, auf gefährlichem Boden wie dem Bürgersteig geht der Herr an der Fahrbahnseite. Heute gilt diese Sicherheit und Anerkennung bietende Anordnung natürlich geschlechtsneutral: Der Gastgeber geht links, der Gast / die Gäste rechts. Wie beim Fototermin der Ehrengast rechts vom Gastgeber steht und in abfallender Rangfolge die weiteren Personen.

Der Vortritt

Vor einer anderen Person gehen zu dürfen, wird als Zeichen von Anerkennung verstanden. Daher lässt der Mitarbeiter dem Vorgesetzten, der Ortskundige dem Fremden, der Gastgeber seinen Gästen, der Herr der Dame in geschützten, überschaubaren Räumen den Vortritt. Das gilt auch für den Aufzug. In unübersichtlichen Räumen, durch Gänge und auf fremdem Terrain hingegen geht der Gastgeber/ Regisseur/ Beschützer lenkend voran. Das tut er auch im Restaurant. Wer zahlt, führt Regie, spricht mit dem Kellner usw. Sobald der Kellner jedoch auf dem Weg zum Tisch die Führung übernommen hat, wechselt der Gastgeber an das Ende der Reihe: Nun haben seine Gäste Vorrang. Wenn eine Frau einlädt, hat sie die Rolle des Gastgebers inne.

Auf der Treppe

Die Treppe hinauf ging früher der Herr zuerst, weil es als unschicklich galt, wenn sich männliche Blicke von den Fesseln oder anderen Körperregionen einer Dame fesseln ließen. Diese keuschen Zeiten sind in unseren Breiten passé. Bei uns geht heute der Herr zuerst die Treppe hinauf wie hinunter: um für den Fall des Falles schützend / bremsend mit Körperkraft einzugreifen.

Platzieren

  • Bieten Sie einem Besucher einen bestimmten Platz an: Als Gastgeber sind Sie der Regisseur.
  • Respektieren Sie das Sicherheitsbedürfnis Ihrer Gäste: Platzieren Sie sie nicht mit dem Rücken zur Tür.
  • Zollen Sie ihnen Anerkennung, indem Sie sie nicht so setzen, dass sie von der Sonne o.ä. geblendet werden.
  • Behalten auch Sie selbst alles im Blick: Setzen Sie einen Besucher nicht ins Gegenlicht. Sie würden seine minimalen Reaktionen wie Verkleinerung der Pupillen o.ä. nicht erkennen können.
  • Im Sinne eines harmonischen Miteinanders vermeiden Sie eine Frontenbildung. Eine Anordnung im rechten Winkel am runden Tisch ist ideal, aber nicht immer praktikabel. Rutschen Sie wenigstens aus der direkten Gegenüber-Position leicht heraus.
  • Setzen Sie sich selbst zuletzt.

Übrigens: In konservativen Kreisen sitzen Herren niemals, solange eine Dame steht.

Anstand heißt Abstand

Vermeiden Sie auch im Stehen die Frontale - vor allem bei Größenunterschieden. Stellen Sie sich über Eck. Städter brauchen eine größere gesellschaftliche Distanz als Menschen vom Land. Dieintime Distanz hat im Geschäftsleben nichts zu suchen. Schauen Sie der Assistentin nicht über die Schulter! Die persönliche Distanzbeträgt 50 bis 100 cm. Die gesellschaftliche Distanz, die Zone, in der Sie einschätzen, ob Kontakt möglich wird, beträgt bis zu drei Meter. Auf die darüber hinaus gehende öffentliche Distanzgehen Sie bei Vorträgen usw.- immer wenn mehrere Menschen freien Blick auf Sie haben sollen.

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