Schülerinnen und Schüler ausländischer Herkunft haben Probleme, im Unterricht mitzuhalten. Wie kann an deutschen Schulen erreicht werden, dass herkunftsbedingte Benachteiligungen ausgeglichen werden?
Kinder, die nicht gut deutsch sprechen können, müssen schon vor der Einschulung besonders gefördert werden, damit sie bei Schulbeginn mit den gleichen Chancen an den Start gehen, wie alle anderen Kinder. Wir brauchen auch deshalb einen klaren Bildungsauftrag für den Kindergarten. Was ein Kind in den ersten fünf Lebensjahren versäumt, kann es später nur sehr mühsam wieder aufholen. Wir brauchen aber auch Deutsch-Intensivkurse für ausländische Kinder und Jugendliche, die später ihre Schullaufbahn in Deutschland beginnen.
Wie sollte sich der Unterricht Ihrer Meinung nach ändern, damit Schule wieder Spaß macht und die Lernerfolge messbar werden?
Es wird sich etwas ändern, wenn wir das Leben in die Schulen zurückholen. Es gibt bereits eine Menge Schulen in Deutschland, die mit guten Beispielen vorangehen. Ich glaube, es ist ganz wichtig, diese best-practice Beispiele stärker bekannt zu machen, so dass andere Schulen nicht das Rad neu erfinden müssen, sondern aus guten Beispielen lernen können.
In den Ländern, die bei der PISA-Studie am Besten abschneiden, findet die Schule ganztägig statt. Ist das nicht auch ein Plädoyer für die Gesamtschule?
Ja, das ist es! Lernen braucht Zeit und die haben Kinder und Jugendliche, wenn sie in Ganztagsschulen lernen. Gerade wenn Kinder nicht nur schematisch lernen, eine Regel nicht nur automatisch herunterspulen, sondern sie selbst erarbeiten und aktiv anwenden sollen, brauchen sie eine intensive pädagogische Zuwendung. Mit Hilfe von Ganztagsschulen gelingt es wesentlich besser, Bildungsbarrieren abzubauen, die Sprachkompetenz von Jugendlichen zu erhöhen und individuelle Begabungen besser zu fördern.
Das Gespräch führte Boris Udina, wissen.de. Veröffentlichung, auch auszugsweise, ist nur unter ausdrücklicher Nennung von wissen.de gestattet.




