Vertrag von Evian
Am 3. Juli 1962 war es soweit: Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle proklamierte die Unabhängigkeit Algeriens. Grundlage war der Vertrag von Evian vom März desselben Jahres. Man schloss ein Waffenstillstandsabkommen und einigte sich auf einen kooperativen Austausch zwischen den Ländern. Frankreich sollte Algerien zwar finanziell noch unterstützen, doch durch die Einigung auf eine Kooperation konnte Charles de Gaulle für Frankreich den Zugang zu den Erdölreserven Algeriens sichern. Die völlige Unabhängigkeit für Algerien sollte nach einer Übergangsfrist in Kraft treten. Das Abkommen von Evian bestätigten die Algerier in einer Volksabstimmung mit 99,97%.
Interne Kämpfe
Bis zur Wahl einer Nationalversammlung sollte eine vorläufige Regierung unter Abderrahman Fares das Land regieren. Doch just als de Gaulle die Unabhängigkeit proklamierte, siedelte die Provisorische Algerische Regierung (GPRA) aus dem tunesischen Exil nach Algier über. Ihr Ziel war es, unter der politischen Führung von Yousuf Ben Khedda ein demokratisches Algerien zu bilden. Ahmed Ben Bella, der stellvertretende Ministerpräsident der GPRA, hatte allerdings andere Pläne: Er wollte einen volksdemokratischen Staat marxistischer Prägung. Sein Programm sah u.a. die Enteignung der französischen Siedler vor und barg damit neue Konflikte in sich.
Ben Bella zog die Befreiungsbewegung Front de libération nationale (FLN) auf seine Seite und schaffte es mit deren Unterstützung, Teile Algeriens zu besetzen. Es kam zum Bruch zwischen den Gruppierungen, die gemeinsam für die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Landes gekämpft hatten. Ben Bella etablierte im Folgenden die Herrschaft der FLN und verfolgte einen islamisch geprägten Sozialismus, behielt die Zusammenarbeit mit Frankreich aber bei.



