Unter Strom
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Unter Strom

Bild: Foto: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Steinkohle ist mit einem Anteil von 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch der Hauptenergieträger. China hat in den letzten Jahren seinen Verbrauch an Steinkohle nahezu jährlich verdoppelt. Da es über nur zwei Prozent der weltweiten Erdölreserven verfügt, importiert China seit Beginn der 1990er-Jahre Erdöl. Gegenwärtig führt China etwa die Hälfte seines Bedarfs ein und ist weltweit der zweitgrößte Erdölkonsument. Die Ölimporte stammen mehrheitlich aus dem Vorderen Orient, aber auch aus Russland, Afrika sowie Zentralasien und Lateinamerika. Besonders der schnell wachsende chinesische Automarkt forciert den Bedarf – Chinas zunehmende Nachfrage macht sich inzwischen durch drastisch gestiegene Weltmarktpreise für Erdöl bemerkbar. Auch deshalb plant die chinesische Regierung den Ausbau der Atomenergie von derzeit einem auf vier Prozent im Jahre 2020 und folglich den Bau von über 30 neuen Atomkraftwerken. Daneben sollen Wasser- und Windkraft sowie erneuerbare Energien gefördert werden. Im März 2005 hat der chinesische nationale Volkskongress ein Gesetz über erneuerbare Energien verabschiedet. Bis 2020 sollen 15 Prozent der Energie aus Sonne, Wind- und Wasserkraft gewonnen werden. Die Nutzung der Wasserkraft wird insbesondere in den wasserreichen Gebieten in Südwestchina verstärkt. Neben dem Großprojekt des Drei-Schluchten-Damms gibt es zahlreiche weitere Vorhaben, bei denen jedoch die Gefahr besteht, dass nicht nur einzigartige Landschaften rücksichtslos zerstört, sondern auch Hunderttausende Menschen gegen ihren Willen und zumeist ohne jede Mitsprachemöglichkeit umgesiedelt werden. Das Vorhandensein von Energie und Rohstoffen in ausreichender Menge ist für China von entscheidender Bedeutung, wenn die ökonomische Entwicklung weitergehen soll. Und auf ökonomische Erfolge ist die Regierung dringend angewiesen, um zumindest ein Mindestmaß an sozialer und politischer Stabilität zu bewahren.

Fossile und erneuerbare Energieträger

Steinkohle ist mit einem Anteil von 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch der Hauptenergieträger. China hat in den letzten Jahren seinen Verbrauch an Steinkohle nahezu jährlich verdoppelt. Da es über nur zwei Prozent der weltweiten Erdölreserven verfügt, importiert China seit Beginn der 1990er-Jahre Erdöl. Gegenwärtig führt China etwa die Hälfte seines Bedarfs ein und ist weltweit der zweitgrößte Erdölkonsument. Die Ölimporte stammen mehrheitlich aus dem Vorderen Orient, aber auch aus Russland, Afrika sowie Zentralasien und Lateinamerika. Besonders der schnell wachsende chinesische Automarkt forciert den Bedarf – Chinas zunehmende Nachfrage macht sich inzwischen durch drastisch gestiegene Weltmarktpreise für Erdöl bemerkbar. Auch deshalb plant die chinesische Regierung den Ausbau der Atomenergie von derzeit einem auf vier Prozent im Jahre 2020 und folglich den Bau von über 30 neuen Atomkraftwerken. Daneben sollen Wasser- und Windkraft sowie erneuerbare Energien gefördert werden. Im März 2005 hat der chinesische nationale Volkskongress ein Gesetz über erneuerbare Energien verabschiedet. Bis 2020 sollen 15 Prozent der Energie aus Sonne, Wind- und Wasserkraft gewonnen werden. Die Nutzung der Wasserkraft wird insbesondere in den wasserreichen Gebieten in Südwestchina verstärkt. Neben dem Großprojekt des Drei-Schluchten-Damms gibt es zahlreiche weitere Vorhaben, bei denen jedoch die Gefahr besteht, dass nicht nur einzigartige Landschaften rücksichtslos zerstört, sondern auch Hunderttausende Menschen gegen ihren Willen und zumeist ohne jede Mitsprachemöglichkeit umgesiedelt werden. Das Vorhandensein von Energie und Rohstoffen in ausreichender Menge ist für China von entscheidender Bedeutung, wenn die ökonomische Entwicklung weitergehen soll. Und auf ökonomische Erfolge ist die Regierung dringend angewiesen, um zumindest ein Mindestmaß an sozialer und politischer Stabilität zu bewahren.

Beherrschung des Wassers

China ist heute das Land mit den weltweit meisten und größten Staudämmen. In den letzten 50 Jahren wurden 86 000 Dämme gebaut und 17 Millionen Menschen dafür umgesiedelt. Der größte dieser Dämme ist der berühmte Drei-Schluchten-Damm. Er ist achtmal größer als der ägyptische Assuan-Damm und kostete »nur« 22 Milliarden US -Dollar. Für den über 600 km langen Stausee wurden wertvolle Flächen fruchtbaren Ackerlandes aufgegeben und mindestens 1,5 Millionen Menschen umgesiedelt. Die umweltfreundlichste Technologie der Welt soll einmal mit Hilfe von 26 Turbinen jeweils Strom für je eine Millionenstadt liefern. Das entspräche insgesamt 18 200 Megawatt bzw. der Leistung von 15 Atomkraftwerken. Durch diese Stromproduktion sollen jährlich 40 Millionen Tonnen Kohle weniger verbrannt und damit die Kohlendioxidemissionen erheblich gesenkt werden. Außerdem verspricht der Damm eine bessere Hochwasserkontrolle, eine verbesserte Schiffbarkeit und die Senkung der Schifffahrtskosten sowie die Anbindung der Megacity Chongqing an die boomende Ostküste. Dieses technologische Bravourstück soll China den Status einer modernen Industrienation verleihen. Die sozialen Probleme, die die unfreiwilligen Umsiedlungen hervorrufen, werden die neue Industrienation jedoch die kommenden Jahrzehnte hinweg überschatten. Wasser gilt von alters her als Grundelement der chinesischen Zivilisation. DerWohlstand ganzer Regionen und der Bestand der Dynastien hingen früher von der Bewässerungstechnik ab. Der Hof verwaltete die Wasserspeicher, denn die Kontrolle über das Wasser bedeutete Macht. Neben der Bewässerung der Felder und der Flutkontrolle gehörte dazu auch die Kontrolle über die Wasserwege zum Transport von Nahrungsmitteln, Waren und Soldaten. Im Bewusstsein vieler Chinesen beginnt die chinesische Kulturgeschichte mit einer mythischen Sagengestalt, dem »großen Yu«. Er bezwang den Huang He, lenkte neun Flüsse ins Meer und machte damit riesige Regionen fruchtbar. Er einigte die Stämme und begann die politisch-administrative Erschließung Chinas. Vor diesem Hintergrund ist für China bis heute die Bezwingung der Wasserkraft ein Thema von großem nationalem Symbolgehalt.

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