Am 28. Juli 1907 wird Earl Silas Tupper in Amerika geboren.
Etwas bestürzt nehme ich zur Kenntnis, dass ich wohl jetzt die „Hausfrauenliga“ erreicht habe. Bereits meine Mutter nahm mal an einer Tupperparty teil. Tupper, Avon, Kochtöpfe und Co werden schon seit Jahrzehnten im so genannten Partyshopping an die Frau gebracht.
Naja, irgendwie bin ich neugierig, wer kommt, was gibt es und einen neuen Eiswürfler brauche ich ja auch, gibt’s bestimmt von Tupper. Ich bestätige mein Kommen telefonisch und die Gastgeberin flötet „Freue mich auf dich“.
Earl Silas Tupper lernte bei seinem Arbeitgeber - ein Chemiekonzern - den Kunststoff Polyethylen kennen und sein Erfindergeist kam in Gang.
Eine halbe Stunde zu spät platze ich in die Wohnzimmerveranstaltung hinein. Meine Gastgeberin begrüßt mich sehr beschwingt, bietet mir gleich ein Glas Rotwein an und weist mir einen Stuhl zu. Auf der langen Couch ist kein Platz mehr, da sitzen bereits – upps - fünf meiner Nachbarinnen, trinken Wein und Wasser und knabbern kleine warme Pizzasnacks und salziges Gebäck, während sie ihre Aufmerksamkeit gespannt nach vorne richten. Auch die fünf Stühle neben mir sind besetzt.
Die Hauptdarstellerin, eine etwa 90 Kilogramm schwere Frau mittleren Alters, lässt sich durch mein Ankommen nicht aus der Ruhe bringen. Sie stellt gerade das „CombiPlus-Zubereitungs-Set“ im tiefsten bayerisch vor, drückt mir gleichzeitig mein Gastgeschenk „Grünschnabel“- eine apfelgrüne Getränkekanne -, den Katalog, die Bestellliste mitsamt einer Schreibunterlage und Kugelschreiber in die Hand.
Tupper erfand den Plastikdeckel, mit dem man die Plastikdosen luft- und wasserdicht verschließen konnte. 1949 ließ er seinen luftdichten Plastikbehälterverschluss patentieren.
And the show goes on: Zum 100. Geburtstag des Erfinders gibt es den ”Wunderöffner” (Dosenöffner), das “Sonnenkarusell” (Salatschleuder) und den “Drinkman” (Plastikflasche) im Angebot. Die temperamentvolle Verkaufsdame präsentiert ausgewählte und offensichtlich nur die jüngsten Tupper-Erfindungen lebhaft und praxisnah. Man kennt hier im Raum wohl die Ware. Gelbe, grüne, weiße, blaue, orangefarbene Schüsselchen, mit und ohne Deckel stehen auf dem überquellenden Tisch neben ihr. Jedes Töpfchen wird verbal mit einer Anekdote aus dem Leben gefüllt. Die dreiköpfige Mutter hat natürlich reichlich Stoff und spickt das Ganze mit Haushaltstipps rund um Schimmel, Schweinebraten und Eisrezepten. Geschlechterunterschiede und Erziehungsprobleme werden am Beispiel von Salz- und Pfeffersteuer und Silicondeckel erörtert. Im übrigen ist das eine reine Frauenveranstaltung, wer im Haushalt die Chefin ist - keine Frage. Das Wort „Emanzipation“ kann man in der „Tupperwelt“ streichen – zumindest auf dieser Ebene.
Tupperpartys gibt es bereits seit 1951, der Tupperwaren-Erfinder kam gemeinsam mit Brownie Wise auf die Idee des Direktvertriebs. Sein Produkt ist mittlerweile in über 100 Ländern auf allen Kontinenten vertreten.
Oma und Enkeltochter amüsieren sich köstlich über die Vorführung und nach der Präsentation beginnt eine laute Diskussion über die möglichen Einkäufe. Profigäste haben sogar ein Maßband dabei, um zu erfahren, ob die Obstschüssel tatsächlich in das Gemüsefach eines Kühlschranks passt. Schon zu Anfang sagte die Tupperwaren-Beraterin, so die offizielle Bezeichnung: „Tupper ist einfach gut, Tupper ist auch teuer, da müssen wir nicht drüber reden. Umtauschen kann man Tupper auch noch nach 30 Jahren“. Natürlich auf bayerisch. Gibt es jetzt noch Argumente dagegen? Nein, jetzt geht es nur noch darum, wo man die Sachen gedanklich in seinem Haushalt verstauen kann und was man wirklich überhaupt nicht braucht.
Und was glauben Sie, wie mein Abend endet? Auf meiner Bestellliste steht: Salat Karusell mit Drehstoff und Ausgießöffnung, Brotmax, PrimaKlima Behälter und Bungee. Hoffentlich führt mich niemals mehr jemand in die Tupper-Versuchung!



