Die Eingewöhnung kann lange dauern
Der Umzug sollte in jedem Falle gut vorbereitet sein, denn die nationalen und regionalen Besonderheiten sind vielfältig und stehen teilweise in starkem Kontrast zu deutschen Gepflogenheiten. Die Eingewöhnung in diese uns Westeuropäern sehr fremd erscheinende Kultur kann sehr lange dauern. Die folgenden Informationen für Neuankömmlinge in den arabisch-islamischen Staaten Türkei, Iran, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate weisen auf wesentliche Unterschiede hin und erleichtern Ihnen den Einstieg in den neuen Alltag.
Islamische Konventionen
Die gesellschaftlichen Konventionen in den arabisch-islamischen Ländern sind stark von der Glaubenslehre des Islam und seinen Werten und Gesetzen bestimmt. In Auslegung und Ausführung der im Koran festgeschriebenen Regeln unterscheiden sich die einzelnen Länder jedoch. Während in Saudi-Arabien das Bekenntnis zum Islam und die bedingungslose Unterwerfung unter seine Gesetze einen dominierenden Faktor darstellt, sind Länder wie die Türkei und sogar die Vereinigten Arabischen Emirate etwas gemäßigter in ihrer Interpretation. Die Türkei als Brückenland zwischen Europa und Asien nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderrolle ein. Der Islam hat auch hier seine zentrale Bedeutung nicht verloren, eine deutliche Annäherung an die westliche Kultur ist jedoch spürbar.
Innerhalb einer traditionellen arabischen Familie ist das Alter und das Geschlecht von großer Bedeutung. Die Familienmitglieder übernehmen die ihrem Geschlecht und ihrem Alter entsprechenden Aufgaben und Verantwortungen und füllen ihre traditionell angestammten Rollen aus. Im Iran und in Saudi-Arabien sind Frauen in der Öffentlichkeit deshalb nur in der traditionellen Bekleidung zu sehen. Auch von ausländischen Frauen wird verlangt, dass sie sich an die islamischen Bekleidungsvorschriften halten und Kopftuch, weiten Mantel, blickdichte Strümpfe oder lange Hose tragen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten unterliegen Frauen weniger strikten Beschränkungen, aber auch hier ist hinsichtlich der Kleidung Zurückhaltung geboten.
Während des Fastenmonats Ramadan ist in allen arabisch-islamischen Ländern öffentliches Essen, Trinken, Rauchen und selbst das Kaugummi kauen bei Strafe verboten, und zwar von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Im Iran sind Einfuhr und der Genuss von Alkohol ganzjährig verboten.
Sprache
Obwohl als Geschäftssprache meist Englisch gesprochen wird, ist die Beherrschung der Landessprache auf lange Sicht unerlässlich, um sich in der neuen Gesellschaft zurecht zu finden und sich in ihr zu integrieren.
In den arabisch-islamischen Ländern wird die arabische Hochsprache oder einer ihrer vielen Dialekte (Ägyptisch, Sudanesisch, Syrisch, Maghribinisch) gesprochen und auch die arabische Schrift benutzt. Im Iran werden immer noch über 15 verschiedene Sprachen gesprochen, hauptsächlich Persisch (Farsi) und persische Dialekte. Aber auch Türkisch und türkische Dialekte sind gängig. Unter den übrigen Sprachen sind im Iran Kurdisch, Luri, Baloch, Arabisch und Turkmenisch am häufigsten. In der Türkei wird türkisch und in den kurdischen Gebieten kurdisch gesprochen.
Generell gilt, dass Sie sich in der Zeit kurz nach Ihrer Ankunft nicht auf Ihre eigenen Sprachkenntnisse - wenn Sie solche besitzen - verlassen sollten. Ziehen Sie immer einen erfahrenen Übersetzer zu Rate, insbesondere wenn es um die Unterzeichnung bindender Verträge oder anderer offizieller Dokumente geht. Eine Liste beglaubigter Übersetzer erhalten Sie von der Deutschen Botschaft.
Gesundheit und Versicherungen
In den Städten der arabisch-islamischen Region ist die medizinische Versorgung relativ gut und kann durchaus mit deutschen Standards verglichen werden. In einigen Städten sind auch deutschsprachige Ärzte tätig. Eine Liste erhalten Sie von der jeweiligen Deutschen Botschaft. Auf dem Lande ist die medizinische Versorgung dagegen eher unzureichend und vor allem die Rettung und Erstversorgung bei Unfällen ist schwierig.
Informieren Sie sich vor Ihrer Abreise bei deutschen Anbietern von Auslandskrankenversicherungen über deren Tarife, Konditionen und Leistungen. Schließen Sie zusätzlich noch eine Reisekrankenversicherung ab. Diese sind für wenig Geld in vielen Banken erhältlich und decken alle Schäden ab, die Ihnen während Ihrer Reise entstehen. Reisekrankenversicherungen decken nur Reisen von bis zu 6 Wochen am Stück ab, sind also nicht ausreichend für einen längeren Auslandsaufenthalt. Achten Sie beim Abschluss darauf, dass eine Rückholversicherung mit eingeschlossen ist. Informieren Sie sich auch bei Ihrem neuen Arbeitgeber, inwiefern Sie über Ihr neues Unternehmen abgesichert sind.
In einigen Ländern herrschen bestimmte gesundheitliche Einreisebestimmungen. So wird zum Beispiel bei der Einreise in den Iran für einen Aufenthalt von mehr als drei Monaten oder zur Arbeit im Lande ein negatives HIV-Testergebnis verlangt.
Machen Sie sich vor Ihrer Abreise mit den Gesundheitsstandards im Zielland vertraut. Bestimmte Impfungen sind meist nicht vorgeschrieben, in einigen Ländern aber empfohlen. Konsultieren Sie vor Ihrer Abreise Ihren Hausarzt und lassen Sie sich beraten.
Informieren Sie sich auch rechtzeitig über andere Versicherungsarten, die für Sie interessant sein könnten. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr neuer Arbeitgeber alles für Sie erledigt. Dies könnte insbesondere bei mitausgereisten Familienmitgliedern nicht der Fall sein.
Geld und Banken
Die verschiedenen Währungen sind:
- Saudi-Arabien: 1 Saudi Riyal (SR) = 20 Quirshes = 100 Halala
- Vereinigte Arabische Emirate: 1 Dirham (DH) = 100 Fils
- Iran: 1 Rial (IR) = 100 Dinars
- Türkei: 1 Türkische Lira (TL) = 100 Kurus
Die aktuellen Wechselkurse können Sie bei Ihrer Bank erfragen oder dem Finanzteil der Tageszeitungen entnehmen.
Bargeld können Sie an allen Flughäfen oder bei verschiedenen Banken umtauschen. Allerdings können Sie nicht benötigte Beträge nicht immer zurücktauschen.
Im Iran sollten Sie immer ausreichend Bargeld mit sich führen, denn es werden grundsätzlich keine Kreditkarten oder Traveller-Schecks akzeptiert. Nur in einigen Hotels der gehobenen Klasse kann mit der Eurocard/Mastercard bezahlt werden, in den Filialen der Melli-Bank kann mit derselben Kreditkarte Bargeld eingetauscht werden.
Wenn Sie in der Türkei ein Bankkonto eröffnen wollen, benötigen Sie eine Steuernummer, die Sie beim Finanzamt erhalten. Ein türkisches Bankkonto ist empfehlenswert, denn die Zinsen sind höher als bei deutschen Banken. Sie können sowohl ein Lire-Konto als auch ein Euro-Konto eröffnen.
In Saudi-Arabien haben Sie die Qual der Wahl zwischen den Angeboten der vielen saudischen Banken oder der international tätigen deutschen Banken. Formalitäten zum Eröffnen eines Kontos werden unkompliziert erledigt. Wenn Sie Kunde einer saudischen Bank werden, steht Ihnen oft Internetservice zur Verfügung. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, kostenlos Bargeld von allen Bankautomaten Ihrer Bank sowie von denen der Partnerbanken abzuheben.
Auch in der Steueroase Vereinigte Arabische Emirate ist das Eröffnen eines Bankkontos unkompliziert und problemlos. Wenn Sie kein Konto bei einer arabischen Bank eröffnen wollen, finden Sie Filialen aller internationalen Banken und auch aller großen deutschen Banken wie der Commerzbank oder der Deutschen Bank in den Finanzzentren Dubai und Abu Dhabi. Rufen Sie bei einer der Filialen an und lassen Sie sich beraten oder besorgen Sie sich entsprechende Informationen schon vor Ihrer Abreise bei Ihrer Filiale in Deutschland.
Auto und Führerschein
Autofahren im Ausland kann schnell zum Abenteuer werden. So warnt die Deutsche Botschaft in Ankara, beim Autofahren in der Türkei besonders vorsichtig zu sein. Es gelten dort zwar die gleichen Verkehrsvorschriften wie in Deutschland, jedoch sind sie nur verhältnismäßig wenigen Autofahrern bekannt bzw. werden von ihnen beachtet.
Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Landesbevölkerung für ihre eher aggressive Fahrweise bekannt. Das Autofahren ist, genau wie im Iran, dank gut ausgebauter Straßen relativ unbeschwerlich.
In allen Stadtgebieten und insbesondere in den Metropolen kann es zu sehr hoher Verkehrsdichte kommen.
Folgende Vorschriften bezüglich der Fahrerlaubnis gilt es zu beachten:
- Zum Autofahren wird ein internationaler Führerschein in der Türkei und im Iran nicht benötigt, aber empfohlen.
- In den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen alle Ausländer - gleich ob Mann oder Frau - eine temporäre Fahrerlaubnis einholen.
- In Saudi-Arabien herrscht ein generelles Fahrverbot für Frauen. Ausländische Männer dürfen nur mit einem internationalen Führerschein und nur für kurze Zeit ein Kraftfahrzeug führen. Bei längeren Aufenthalten muss ein saudischer Führerschein erworben werden. Dafür wird Ihr nationaler Führerschein verlangt sowie Ihre Aufenthaltsgenehmigung, die Sie übrigens auch zum Kauf eines Autos benötigen.
In allen Ländern der arabisch-islamischen Welt kann der Kauf eines Autos in der Regel unkompliziert abgewickelt werden. Gebrauchtwagenhändler und private Anbieter lassen sich über die Gelben Seiten und die Tagespresse finden.
Wenn Sie in der Türkei ein Auto zulassen wollen, dann benötigen Sie eine Aufenthaltsgenehmigung sowie seit Ende 2001 auch eine Steuernummer. Jeder Ausländer darf allerdings nur ein gekauftes Auto auf seinen Namen zulassen. Ausländische Fahrzeuge müssen nach spätestens sechs Monaten wieder außer Landes - und sei es auch nur für wenige Stunden - da es im Pass vermerkt wird.
Lebenshaltungskosten und Einkaufen
Nach Angaben der lokalen Industrie- und Handelskammern sind die monatlichen Lebenshaltungskosten im Iran, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten bei weitem niedriger als in Deutschland. Nur in Saudi-Arabien können die monatlichen Kosten unter Umständen höher sein als bei uns.
Die Ladenöffnungszeiten variieren von Land zu Land, wobei sich die Türkei am ehesten an den deutschen Öffnungszeiten orientiert. Allerdings sind manche Geschäfte in der Türkei auch am Sonntag geöffnet. Im Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind alle Läden freitags geschlossen.
Im Königreich der Saudis genießen deutsche Produkte ein sehr hohes Ansehen. Neben deutscher Technik und deutschen Autos haben seit kurzem auch deutsche Lebensmittel Einzug in das saudische Leben gehalten: In großen Supermärkten findet man ein kleines Angebot an deutscher Wurst, Käse, Geflügel und Süßigkeiten. Auch deutsches Bier wird in einer alkoholfreien Version angeboten.
Formalitäten
Informationen zu den arabisch-islamischen Formalitäten erhalten Sie unter den nachfolgenden Links.
Iran
Post
Luftpostsendungen aus dem Iran nach Europa benötigen mindestens 2 Wochen. Die Postämter sind geöffnet von Montag bis Donnerstag, und zwar von 7.30 Uhr bis 15 Uhr, die Hauptpostämter sind bis 21 Uhr geöffnet. Briefmarken können aber auch an Kiosken gekauft werden.
Telefon
Bei Telefongesprächen vom Iran nach Deutschland wählen Sie die internationale Vorwahl 0049 gefolgt von der Vorwahl ohne die erste Null und der Rufnummer. Die internationale Vorwahl des Iran ist 0098.
Über einen Selbstwählferndienst können Sie von jedem Telefonapparat ins Ausland telefonieren, sogar von einer der gelben Telefonzellen aus. Informieren Sie sich vorher über die aktuellen Tarife.
Ihr D1- oder O2-Handy funktioniert über das GSM 900-Netz. Die großen iranischen Netzbetreiber sind TCI und Payam Kish Co.
Internet
Internetanschlüsse sind im Iran noch nicht weit verbreitet.
In großen Städten wie Teheran gibt es auch einige Internetcafés. Der Internetzugang wird auch im Iran über eine Filtersoftware staatlich kontrolliert, obwohl Pressefreiheit Verfassungsrecht ist. Dieses Recht beruht allerdings auf der Basis islamischer Prinzipien, was eine starke Einschränkung und Zensur zur Folge hat.
Saudi-Arabien
Post
Luftpostsendungen von Saudi-Arabien nach Deutschland können über eine Woche unterwegs sein.
Telefon
Bei Telefongesprächen von Saudi-Arabien nach Deutschland wählen Sie die internationale Vorwahl 0049 gefolgt von der Vorwahl ohne die erste Null und der Rufnummer. Die Vorwahl von Deutschland aus ist: 00966.
Das moderne Telekommunikationsnetz Saudi-Arabiens ist mit Satelliten- und Kabelsystemen ausgestattet. Ins Ausland können Sie über einen einfachen Selbstwählferndienst telefonieren.
Mobil telefonieren können Sie in Saudi-Arabien auf dem GSM 900-Netz, das in über 45 Städten verfügbar ist. Telefonieren mit Ihrem deutschen D1- oder O2-Handy ist somit möglich.
Internet
Das Internet in Saudi-Arabien ist wie das Fernsehen staatlich kontrolliert. Zwar bieten knapp 40 verschiedene Provider den Zugang zum Internet an, aber alle Datenleitungen führen zum staatlichen Zentrum für Wissenschaft und Technik, das über eine Filtersoftware verhindert, dass unerwünschte Seiten aufgerufen werden.
Türkei
Post
Luftpostsendungen von der Türkei nach Europa sind in der Regel nicht länger als 3 Tage unterwegs. Türkische Postämter haben ein gelbes Schild mit der Aufschrift "PTT". Öffnungszeiten der Hauptpostämter: Montag bis Samstag 8 Uhr bis 24 Uhr, Sonntag 9 bis 19 Uhr.
Telefon
Bei Telefongesprächen von der Türkei nach Deutschland wählen Sie die internationale Vorwahl 0049 gefolgt von der Vorwahl ohne die erste Null und der Rufnummer. Die internationale Vorwahl der Türkei: 0090.
Das türkische Telefonnetz ist gut ausgebaut, und nur in ländlichen Gegenden kann man Probleme bekommen, einen öffentlichen Fernsprecher zu finden. Telefonieren kann man nur mit Telefonmünzen oder -karten, die man in Postämtern und an Zeitungskiosken erwerben kann.
Deutsche D1- und O2-Handys funktionieren über das GSM 900-Netz, das in den meisten städtischen Gebieten verfügbar ist. Wenn Sie in der Türkei ein Handy erwerben wollen, schließen Sie einen Prepaid-Vertrag ab, denn diese sind für Gespräche innerhalb der Türkei besonders günstig.
Bei kurzen Aufenthalten können Sie in einem der vielen Internetcafés surfen.
Fernsehen
Erst seit Mitte der neunziger Jahre muss sich der staatliche Fernsehsender TRT privater Konkurrenz stellen. Obwohl in der türkischen Verfassung die Pressefreiheit garantiert ist, werden alle Sendungen vom Rundfunk- und Fernsehrat geprüft und zensiert.
Vereinigte Arabische Emirate
Post
Luftpostsendungen von den Vereinigten Arabischen Emiraten sind etwa fünf Tage nach Europa unterwegs.
Telefon
Bei Telefongesprächen von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Deutschland wählen Sie die internationale Vorwahl 0049 gefolgt von der Vorwahl ohne die erste Null und der Rufnummer. Die Vorwahl von Deutschland aus ist 00971. Im folgenden eine kurze Liste der wichtigsten Gebietsvorwahlen, die im Anschluss an die internationale Vorwahl gewählt werden:
- Dhabi - 02
- Ajman, Sharjah, Umm al Quaiwan - 06
- Dubai - 04
- Al Ain - 03
- Ras al-Khaimah - 07
Das Telefonnetz der Emirate ist gut ausgebaut und funktioniert gut. Ihr Handy können Sie über das GSM 900-Netz benutzen. Ein lokaler Anbieter, bei dem Sie auch Telegramme aufgeben können, ist Etisalat: www.etisalat.co.ae
Internet
Intenetcafés finden Sie in den Großstädten Abu Dhabi und Dubai.



